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US-Wahl 2020

04.11.2020

Warten, warten, warten: Was wir über die US-Wahl wissen – und was nicht

Die ersten Entscheidungen sind gefallen: Joe Biden hat die Abstimmung in dem kleinen Örtchen Dixville Notch in New Hampshire mit 5 zu 0 Stimmen gegen Donald Trump gewonnen.
Bild: Scott Eisen, AP/dpa

Es gibt keinen Biden-Durchmarsch, aber auch keinen Trump-Triumph: Die USA und die Welt müssen sich auf jene Hängepartie einstellen, die alle gefürchtet haben.

Es ist der Morgen, auf den wir alle gewartet haben, "the morning after", der Morgen danach - nach jener US-Präsidentschaftswahl, die man ohne jede Übertreibung als die aktuell wichtigste der Welt und die wichtigste amerikanische seit sehr langer Zeit bezeichnen kann. Jene Wahl, in der sich entscheiden wird, ob wir weiter jeden Morgen zu verrückten Tweets aus dem Weißen Haus aufwachen werden, weiter jeden Tag über das neueste Treiben in Washington diskutieren werden - oder ob, verglichen damit, Normalität, vielleicht gar etwas Langeweile in Gestalt eines vergleichsweise gewöhnlichen 77 Jahre alten Demokraten einkehren, Joe Biden

Und: Wir warten weiter. Denn noch ist der Vorhang frei nach Brecht zwar zu, und doch sind zwar nicht alle, aber doch noch viele Fragen offen. Wer wird ins Weiße Haus einziehen? Welche Mehrheit wird es im amerikanischen Senat geben? Und wer gewinnt die "popular vote", also die Mehrheit der Stimmen im ganzen Land (was Trump zu seinem großen Ärger vor vier Jahren noch nicht einmal annähernd gelang)?

US-Wahl 2020: Zittern um die "swing states"

Einiges steht schon fest: Das Repräsentantenhaus bleibt in der Hand der Demokraten, die untere Kammer des US-Kongress. Doch das ist keine Überraschung, es war schon eingepreist. Wesentlich spannender ist das neue Kräfteverhältnis in der oberen Kammer, dem Senat, wo die Senatoren sechs Jahre lang amtieren dürfen. Bislang halten die Republikaner dort die Mehrheit, das gab ihnen etwa die Rückendeckung, um konservative Richter am Obersten Gerichtshof durchzusetzen. Es gibt erste Anzeichen, dass die Demokraten dort aufholen, aber noch ist alles "too early to call", zu früh für eine Entscheidung.

Fest steht auch, dass sich die US-Wahl-Landkarte, jene berühmte Unterteilung in blaue Staaten (für die Demokraten) und rote Staaten (für die Republikaner) nicht dramatisch verändern wird. Florida geht wieder an Trump, wie auch der konservative Staat Texas, wo Biden hoffte, zu gewinnen. Die "swing states" hingegen bleiben die "swing states", besonders umkämpfte Bundesstaaten, auf die alle zitternd schauen: Ohio, Pennsylvania, Michigan, Wisconsin. Trump hat sich davon Ohio gesichert, durchaus eine Überraschung. Biden wiederum gewinnt wohl, ebenfalls überraschend, im traditionell konservativen Wüstenstaat Arizona.

Ein Verlierer der US-Wahlen: Die Meinungsforscher

Der „landslide“ für Joe Biden, also ein echter Durchmarsch, den manche angesichts seines Vorsprungs in vielen Umfragen, prognostiziert hatten, ist nicht zu erkennen, aber das wird diesem herzlich egal sein – wenn er am Ende gewinnt. Eine Stimme Mehrheit würde jedem Demokraten in den USA auch reichen. Die Frage ist nur, wie Trump sich verhalten würde, wenn es wirklich knapp wird? Wird er sich dann weigern, das Ergebnis anzuerkennen? Und, umgekehrt: Würden sich die Demokraten wieder, wie bei der legendären Wahl 2000 zwischen George W. und Al Gore, wieder in das Schicksal fügen, notfalls eine für sie negative Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA anzuerkennen?

Demostranten ziehen am Tag der US-Präsidentschaftswahl mit Transparenten mit der Aufschrift "Changes" und Black Lives Matter Fahnen durch die Stadt.
19 Bilder
Eine historische Wahlnacht: Impressionen aus den USA
Bild: Ted S. Warren/AP, dpa

Unklar ist auch noch, wann ein Sieger der US-Wahl feststehen wird. Denn: Der wichtige "swing state" Pennsylvania wird frühestens am Mittwoch die „early votes“ auswerten. Daraus resultiert immerhin eine ermutigendes Zeichen: Trump hat sich um Mitternacht nicht einfach zum Sieger erklärt, weil ihm eben diese Siege in wichtigen "swing states" fehlen.

Auch einen Verlierer der Wahl gibt es schon: die US-Meinungsforscher. Sie hatten nach dem Debakel vor vier Jahren, als viele von ihnen Hillary Clinton vorne sahen, hoch und heilig versprochen, ihre Methoden zu überprüfen. Doch offenbar scheinen sie die "red wave", die rote Welle - also die schiere Masse jener Trump-Anhänger, die am Wahltag an der Urne auftauchten, weiterhin unterschätzt zu haben. Uns bleibt nichts anderes übrig, als zu warten. Fingernägelkauen ist ausnahmsweise erlaubt.

Alle Informationen zur US-Wahl 2020 finden Sie in unserem News-Blog: Live-Ticker zur US-Wahl 2020: Fox News erklärt Trump zum Sieger in Florida.

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