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Mit sanften Riesen entschweben

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Bild: Marcus Merk

Das Ballonmuseum in Gersthofen ist ein Zeugnis für die Bedeutung der Luftfahrt im Raum Augsburg.

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Vom Alltag abheben, die Welt von oben bestaunen und in Stille lautlos über Orte, Felder und Flüsse hinweggleiten – Ballonfahrer kennen diese Faszination. Im Ballonmuseum in Gersthofen bekommt man davon eine Ahnung. Hier erfährt man hautnah alles zur bewegenden Geschichte der Luftfahrt sowie ihrer besonderen Bedeutung im Raum Augsburg.

Bei seiner Eröffnung 2003 war das Ballonmuseum einzigartig und das weltweit größte. Auch wenn es mittlerweile ein Pendant in den USA gibt, das Gersthofen den ersten Rang abgenommen hat, ist Museumsleiter Dr. Thomas Wiercinski überzeugt: „Wir haben ein ganz außergewöhnliches Haus. Eines von nur fünf Luftfahrtmuseen in Deutschland, das von der FAI (Fédération Aeronautique Internationale) empfohlen wird. Da befinden wir uns in illustrer Gesellschaft beispielsweise mit dem Deutschen Museum in München.“

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Der promovierte Kunsthistoriker hat viel Erfahrung in der Kuratierung von Ausstellungen. Seit Ostern 2013 hat er die Leitung des Ballonmuseums übernommen und sich mit viel Leidenschaft in das Nischenthema eingearbeitet.

Die Kulturgeschichte der Ballonfahrt, von Luftschiffen, Gas- und Heißluftballonen, wird in verschiedensten Weisen in dem kommunal getragenen Museum vorgestellt. Von spannenden Einzelstücken, historischen Fotos, Stichen, Karikaturen und Einrichtungsgegenständen in Ballonform ist alles zu entdecken. „Es ist systematisch aufgebaut, und unter didaktischen Gesichtspunkten aufwendig gestaltet“, erklärt Dr. Wiercinski.

Areal für Veranstaltungen

Die Wurzeln des Ballonmuseums liegen im 1906 errichteten Wasserturm. Dort hat die große Aeronautik-Sammlung des bekannten Augsburger Ballonfahrers Alfred Eckert seit 1985 ihre Heimat gefunden. Vor 15 Jahren wurde das Museum mit einem Neubau um weitere vier Ausstellungsebenen auf rund 1200 Quadratmetern erweitert. Im Untergeschoss ist ein Areal für Veranstaltungen angelegt. Kinderkulturtage, Stummfilmnacht, Konzerte, Lesungen – das Programm ist vielfältig.

In der Geschichte der Luftfahrt spielt der Raum Augsburg eine wichtige Rolle. So zählt der 1901 gegründete Freiballonverein der Fuggerstadt zu den ältesten Luftsportvereinen der Welt. Prominente Ballonfahrer zählten zu den Gründungsmitgliedern, wie Freiherr August von Parseval, Erfinder eines nach ihm benannten Luftschiffs.

Gersthofen verfügt bereits seit 1907 über einen der seltenen Startplätze für Gasballone, von denen es in Deutschland nur noch fünf gibt. Vom nahegelegenen Chemiewerk aus führt eine Pipeline zum Startplatz und den Wasserstoff. Kein Wunder, dass auch Ballonwettfahrten in Augsburg und Gersthofen Tradition haben. Neben nationalen Wettfahrten (1965, 1966 und 1991) gab es 1976 und 1988 zudem Weltmeisterschaften für Gasballone. In diese Tradition reiht sich der internationale Ballonmuseums-Cup (heuer von 9. bis 13. Mai) ein, der seit 2014 jährlich stattfindet.

Wichtig in der Luftfahrt ist Augsburg aber auch durch die Fabrikation von Ballonen. So war August Riedinger ab Ende des 19. Jahrhunderts führend in der Produktion von Hüllen für die sanften Riesen. Das Industriegebäude in der Austraße 27 wird heute als selbstverwaltetes Kulturzentrum genutzt.

Groß war die Nachfrage nach Ballonen Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem durch das Militär, weshalb das Unternehmen im Ersten Weltkrieg stark expandierte. Vom Riedinger-Gelände aus startete am 27. Mai 1931 der Schweizer Physiker Auguste Piccard zusammen mit seinem Assistenten Paul Kipfer erstmals mit einem Gasballon bis in die Stratosphäre. Sie erreichten eine Höhe von 15.785 Metern. „Das Weltall wurde also über einen Ballon, nicht über das Flugzeug erobert!“, freut sich Dr. Wiercinski. „Ein original großer Nachbau der Kapsel der Fahrt ist übrigens bei uns im Museum zu sehen.“

Auch heute hat Augsburg für die Ballonproduktion noch weltweite Bedeutung. Die Firma Ballonbau Wörner besteht seit 1986. Sie ist auf die Konstruktion, die Herstellung und die Zulassung von Gasballonen unterschiedlichster Bauweisen spezialisiert und zählt international zu den Marktführern.

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