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Wenn jedes tausendstel Gramm zählt

Bild: Josef Kessler

Seit vielen Generationen ist das Schnupfen eine liebevoll gepflegte Tradition – besonders in Bayern. Auch in unserer Region treffen sich regelmäßig Schnupferfreunde, um die ein oder andere Prise zu genießen.

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Ein denkwürdiger Wettkampf fand im September 2017 – von der Öffentlichkeit relativ unbemerkt – sogar in Nordschwaben statt: Die Deutsche Schnupfermeisterschaft wurde vom Schnupferclub Huisheim im Landkreis Donau-Ries veranstaltet. Ein absoluter Höhepunkt in der Historie des Vereins, der vor fast vier Jahrzehnten gegründet wurde.

Die Geschichte des Huisheimer Schnupferclubs begann im Januar 1980. Wie an vielen Freitagen saß der Nachwuchs des Ortes im damaligen Jugendheim – dem ehemaligen Huisheimer Pfarrhof – zusammen. Und auch an jenem Winterabend fehlte die Schnupftabakdose nicht. Bei einer guten Prise in gemütlicher Runde entstand die Idee, einen eigenen Schnupferclub zu gründen.

Fünf junge Männer gründen Schnupferclub

Gesagt, getan: Fünf junge Männer riefen diesen ins Leben. Bereits wenige Tage später wurde die Vorstandschaft gewählt und einige Wochen darauf eine Satzung verabschiedet. Es folgte ein reger Mitgliederzuwachs, was sich auf das Vereinsleben sehr aktiv auswirkte. „Heute haben wir knapp 100 Mitglieder“, berichtet Vorstandsmitglied Johann Roßkopf. Eine Besonderheit: 18 Personen davon wohnen im unterfränkischen Stockstadt bei Aschaffenburg. Mit den dortigen Schnupfern hat sich eine dauerhafte Freundschaft entwickelt, sogar eine Ehe wurde durch diese Kontakte bereits geschlossen.

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Der Ehrgeiz war geweckt

Der erste Schnupfwettkampf folgte noch im Gründungsjahr beim Jubiläums-Schnupfen angesichts des zehnjährigen Gründungsfestes des Schnupf-Clubs Unterbuch, dessen Mitglieder bis heute mehrfach Weltmeistertitel gewinnen konnten. Damit war der Ehrgeiz der Huisheimer Schnupfer geweckt, die sich fortan zu regelmäßigen Trainingsabenden trafen. Auch dem Schnupfverband Deutschland e. V. trat man bei. Obwohl natürlich Kameradschaft und Geselligkeit seit der Gründung im Vordergrund stehen, treten die Huisheimer Schnupfer bis heute regelmäßig bei Wettkämpfen an.

Ein echter Höhepunkt der Vereinsgeschichte folgte nun im vergangenen September als Gastgeber der Deutschen Schnupfermeisterschaft. „Das war für uns im Ort eine ganz große Nummer“, zeigte sich auch der Bürgermeister der 1 500-Einwohner-Kommune, Harald Müller, begeistert von der Veranstaltung. „Der Verband ist auf uns zugekommen, weil wir schon vor rund 20 Jahren eine Meisterschaft ausgerichtet haben“, erklärt Vorstandsmitglied Roßkopf. Nach kurzer Bedenkzeit entschlossen sich die Huisheimer, die vorhandenen Ressourcen mit erfahrenen Mitgliedern zu nutzen, um noch einmal eine derartige Veranstaltung zu stemmen. Dabei durfte auch Gemeindeoberhaupt Müller in einer Prominentenrunde außer Konkurrenz teilnehmen und hatte dabei klar „die Nase vorn“.

Fünf Gramm Tabak in ein Nasenloch

Ziel der über 150 teilnehmenden Männer und Frauen war es, fünf Gramm Schnupftabak innerhalb einer Minute mit einem oder zwei Fingern in nur ein Nasenloch zu befördern – und dabei so wenig wie möglich auf die weiße Unterlage fallen zu lassen oder Reste in der Dose zu belassen. Dabei zählte jedes tausendstel Gramm. Der Vorsitzende des Schnupferclubs, Peter Milichovsky, gab dabei jeweils das markante Startsignal: „Schnupfer fertig machen! Dose öffnen! Achtung, fertig, schnupf!“

Im Vorfeld der jährlichen Vereinsmeisterschaften treffen sich die Huisheimer Schnupfer in der Regel einmal pro Woche zum gemeinsamen Trainieren. Die Talente sind dabei unterschiedlich verteilt, weiß Johann Roßkopf: „Bei einigen Kollegen merkt man schon, wenn sie länger nicht dabei waren. Die müssen sich erst wieder in Form bringen. Zum Glück ist es bei mir so, dass ich eigentlich immer die gleiche Menge schnupfen kann.“ Selbst, als er einmal ein Jahr pausierte, war Roßkopf gleich wieder mit bewährter Leistung dabei. Kein Wunder also, dass der Lokalmatador bei der Deutschen Meisterschaft den 20. Platz unter 120 Teilnehmern in der Herren-Konkurrenz erreichte.

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