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Interview

25.07.2020

BLSV-Präsident Ammon über die Corona-Krise: "Es werden Narben bleiben"

Jörg Ammon ist Präsident des Bayerischen Landessportverband (BLSV).
Bild: Witters

Dem Bayerischen Landessportverband wird ein Schaden in Millionenhöhe entstehen. Wie der BLSV darauf reagiert - und warum er auf Felix Neureuther setzt.

Der Bayerische Landessportverband (BLSV) feiert in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag. Wurde oder wird das Jubiläum in diesen durch Corona bedingt schwierigen Zeiten überhaupt gefeiert?

Jörg Ammon: Wir wollten in der vergangenen Woche eigentlich groß feiern. Doch bedingt durch die besondere Corona-Situation haben wir das Fest abgesagt. In diesen Tagen zu feiern, war nicht angebracht.

Die Pandemie hat den Sport in Bayern über Monate hinweg lahmgelegt. Durch zahlreiche Lockerungen ist jetzt allmählich wieder ein Betrieb möglich. Welche Narben werden bleiben?

Ammon: Es werden natürlich Narben bleiben. Vor allen Dingen der fehlende Schulsport macht uns zu schaffen. Auch in den Vereinen fiel das Nachwuchstraining ja lange Zeit aus. Ich befürchte, dass wir das auch an den Mitgliederzahlen zu spüren bekommen werden.

Der finanzielle Schaden durch Corona liegt im "siebenstelligen Bereich"

Wie groß ist der finanzielle Schaden, der dem BLSV durch Corona entstanden ist?

Ammon: Ich glaube, dass dies im siebenstelligen Bereich sein wird. Wir betreiben ja auch drei Sportcamps in Inzell, am Spitzingsee und in Regen-Raithmühle im Bayerischen Wald. Diese Anlagen lagen einige Monate brach. Seminare oder Schulungen fielen aus. Ebenso die Sportschule Oberhaching, die ja dem BLSV und dem Bayerischen Fußballverband gehört. Auch da musste der Sportbetrieb oder andere Veranstaltungen abgesagt werden.

Der BLSV nimmt zahlreiche gesellschaftspolitische Aufgaben wahr. Integration, Rassismus. Wie wichtig sind diesen Themen?

Ammon: Vorgänge, die bei uns natürlich eine große Rolle spielen. Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft und versuchen auch bei solch schwierigen Themen, dazu zählt auch sexuelle Gewalt, Lösungen zu finden.

In schwierigen Zeiten, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der BLSV gegründet. Was waren die Gründe?

Ammon: Ich glaube, die Gründerväter wollten kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, als Bayern in Schutt und Asche lag, dem Sport möglichst rasch wieder eine Zukunft geben.

Wie viele Fachverbände sind derzeit unter dem Dach des BLSV organisiert und wie viele Mitglieder zählt die Organisation?

Ammon: Im BLSV sind 56 Fachverbände mit 4,6 Millionen Mitgliedern in rund 12.000 Vereinen untergebracht.

Was sind die Herausforderungen, die auf den Sport zukommen werden?

Ammon: Der gesellschaftliche Wandel in erster Linie. 1963 war der geburtenstärkste Jahrgang in der Bundesrepublik nach dem Krieg. Diese Leute gehen bald in Richtung Rentendasein. Bei vielen stand Sport, Fitness, Gesundheit zeit ihres Lebens im Mittelpunkt. Sie müssen dem Sport treu bleiben.

Fitnessstudios und kommerzielle Einrichtungen machen den Sportklubs zu schaffen, locken mit flexiblen Übungszeiten Mitglieder an. Wie hält man die Leute im Verein?

Ammon: Zwei Drittel der Bevölkerung sind sportlich aktiv, ein Drittel im Verein, der Vereinssport muss seine Trümpfe ausspielen. Im Verein kann ich meine Freunde treffen, nach dem Sport noch zusammensitzen.

Ex-Skirennläufer Felix Neureuther.
Bild: Lino Mirgeler, dpa

Felix Neureuther ist für den BLSV ein "Ass im Ärmel"

Viele Vereine klagen über Nachwuchsmangel. Ganztagsschule, Nachmittagsunterricht. Für Training bleibt den Kindern fast keine Zeit mehr. Wie kann dieses Problem gelöst werden?

Ammon: Das ist in der Tat ein Dilemma. Doch da haben wir mit dem ehemaligen Skirennläufer Felix Neureuther ein echtes Ass im Ärmel. Er engagiert sich bei uns, steht in Kontakt zum Kultusministerium, kümmert sich um diese Dinge. Er versucht Sport und Bewegung die Bedeutung zu verschaffen, die sie verdienen.

Sorgen bereitet auch das Ehrenamt. Funktionäre oder Übungsleiter sind nur noch sehr schwer zu finden. Wie wollen Sie dem entgegensteuern?

Ammon: Indem wir Personen, die sich engagieren oder engagieren wollen, entlasten. Die Arbeitswelt hat sich vollständig verändert. Wir sind wesentlich mobiler und digitaler. Die Herausforderung ist, das auch in den Sportverein zu transportieren. Da ist noch viel zu viel papiergebunden. Wir müssen die Freude, sich ehrenamtlich zu engagieren, häufig erst wieder wecken, indem wir die Bürokratie zurückschrauben und Lösungen für die Vereine finden.

Olympia 1972, Fußball-WM 1974 und 2006, sowie zahlreiche weitere Großveranstaltungen gingen in Bayern über die Bühne und wurden vom BLSV mitorganisiert. Im kommenden Jahr finden Spiele der Fußball-EM in München statt, 2022 gastieren die European Championships im Olympiapark. Wie wichtig sind diese Veranstaltungen für den Sport in Bayern?

Ammon: Sehr wichtig. Wir brauchen im Sport gerade für den Nachwuchs Vorbilder und Idole. Die können sie bei den European Championships in München, dem größten Sportspektakel in Bayern seit Olympia 1972, hautnah erleben.

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