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TSV 1860 München

01.02.2017

Akkreditierungen entzogen: Löwen wollen die Medien zähmen

Die Geschäftsstelle des Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München auf dem Vereinsgelände an der Grünwalder Straße in München.
Bild: Andreas Gebert (dpa)

Der Klub erschwert drei Münchner Zeitungen den Zugang zu Heimspielen des Zweitligisten. Warum das so ist, lässt sich nur erahnen.

Präsidenten und Manager von Fußballklubs reagieren häufig empfindlich, wenn kritisch über sie berichtet wird. Ein aktuelles Beispiel dafür liefert nun der TSV 1860 München. Für den Geschmack des Geschäftsführers Anthony Power hat es in den vergangenen Wochen offenbar ein paar Negativschlagzeilen zu viel gegeben. Deshalb erschwert er einigen Medienvertretern jetzt den Zugang zu Heimspielen in der Münchner Arena. In einem Schreiben hat Power den Vertretern von Münchner Merkur, tz und Bild München mitgeteilt, dass der Verein ihnen „bis auf Weiteres“ die Dauerakkreditierung für die Arena entzieht.

Zu den Hintergründen dieser Aktion will sich aus den Reihen des TSV 1860 bislang niemand äußern. In dem von Power unterzeichneten Schreiben heißt es: „Wir haben uns für diesen Schritt entschieden, da wir aufgrund der Berichterstattung in den letzten Wochen und Monaten derzeit keine Basis für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit sehen.“

Den betroffenen Medien stellt er Tagesakkreditierungen in Aussicht. Doch auch diese könnte der Verein nach Gutdünken ablehnen. Darauf weist der Vorsitzende des Bayerischen Journalisten-Verbands (BJV), Michael Busch hin. Er kritisiert das Vorgehen des TSV 1860 als „unsäglich“ und ruft die Verantwortlichen in einer Stellungnahme dazu auf, auf professioneller Basis mit den Journalisten zusammenzuarbeiten.

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Der Sportchef der Bild, Walter Straten, fasst den Entzug der Akkreditierung als Schikane auf. Er habe kein Verständnis für die Maßnahme des TSV 1860, sagt Straten: „Man hat den Eindruck, der Verein kann nicht mit normaler kritischer Berichterstattung umgehen.“ Aufgrund welcher Berichte genau seinem Medium die Dauerakkreditierung entzogen wurde, weiß er nicht. Seinen Protest habe der Bild-Sportchef dem Verein und auch der Deutschen Fußball-Liga (DFL) gegenüber in einem Brief geäußert. „Eine solche Aktion ist eines Profiklubs unwürdig, es ist ein Disziplinierungsversuch der Medien, den wir so nicht hinnehmen wollen.“ Sollte seinen Journalisten trotz Tagesakkreditierungen der Zugang zu den Spielen verwehrt bleiben, werde Bild juristische Schritte ergreifen.

"Wir lassen uns nicht ärgern"

Florian Benedikt, Ressortleiter in der Sportredaktion der tz München, zeigt sich vom Machtgehabe des TSV 1860 unbeeindruckt. Auf Nachfrage unserer Redaktion sagt er: „Wir lassen uns nicht ärgern. Solch ein Verhalten ordnen wir in die Kindergartenecke ein.“ Unverdrossen werde die tz weiter über den Verein berichten, so Benedikt. Solange seine Redaktion nicht über eine Dauerakkreditierung verfüge, werde sie versuchen, mit Tagesakkreditierungen Zugang zu den Spielen der Löwen zu erhalten. Die Redaktion des Münchner Merkur reagiert indes eher verhalten auf den Entzug der Dauerakkreditierung. Chefredakteur Georg Anastasiadis will den Vorgang nicht kommentieren. Gemeinsam mit den Kollegen der tz habe seine Redaktion den TSV 1860 in einem Brief aufgefordert, zur bisherigen Zusammenarbeit zurückzukehren. „In Abstimmung mit den Kollegen der tz warten wir ab, wie der Verein darauf reagiert“, sagt Anastasiadis.

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