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21.02.2017

„Lieber unerhört als ungehört“

Bild: Foto: Andreas Langer

Wenn jemand als Charakterkopf durchgeht, dann er: Prälat Wilhelm Imkamp, seit 28 Jahren Wallfahrtsdirektor in Maria Vesperbild, im Gespräch

Er ist ein versierter Theologe, belesener Wissenschaftler und hervorragender Rhetoriker. Auch deshalb schreckt Wilhelm Imkamp, Wallfahrtsdirektor in Maria Vesperbild und streitbarer Kirchenmann, vor keiner Auseinandersetzung zurück.

Herr Imkamp, der Fasching ist momentan in der heißen Phase. Vor einigen Jahren kritisierten Sie einen Discounter, der Mönchs- und Nonnengewänder anbot, diese daraufhin aber in der Region aus dem Sortiment nahm. Haben Sie seitdem keine kirchlichen Faschingsgewänder mehr entdeckt oder haben Sie Ihren Frieden mit dieser Art der Kostümierung gemacht?

Wilhelm Imkamp: Nein, meinen Frieden habe ich damit nicht gemacht. Aber das ist ja nur die Spitze eines Problems. Wir haben flächendeckend kaum noch Ehrfurcht vor dem Sacrum, Religion und religiösen Gebräuchen. Und Grenzüberschreitungen in diesem Bereich führen mitunter zu einem Fundamentalismus, unter dem wir alle leiden, der aber sozusagen selbst importiert ist.

Sie sind im Rheinland geboren, haben Sie selbst als Kind Fasching gefeiert?

Imkamp: Als Kind weniger, aber als Kaplan. Ich war in einer Pfarrei tätig, in der der Kirchenchor gleichzeitig eine Faschingsgesellschaft war und wo der Sitzungskarneval sehr intensiv zelebriert wurde – und ich war voll dabei. Manchmal zum Leidwesen meines Pfarrers. Fasching und Karneval ist etwas Katholisches. Überall, wo die Reformation siegte, wurde zuerst der Karneval abgeschafft.

Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Wie halten Sie es in den 40 Tagen bis Ostern mit dem Verzicht?

Imkamp: Heutzutage wird in der Fastenzeit nicht zu wenig gefastet, sondern zu viel. Denn das Fasten hat das falsche Motiv. Die schlanke Linie möchte ich natürlich auch gerne haben. Mein Doppelkinn soll auch etwas kleiner werden – ich bin dafür. Nur hat das mit Fastenzeit nichts zu tun. Figurbewusstes Diäthalten ist noch nicht Fastenzeit. Wir sollten in der Fastenzeit nicht auf etwas verzichten, was eigentlich negativ ist. Sondern auf etwas, was eigentlich gut ist, damit wir wirklich eine Entbehrung spüren. Und außerdem gehören asketische Übungen, also auch das Fasten, nicht ins Schaufenster der Selbstvermarktung, sondern sind Teile des religiösen Intimlebens. Sie gehen nur den lieben Gott und den Betreffenden an.

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