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01.06.2017

Unsere kleine, grüne Farm

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Freche Kaninchen kreuzen den Weg, der Duft von frisch gemähtem Gras liegt in der Luft. Wer zum ersten Mal einen Fuß in die City-Farm setzt, taucht ein in eine schöne grüne Welt.

Dort behalten die Initiatoren Benjamin Vogt und Ildikó Reményi-Vogt den Überblick. Immer an ihrer Seite: Hündin Fluffgepuff, die Neuankömmlinge mit neugierigen Augen begrüßt. Alles begann mit einer kleinen Auszeit im Salzburger Land. Die studierte Geografin und der Hauptschullehrer wollten die Zwänge des Alltags hinter sich lassen. Deshalb entschieden sie sich als Erntehelfer auf einer abgeschiedenen Almhütte in Wald im Pinzgau in Österreich zu arbeiten. „Diese sechs Wochen ohne fließend Wasser und ohne Strom waren die glücklichste Zeit unseres Lebens. Danach wussten wir: Es muss sich was ändern“, erklärt Vogt.

Bereits auf der Zugfahrt zur Alm, beim Lesen des Buches „Meine kleine Cityfarm“ von Novella Carpenter, hatte Vogts Frau die Idee: Ein ökologisch bewirtschafteter Gemeinschaftsgarten sollte es sein, ein Zufluchtsort für Jung und Alt nahe des Großstadtgewimmels. Gesagt, getan.

Was als visionärer Gedanke einer grünen Oase 2012 in den Köpfen der beiden Hobbygärtner entstand, ist Wirklichkeit geworden. In den Beeten und Töpfen des Gartens der City-Farm sprießen heute viele Nutzpflanzen wie der Schabzigerklee oder der Rattenschwanzrettich. „In unserer ‘Samengärtnerei’ züchten wir zahlreiche alte, vom Aussterben bedrohte Nutzpflanzen und leisten so einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Pflanzenvielfalt in der Region Augsburg“, erklärt Vogt. Zum Konzept der City-Farm im Gablinger Weg 36 gehört außerdem die artgerechte Haltung diverser Nutztiere wie Skudden Schafe, Burenziegen oder Russenkaninchen, die sich auf dem Gelände in Oberhausen tummeln. Bei deren Auswahl setzen die Initiatoren auf den Arterhalt gefährdeter Tiere und auf Nachhaltigkeit. „Für die Russenkaninchen haben wir uns zum Beispiel deshalb entschieden, weil sie einfach besser an unsere Witterung angepasst sind“, erklärt Vogt und betont, dass die City-Farm kein Streichelzoo sei, sondern Kindern und Erwachsenen den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen vermitteln wolle. Dazu gehört auch, dass sich die vier Bienenvölker auf dem Gelände der City-Farm ganz natürlich entwickeln können. „Der Honig unserer Bienen bleibt in den Waben und steht somit ganz den Bienen zur Verfügung. Außerdem geben wir gesunde Bienenvölker an befreundete Imker ab, um dem Bienensterben entgegenzuwirken“, erläutert Vogt.

Inklusion auf allen Ebenen

Die City-Farm ist aber noch viel mehr als ein offener Garten für Pflanzen- und Tierfreunde. „Wir verstehen uns auch als sozialpädagogische Begegnungsstätte, in der jeder willkommen ist“, erklärt Unterstützer Mario Beck. Zum bunten Publikum des Stadtbauernhofs zählen deshalb Schulklassen genauso wie Arbeitssuchende, Flüchtlinge, Familien, Studenten, Helfer und Freunde, die die Naturerfahrung schätzen und der Enge der Stadt entkommen möchten. Kinder finden hier einen Bewegungs- und Entdeckungsfreiraum, wo nach Herzenslust gegraben, geschnitzt und gespielt werden darf. „Bei uns gibt es keine Exklusion, sondern nur Inklusion“, bringt Vogt das soziale Konzept der City-Farm auf den Punkt.

Einmal im Monat ist Besuchstag und die Gartentüre steht für jedermann offen. Außerdem werden abwechslungsreiche Workshops und Do-it-yourself-Kurse angeboten, bei denen um Anmeldung gebeten wird. Die nächste Gelegenheit bietet sich am Sonntag, 9. Juli, beim Kurs „Marmelade, Kräuter & Co.“, in dem regionale Kräuter eingekocht und haltbar gemacht werden.

Wer die City-Farm unterstützen möchte, kann dies durch Sach- oder Geldspenden tun. Auf der Homepage ist dazu aufgelistet, was dringend benötigt wird, wie aktuell ein neuer Weideunterstand. Leseratten können die City-Farm außerdem mit dem Kauf des am 12. Juni erscheinenden Buches „Urban Gardening mal anders“ von Benjamin Vogt unterstützen. „Jeder Cent, den wir mit dem Verkauf meines Buches erlösen, geht direkt in die City-Farm“, erklärt der Autor.