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Kauf vor Ort

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„Ping“

Bild: Thomas Balbierer

Der Einzelhandel wird sich verändern. Das steht für Tobias Langer, 1. Vorsitzender der Wirtschaftsvereinigung Höchstädt, fest. Wie aber sieht die Innenstadt von morgen aus?

Das Jahr 2020. Ein tapferer Entdecker bricht auf zur Schnäppchenjagd. Sein Ziel: die Innenstadt. Sein Kompass: das Smartphone. Ein kurzes „Ping“ ertönt. Das Handy meldet: „Nur für Sie. Nur heute. Schwarze Herrenschuhe aus Leder. Jetzt nur 59,99 Euro.“ Es ist der Schuhtempel im Süden der Stadt. Noch ein „Ping“. Noch ein Blick aufs Display. Noch ein tolles Angebot: „Lesen Sie das neue Buch Ihres Lieblingsautors! Der neue Schauerroman von Stephen King ist heute eingetroffen!“ Es grüßt die Bücher-Insel am Ende der Straße. „Ping“. Der Modepalast um die Ecke. „Ping“...

Sieht so der Einkauf der Zukunft aus? Eine ähnliche Vision entwarf Bernd Brenner, Vizepräsident des bayerischen Handelsverbands, in seiner Festrede beim Neujahrsempfang der Stadt Dillingen. Wie viel Realität darin steckt, weiß niemand.

Der Druck auf den Einzelhandel wird größer

Fakt aber ist: Der Einzelhandel wird sich verändern. Davon ist auch Tobias Langer überzeugt. Der eigenständige Unternehmer ist 1. Vorsitzender der Wirtschaftsvereinigung (WV) Höchstädt. Die Frage, wie sich Innenstädte attraktiver und selbstbewusster dem Internet gegenüber aufstellen können, beschäftigt Langer intensiv. Der Druck auf die Geschäftstreibenden wird immer größer.

Drei Gruppen entscheiden, wie der Handel von morgen aussieht

Wie radikal sich die Innenstadt wandelt, hängt von verschiedenen Personengruppen ab. „Es gibt drei Perspektiven, aus denen man das Thema sehen muss“, betont der WV-Vorsitzende.

1. Kunden – Langer spricht von der „Generation 40+“ –, die regelmäßig regional einkaufen und mit ihrer Kaufkraft eine wichtige Einnahmequelle des Einzelhandels bilden. Auch sie kaufen hin und wieder im Internet, aber: „Ihren Hauptbedarf decken sie über das lokale Angebot ab.“ Trotzdem sei es wichtig, gerade diese Zielgruppe dafür zu sensibilisieren, wie wichtig es ist, vor Ort zu kaufen. „Sie werden sich dann ihrer Verantwortung bewusst“, so Langer.

2.Die jungen Konsumenten, die mit Smartphone und Facebook aufgewachsen sind und den schnellen Online-Kauf dem Weg in die Innenstadt vorziehen. „Wie schafft man es, diese junge Generation zu erreichen?“, fragt Langer und liefert gleichzeitig eine Antwort: „Wir müssen sie digital abholen. Auf Facebook und anderen Sozialen Netzwerken.“ Der IT-Experte hält es für existenziell, dass stationäre Geschäfte im Netz präsent sind. „Nicht jeder Händler braucht deshalb gleich einen Online-Shop.“

3. Der Einzelhandel: „Die Händler müssen sich verändern“, betont Tobias Langer. Den Fokus legt er dabei auf die Dienstleistung. „Das ist doch die Stärke des stationären Handels. Diese Karte müssen wir noch besser ausspielen.“ Dass Verkäufer zum Dienstleister mutieren, ist für den WV-Vorsitzenden nur eine Frage der Zeit. „Eine so tiefgehende Beratung bietet sonst niemand.“

Für umfangreichen Service Geld verlangen

Der Clou an Langers Idee: Die Händler sollen für ihren umfangreichen Service Geld verlangen. Beratung, Lieferung, Wartung, Reparaturen – all das sind Leistungen, die nur der Einzelhandel zuverlässig, schnell und vertrauenswürdig anbieten kann. „Durch guten Service kann man auch Kunden dazugewinnen“, sagt Langer aus eigener Erfahrung. „Wenn ich einen Laptop repariere, der im Internet gekauft wurde und der Kunde mit meiner Arbeit zufrieden ist, kauft er das nächste Mal den Laptop vielleicht bei mir.“

Wann dieser Wandel vollzogen wird, ist unklar. Die Evolution der Innenstadt ist ein langfristiger Prozess. Dass im Jahr 2020 Menschen nur noch smartphonegesteuert durch die Einkaufsstraßen marschieren, bleibt wahrscheinlich Fantasie. Trotzdem macht das Beispiel vom Textbeginn deutlich: Es wird sich etwas tun. „Ping“.

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