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Newsticker
IOC ermöglicht Rückkehr russischer Sportler

Schwäbische Spürnasen

Foto: Joerg Lantelme, Fotolia.com; Ulrich Wagner

Eignet sich Augsburg als Tatort für einen Regionalkrimi? Klar, das gibt es bereits schon mehrfach. Auch in der Region gibt es Krimihelden, die eifrig ermitteln.

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Ob Dampfnudelblues, Weißwurstconnection, Kässpatzen-Syndikat oder Zwetschgendatschikomplott – schon die Titel lassen darauf schließen, dass diese Geschichten in Bayern angesiedelt sind. Ungefähr seit der Jahrtausendwende liegen Heimat- oder Regionalkrimis im Trend bei den Lesern.

Wenn Kommissar Kluftinger aus Altusried (Autorenduo Volker Klüpfel und Michael Kobr) oder Franz Eberhofer, Dorfpolizist in Niederkaltenkirchen (Rita Falk) – beide inzwischen dank mehrerer Verfilmungen auch einem Millionen Publikum bekannt – auf ihre bewährt eigenwillige Art ermitteln, kommt kein Täter davon und bleibt kein Auge trocken. Doch es gibt auch rund um Augsburg mehr oder weniger prominente Spürnasen.

Beispiele sind Hauptkommissarin Elsa Dorn aus der Krimi-Reihe des Autors Franz Hafermeyer oder Kommissar Behringer aus Gessertshausen von Ralf Kragler. Bekannt sind sie allerdings bisher hauptsächlich vor Ort, weil sie meist bei kleineren, regionalen Verlagen oder sogar im Eigenverlag erscheinen und nicht national beworben werden. Manchmal ziehen aber auch einfach die Figuren oder Geschichten nicht so recht. Michael Moratti, Verlagsleiter beim Wißner-Verlag in Augsburg, bei dem 2015 ein hiesiger Regionalkrimi erschien, sagt dazu: „Das Genre geht nach wie vor, aber es fehlen hier die durchschlagenden, kantigen Charaktere.“

Sie müssten authentisch wirken und die Besonderheiten einer Gegend über deren Grenzen hinaus bekannt und beliebt machen. „Das Typische einer Region und die Mentalität ihrer Bewohner muss rüberkommen. Und dann sollte auch noch die Krimistory fesseln.“

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Auch der Grad der Regionalisierung ist bei jedem anders. Bildet bei dem einen Augsburg oder das Umland nur den Schauplatz für eine Handlung, die überall angesiedelt sein könnte, arbeitet ein anderer typische Eigenschaften der Region in den Erzählstrang nicht nur ein, sondern die Geschichte lebt dadurch.

Krimis als Ausgleich

Vielleicht ließ sich auch der eine oder andere (Hobby-)Autor nur von den Aussichten auf Erfolg zu dem Genre hinreißen oder es war einfach nur ein Experiment. Wie bei Autor Ralf Kragler. Im normalen Leben Handwerker, ist Schreiben für ihn eine Kopf-Beschäftigung und kreatives Ventil im hektischen Alltag. Er sei kein bekennender Hobby-Kriminalist, der jeden blutrünstigen Thriller verschlingt, sondern es „ist die Liebe zum Wort und die Verbundenheit zur Heimat. Außerdem wollte ich es einfach ausprobieren“, sagte er mal in einem Interview.

Ähnlich bei Krimiautor Franz Hafermeyer. Der Augsburger – von Beruf Polizist – schreibt seit 1999. „Ich habe viel probiert, auch Kinderbücher und Fantasy. Die Verlage wollten von mir aber nichts wissen, es wurde alles abgelehnt. Über ein Internetportal, in dem Autoren sich austauschen und ihre Texte vorstellen, ist irgendwann ein Agent auf mich aufmerksam geworden. Ich habe mir dann einen Regionalkrimi ausgedacht. Augsburg habe ich ausgewählt, weil ich die Stadt kenne und es hier noch nicht so viele Krimis gab. Mein Agent hat den ersten Entwurf an verschiedene Verlage geschickt. Und plötzlich haben gleich mehrere Interesse gezeigt“, erklärt er seinen Erfolg.

Ob Ausgleich zum Beruf oder Liebe zum Schreiben – egal warum ein Krimi entstand, es macht als Einheimischer natürlich Spaß, wenn man beim Lesen Schauplätze wie das Diedorfer Gymnasium, die Wolfzahnau oder den Hermanfriedhof in Augsburg wiederfindet oder sogar ein Zitat des Oberbürgermeisters.

Besonders gut kommen Heimatkrimis deshalb dort an, wo sie spielen, weil man sich auskennt, weil man mit der grantlerischen Art beispielsweise eines Kluftinger vertraut ist. Wer hätte mehr Verständnis für dessen „Gluscht“ auf Kässpatzen oder Leberkäs, als die, denen es oft ebenso geht.

Vielleicht macht gerade die Orts- und Wesensnähe den Charme und damit den Erfolg dieser Krimis aus. In Zeiten der Globalisierung bieten sie Rückzug auf Bekanntes, die Heimat, und damit auf ein Stück Sicherheit und Vertrautheit. So urteilt ein Leser im Internet über die Krimis von Rita Falk: „Einmal angefangen kann man die Bücher über Franz & Co. nicht mehr weglegen. Jeder richtige Bayer erkennt sich darin bestimmt wieder ...“ „Aber für den durchschlagenden Erfolg einer Figur und eines Krimiautors muss man die regionale Leserebene verlassen“, sagt Michael Moratti, sonst lohne sich das wirtschaftlich nicht – weder für den Verlag noch für den Autor.

Genau genommen sind regionale Krimis auch keine neue Erfindung. Es gab sie in Deutschland schon lange. Zum Beispiel beim „Tatort“. Seine verschiedenen Ermittler und Orte des Geschehens bringen dem Zuschauer die unterschiedlichsten Städte und Landschaften Deutschlands zwischen Konstanz und Kiel näher. Eine regionale Krimiserie war „Polizeiinspektion 1“ mit den bayerischen Volksschauspielern Walter Sedlmayr, Elmar Wepper und Uschi Glas. Sie hatte den Alltag in einer Münchner Polizeiinspektion zum Inhalt und wurde zwischen 1977 und 1988 in der ARD ausgestrahlt.

Während hier noch die bayerische Hauptstadt den Background für die Handlungen lieferte, ging es mit „Der Bulle von Tölz“ ab 1996, „Die Rosenheim-Cops“ ab 2002 oder „Hubert und Staller“ (seit 2011), angesiedelt in Wolfratshausen, schon tiefer in die Provinz. Allerdings spielen sie alle in der touristisch beliebten und in ganz Deutschland bekannten Region Oberbayern.

Urlaubserinnerungen

Und genau das ist ein weiteres Phänomen, das für den Erfolg der Heimatkrimis verantwortlich ist. Rafael Ulbrich, stellvertretender Filialleiter bei der Buchhandlung Thalia in Augsburg erklärt das so: „Wir verzeichnen seit über zehn Jahren eine konstante Nachfrage nach Regionalkrimis. Allerdings ziehen die Leser den Begriff regional sehr weit.“ Nicht nur Krimis, die im Allgäu und im Bayerischen spielen, kämen gut an, sondern auch Geschichten aus Sylt, von der Nordseeküste, aus Frankreich und Italien. „Eigentlich aus allen Urlaubsländern“, so der Buchhändler. Seiner Meinung nach schwelgen die Käufer beim Lesen einfach gerne in Urlaubserinnerungen. Das könnte den Erfolg bayerischer Ermittler in ganz Deutschland erklären.

Umso besser, wenn sich auf dem Markt inzwischen auch Krimis aus weniger bekannten Regionen durchsetzen und es auch die Ermittler aus dem Großraum Augsburg gibt.

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