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Basketball

22.03.2019

Applaus für Thorsten Leibenath

Die Ratiopharm-Arena wird sein Wohnzimmer bleiben. Aber künftig arbeitet Thorsten Leibenath nicht mehr als Trainer, sondern als Sportdirektor.
Bild: Horst Hörger

Die Ulmer befördern ihren Trainer im Sommer zum Sportdirektor. Eine seiner ersten Aufgaben ist die Suche nach dem eigenen Nachfolger

Die vergangene Spielzeit war eine ganz schlechte, Ratiopharm Ulm kam in der Basketball-Bundesliga nicht mal in die Play-offs. Die aktuelle Saison ist so mittelmäßig. Es könnte klappen mit einem Platz unter den Top Acht, es könnte auch schiefgehen. Nach den Gesetzmäßigkeiten im Profisport muss dann ein Trainer um seinen Job bangen und wenn sein Vertrag sowieso ausläuft, dann wird er so gut wie sicher nicht verlängert. Bei Ratiopharm Ulm geht man den umgekehrten Weg. Für Thorsten Leibenath ist im Sommer zwar nach acht Jahren als Trainer in Ulm Schluss, dafür wird der 43-jährige Rheinländer zum Sportdirektor befördert. Eine seiner ersten Aufgaben wird die Suche nach dem eigenen Nachfolger sein. Von dessen Nationalität, Alter und Erfahrung steht nichts im Anforderungsprofil. Leibenath nennt eine andere Bedingung: „Wir wollen einen Trainer, der den jungen Spielern Einsatzzeit gibt und der die Bereitschaft hat, sie Fehler machen zu lassen.“

Zukünftig werden die Ulmer ihr Augenmerk nämlich noch mehr auf den Nachwuchs richten. Etwas anderes bleibt ihnen nach eigener Einschätzung auch gar nicht übrig. Genaue Zahlen werden seit einigen Jahren nicht mehr genannt. Aber der Jahresetat dürfte nach wie vor unter der Zehn-Millionen-Euro-Marke liegen. Damit gehört Ulm durchaus zu den wohlhabenden Bundesliga-Standorten, doch Berlin, Bamberg und vor allem der demnächst auch noch mit den BMW-Millionen gehätschelte deutsche Meister Bayern München, sind wirtschaftlich weit enteilt. Erfolge wie die zwei Vizemeisterschaften in diesem Jahrzehnt sind deswegen für Ratiopharm Ulm nicht planbar in einer extrem vom Geld abhängigen Sportart, der ja nicht ganz zu Unrecht ein Legionärs-Image anhaftet. Der Ulmer Manager Thomas Stoll sagt: „Wir können gegen die Großen nicht anstinken. Deswegen müssen wir auf junge Spieler setzen.“

Den wichtigsten Schritt hat der Verein getan, indem er den Orange-Campus auf den Weg gebracht hat. Um das 23 Millionen Euro teure und in Basketball-Deutschland einmalige Trainingszentrum gab es gewaltiges kommunalpolitisches Gezänk, aber inzwischen wird gebaut, im kommenden Jahr sollen die Nachwuchsspieler und die Bundesligaprofis einziehen. Zusätzlich wurde jetzt das „Top-Development“ Projekt ins Leben gerufen. Die Ulmer bieten im Rahmen dieses Programms den Spielern eine Rundum-Betreuung mit Training, schulischer und medizinischer Begleitung, Karriereplanung und Beratung bei Vertragsangelegenheiten. Geleitet wird auch dieses Projekt von Thorsten Leibenath, der somit eine Doppelfunktion übernimmt. Der Abschied vom Trainerjob nach insgesamt 20 Jahren fällt ihm somit nicht ganz so schwer: „Ich freue mich auf eine der wahrscheinlich spannendsten Aufgaben im deutschen Basketball.“

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