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Motorsport

27.10.2020

Bernie Ecclestone wird 90: Der große Coup des kleinen Mannes

Bernie Ecclestone wird 90 Jahre alt.
Bild: Diego Azubel/EPA/dpa

Viele Jahre war Bernie Ecclestone der starke Mann in der Formel 1, regierte wie ein Alleinherrscher. Am Mittwoch wird er 90 – und will weitere Kinder.

Eigentlich könnte es genug sein. Vier Kinder hat Bernie Ecclestone bereits, das ist eine ganze Menge und reicht vielen Familienvätern bereits. Ecclestone aber sagte im Sommer: "Ich weiß noch nicht, ob wir hier aufhören." 89 Jahre war er alt, als im Juli der kleine Ace auf die Welt kam. Er ist das erste gemeinsame Kind mit seiner jetzigen Ehefrau Fabiana Flosi. Aus seinen beiden früheren Ehen hat Ecclstone bereits drei erwachsene Kinder. "Vielleicht sollte er noch einen kleinen Bruder oder eine kleine Schwester haben", verkündete er noch tatendurstig. An diesem Mittwoch wird Ecclestone 90 Jahre alt. Noch ist nicht bekannt, ob es mit dem nächsten Kind bereits geklappt hat.

Ecclestone ist ein streitbarer Mensch. Einer, der sich seinen Weg erkämpft hat. Von früher Jugend an, als er als Händler von gebrauchten Motorrädern ins Geschäftsleben einstieg. Mit 16 Jahren hatte er die Schule im englischen Bexleyheath im Großraum Londons abgebrochen. Er hätte auf die schiefe Bahn geraten können. Ecclestone aber ging immer den geraden Weg. Der führte in direkt in den Motorsport. Weil er schnelle, schicke Fahrzeuge schon immer liebte.

Der Tod von Jochen Rindt machte Bernie Ecclestone lange zu schaffen

Allerdings war sein eigenes Talent als Rennfahrer überschaubar. Also wurde Ecclestone Manager. Er betreute unter anderem Jochen Rindt, einen der besten und gefragtesten Fahrer seiner Zeit. Als Rindt 1970 tödlich verunglückte, machte das Ecclestone lange zu schaffen. Aber auch dieses Tief überwand er.

Ende der 1970-er Jahre kaufte der Brite die Vermarktungs- und TV-Rechte an der Formel 1. Es war der große Coup des nur 1,60 Meter kleinen Mannes. Es war der Startschuss für die Formel 1 in ihrer jetzigen Form. Ecclestone formte sie zur Königsklasse des Motorsports. Und Ecclestone wurde durch die Formel 1 reich. Er ist Milliardär, könnte eigentlich ganz entspannt der Zukunft entgegensehen. Ecclestone aber ist kein Mann der leisen Worte. Keiner, der sich gerne aus der Öffentlichkeit zurückzieht.

Formel-1-Chef Chase Carey.
Bild: Michael Dodge/AAP/dpa

Der Januar 2017 war ein Tiefschlag für Ecclestone

Deshalb war der Januar 2017 ein Tiefschlag. Die neuen Eigentümer der Formel 1 setzten ihn als Geschäftsführer ab. Die US-Amerikaner um Chase Carey hatten keine berufliche Verwendung mehr für den Mann, der jahrzehntelang in den Schlagzeilen stand. Von heute auf morgen war Ecclestone raus aus seiner geliebten Formel 1. Aus seinem Geschäft, das er wie ein Alleinherrscher geführt hat. "Wir sind nicht so etwas wie die Mafia, sondern wir sind die Mafia", sagte er einmal über das Zusammenspiel zwischen ihm und Max Mosley, der lange Zeit Chef des Automobilweltverbandes Fia war.

Skrupel kannte und kennt Ecclestone nicht. Geld verdienen, darum ging es ihm. Er eroberte immer mehr Märkte mit seiner Formel 1. Manchmal allerdings in Ländern, die politisch mehr als umstritten sind. Die Formel 1 fährt in Aserbaidschan, mit Russlands Wladimir Putin zeigte sich Ecclestone gerne beim Rennen in Sotschi, auch Bahrain steht im Kalender. Dort, wo es das große Geld zu verdienen gibt, lässt Ecclestone seinen Rennzirkus fahren. Ob andernorts die Tradition größer ist, die Fans zu den Strecken strömen, spielt für ihn nicht die entscheidende Rolle. So mussten immer mehr ältere Strecken aus dem Kalender gestrichen werden. Weil dort die Veranstalter nicht in der Lage sind, die Antrittsgebühren für die Formel 1 zu zahlen.

Der Bestechungsprozess gegen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone wurde gegen Zahlung von 100 Millionen Dollar eingestellt.
Bild: Peter Kneffel (dpa)

Ein Bestechungsprozess gegen Ecclestone wurde gegen Zahlung von 100 Millionen Euro eingestellt

Ruhig war es um Ecclestone nie. Immer wieder gab es Machtkämpfe oder Skandale. 2014 stand der heute 90-Jährige in einem Betrugsprozess in München vor Gericht. Dabei ging es um Anteile an der Formel 1, die den Besitzer 2006 gewechselt hatten. Es soll Geld an einen Banker geflossen sein, damit der dafür sorge, dass die Bank den Verkauf der Anteile an Ecclestones Wunsch-Investor CVC durchsetze. Der deutsche Banker war deshalb zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ecclestone dagegen bot dem Gericht 100 Millionen Dollar an – er ging dadurch straffrei aus. Es wurde gemunkelt, Ecclestone habe sich den Freispruch erkauft. Davon aber wollte sein Anwalt nichts wissen. Von wegen Freispruch zweiter Klasse. Ecclestone meinte mit dem ihm eigenen Humor: "Der Richter hat einen guten Job gemacht, dass ich so viel zahlen musste."

Das Jahr 2001: Bernie Ecclestone Michael Schumacher Ferrari begutachten den an den Oscar angelehnten Preis Bernie, mit dem Schumacher als Fahrer des Jahres 2000 ausgezeichnet.
Bild: Gero Breloer, dpa

Mittlerweile taucht der Brite kaum mehr bei Rennen der Formel 1 auf. Als er noch Chef war, ließ er sich immer mit einer dunklen, großen Limousine ins Fahrerlager kutschieren. Er hatte seinen eigenen Rückzugsraum, im dem er Gäste empfing. Alles dort musste picobello sein. Die Blumen vor dem Eingang mussten an der richtigen Stelle stehen, der grüne Teppich immer sauber sein. Lief Ecclestone durchs Fahrerlager, folgten ihm etliche Kameras. Hatte er was zu sagen, versammelten sich die Journalisten so zahlreich um ihn, als würde er gleich Hundert-Euro-Scheine in die Luft werfen. Ecclestone genoss diese Aufmerksamkeit. Und Sebastian Vettel liebt es, mit dem Briten Backgammon zu spielen. Das änderte aber nichts daran, dass auch der viermalige Weltmeister sein Fett abbekam. Er sei bei Ferrari kein Leader wie Michael Schumacher, befand Ecclestone 2018.

Zu seinem 80. Geburtstag hatte Vettel ihm einen Rollator geschenkt. Aufgemotzt, versteht sich. Es geht ja schließlich um die Formel 1. Es bleibt spannend, was sich Vettel am Mittwoch einfallen lässt.

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