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VISIONEN

18.03.2019

„Wir brauchen den Mut, größer zu denken“

Daniel Kempf
Bild: pd ventures

Daniel Kempf von pd ventures spricht über Gründer, Ideen und Visionen.

Im Laufe unseres Lebens kommen wir immer wieder mit bahnbrechenden Ideen und Visionären in Berührung. Einige jedoch mehr als andere. Daniel Kempf ist Geschäftsführer bei pd ventures in Augsburg-Lechhausen: Die Firma, die zur Mediengruppe Pressedruck gehört, arbeitet mit jungen Technologiefirmen zusammen und investiert in diese. Im Interview erzählt er von seiner Arbeit und verrät, was für ihn eine Vision ausmacht und warum die Welt sie braucht.

Herr Kempf, können Sie uns bitte in einigen Worten beschreiben, was genau die Aufgabe von pd ventures ist?

Daniel Kempf: pd ventures investiert in innovative Startups mit großem Wachstumspotenzial, im Fokus stehen mediennahe Unternehmen. Gemeinsam mit den Unternehmen versuchen wir, neue und spannende Produkte im Internet zu entwickeln.

Wie funktioniert diese Zusammenarbeit?

Kempf: Entscheidend ist für uns, frühzeitig in Kontakt mit innovativen Firmen zu treten. Dabei stellen wir uns die zentrale Frage, was wir tun können, damit Gründer mit ihrer Idee erfolgreich sein werden. Wenn wir uns dann für eine Zusammenarbeit entscheiden, geht das auch oft über die eigentliche finanzielle Beteiligung hinaus. Mit vielen Firmen starten wir zudem gemeinsame Projekte – wir unterstützen mit Kontakten und bieten erste Markttests für Produkte. Das Spektrum der Möglichkeiten ist groß.

Mit wie vielen Firmen arbeiten Sie aktuell zusammen?

Kempf: Aktuell haben wir zwölf Firmen im Portfolio, die wir betreuen. Größentechnisch gibt es da erhebliche Unterschiede, von Teams mit einer Handvoll Leuten bis zu über 200 Mitarbeitern.

Welche Art von Firmen sind das?

Kempf: Im Kern sind das Unternehmen, die neue Geschäftsmodelle im Bereich der Digitalisierung von Medien entwickeln und damit die Zukunft der Branche prägen werden. Dazu zählen Technologieunternehmen, die zum Beispiel das Marketing von Betrieben optimieren, aber auch eine Firma, die die Pflege von älteren Menschen digital unterstützt.

Wenn Gründer Ihnen Ihre Geschäftsidee präsentieren, kann man sich das vorstellen wie im TV-Format „Die Höhle der Löwen“?

Kempf: In gewisser Weise ja. Allerdings wird der Prozess im Fernsehen stark verkürzt dargestellt. Im Kern gibt es aber bei uns schon eine Präsentation, die man Pitch nennt: Gründer stellen ihre Idee vor und wir als Investoren reagieren quasi darauf. Man darf aber nicht vergessen, dass im Vorfeld viele Gespräche und traditionelle Arbeit wie die Sichtung des Finanzplans stattfinden. Zudem kommt eine Großzahl der Startups über Empfehlungen zu uns. Es ist auch nicht so, dass auf der einen Seite die „mächtigen“ Investoren sitzen, die die Gründer anbetteln müssen. Um gute Startups müssen sich Investoren nämlich auch bemühen.

Wie muss so ein Gründerteam denn sein, um bei Ihnen zu punkten?

Kempf: Im Idealfall ist es heterogen und funktioniert dennoch als eine Einheit. Das bedeutet, verschiedene Charaktere bringen jeweils andere Talente und Fähigkeiten mit an den Tisch, die sich am Ende ergänzen. Man kann sich das wie beim Backen vorstellen: Jeder bringt andere Zutaten mit ein, die für das Gesamtergebnis, etwa einen Kuchen, alle wichtig sind.

Und wie muss eine gute Geschäftsidee sein?

Kempf: Als Erstes muss sie tragfähig sein und das Produkt in Zukunft bestehen können. Dafür muss dieses eine Lösung oder eine Erleichterung darstellen, damit es auch Kunden findet. Zu guter Letzt muss das Timing stimmen, also der Zeitpunkt, wann ein Produkt in den Markt eintritt. Um bei der Kuchenanalogie zu bleiben: Neben Rezept, Bäcker und verwendeten Zutaten ist es wichtig, ihn weder zu früh noch zu spät aus dem Ofen zu holen. Und man muss natürlich den Geschmack derjenigen treffen, die den Kuchen am Ende essen sollen.

Apropos Timing: Zu welchem Zeitpunkt in der Entwicklung eines Startups investieren Sie?

Kempf: Es gibt verschiedene Phasen von den sogenannten Invests. Den Eintritt zu einem frühen Zeitpunkt bezeichnet man beispielsweise als Seedinvestment. Hier gibt es bisher nur die Idee. Die darauffolgende Phase, in der sich das Produkt mit ersten Markterfolgen beweisen muss, ist für uns die wichtigste Phase. Es gibt bereits erste Umsätze – die Idee funktioniert also. Nun stellt sich die Frage: Wie findet das Produkt jetzt eine größere Reichweite?

Was ist das Spannendste an Ihrem Beruf?

Kempf: Es ist immer sehr interessant, größeren Entwicklungen zuzusehen und dabei mitzuwirken – also vom Gedankenimpuls bis zum etablierten Unternehmen. Was mich antreibt, sind immer wieder die Gründer mit großartigen Ideen, die diese – teils über viele Jahre hinweg – mit viel Leidenschaft und Einsatz zu einem innovativen Produkt und einer richtigen Firma entwickeln.

Was ist in Ihren Augen der Unterschied zwischen einer Idee und einer Vision?

Kempf: Eine Idee ist schon etwas Konkretes, eine Vision ist weitläufiger und langfristiger gedacht. Da kann es darum gehen, wie man den Bereich Autofahren revolutioniert oder wie man die Welt irgendwann plastikfrei macht. Für eine Vision brauchen wir den Mut größer zu denken – da gibt es in Deutschland noch Nachholbedarf. Helmut Schmidt hat einmal gesagt: „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.“ Dagegen hat beispielsweise Amerika diesen Mut in den Industrien der Zukunft schon mehrfach bewiesen, etwa mit Steve Jobs und Apple oder Elon Musk und Tesla. Auch wenn diese Köpfe durchaus streitbar sind, haben Sie mit Ihrer Vision viel in Bewegung gebracht und ungeachtet von Widerständen zahlreiche Ideen und Produkte aus Ihrer Vision entwickelt.

Sind alle Gründer in Ihren Augen Visionäre?

Kempf: Im Kern ist, glaube ich, jeder Gründer ein kleiner Visionär. Eine Vision macht es aus, dass sie nie ganz erreicht werden kann. Das schafft aber eine unglaubliche Motivation, Ideen auf dem Weg dorthin zu entwickeln. Deshalb kann jeder Gründer ein wichtiger Bestandteil einer großen Vision sein.

Haben Sie eine eigene Vision?

Kempf: Wir befinden uns durch die Digitalisierung derzeit in einer großen Umschwungphase, die alle Branchen und Lebensbereiche betrifft. Die Vision dabei ist, als pd ventures zu dieser großen Entwicklung beizutragen. Oder anders ausgedrückt: Ein kleines Zahnrädchen zu sein auf dem Weg zu einer besseren Zukunft und einer starken Wirtschaft in Deutschland, die durch kreative Ideen und innovative Unternehmen die Welt insgesamt besser machen.

Interview: Jana Korczikowski

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