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Biathlon

15.01.2020

Biathletin Vanessa Hinz versöhnt sich mit Ruhpolding

„Ich wusste, dass man heute gut schießen muss, wenn man keine Über-Läuferin ist.“ Vanessa Hinz, die den 7,5-Kilometer-Sprint am Mittwoch als Achte beendete.
Bild: Sven Hoppe, dpa

Die Heimrennen am Schliersee endeten für die 27-Jährige Biathletin bislang meist mit Enttäuschungen. Dieses Mal war sie beste deutsche Athletin.

Mit einem Lächeln läuft Vanessa Hinz über die Ziellinie und selbst als die Biathletin schnaufend in den harten Kunstschnee sinkt, will das Grinsen nicht weichen. So oft hatte sich die 27-Jährige aus Schliersee für ihr Heimrennen in Oberbayern ein Spitzenergebnis erhofft. Fast genauso oft verließ sie enttäuscht den schattigen Kurs am Fuß des Zirnbergs. Weil Hinz die Balance zwischen schnellem Langlauf und Treffsicherheit im Schießstand nicht finden konnte. Doch zum Auftakt des Weltcups in der Chiemgau-Arena liefert die Skijägerin aus Oberbayern mit Platz acht ihr bestes Saisonergebnis ab. „Ich habe nie Freundschaft mit Ruhpolding geschlossen“, räumt Hinz ein, doch am Mittwoch geht ihr Plan auf: „Ich wusste, dass man heute gut schießen muss, wenn man keine Über-Läuferin ist.“ Mit dem achten Platz kann Hinz gut leben beim bereits fünften Saisonsieg der Norwegerin Tiril Eckhoff, die vor der Schwedin Hanna Öberg und Dorothea Wierer aus Italien gewinnt.

Vanessa Hinz schafft die Norm für die Biathlon-WM 2020

Die Norm für die Weltmeisterschaft Mitte Februar in Antholz (zweimal unter den besten 15 oder einmal unter den ersten Acht) hatte Hinz bereits vor dem Ruhpolding-Rennen erfüllt. Die Top-zehn-Platzierung gibt einen zusätzlichen Schub für die Schinderei vor dem Saisonhöhepunkt. Die Titelkämpfe in Südtirol hat auch Franziska Preuß als große deutsche Hoffnung im Blick. Doch im Augenblick kämpft die 25-Jährige noch mehr mit ihrem Körper als mit den Skiern und dem Gewehr. Schon einige Male war Preuß im Presseraum der Chiemgau-Arena gestanden und hatte minutenlang aus ihrer Krankenakte berichtet. Wieder hatte ein Infekt die Sportlerin über den Jahreswechsel erwischt. Mit einer Portion Resignation erzählt sie nach dem Zieldurchlauf in Ruhpolding: „Bei anderen dauert es eine Woche, bis sie gesund sind, bei mir zwei.“ Wegen des körperlichen Rückstands konzentriert sich Preuß auf die beiden Schießeinheiten. Null Fehler – die Taktik geht auf. Zum Start fühlte sie sich gut, „doch nach der ersten halben Runde ist der Mann mit dem Hammer gekommen“. Wenn die Sportlerin aus Haag ohne Schießfehler bleibt, zählt sie eigentlich zu den Podestkandidaten. Am ehesten wird ihr zugetraut die Lücke zu füllen, die Laura Dahlmeier nach ihrem frühen Abschied hinterlassen hat. Aber in der Loipe fehlt ihr nach der Nasennebenhöhlen-Entzündung die Frische. Nicht nur der Muskelapparat, auch der Kopf muss kämpfen: „Es ist nervig, wenn der Körper nicht mitspielt. Das kostet mehr Energie als die Rennen.“

Der deutschen Mannschaft fehlt eine Siegläuferin

Mit dem Ausstieg von Dahlmeier, die in Ruhpolding als ZDF-Expertin die Rennen nur noch als Zuschauerin verfolgt, fehlt dem Deutschen Ski-Verband eine Siegläuferin. Platz zwei von Denise Herrmann beim Weltcup in Oberhof bleibt die beste deutsche Frauen-Platzierung in diesem Winter. Doch Herrmann fehlt die Konstanz. Mit Rang 19 in Oberbayern erlebt sie jetzt einen Einbruch: „Nach dem Liegendschießen habe ich in der Loipe überdreht. Heute ist es mir nicht gelungen, den Fokus zu finden.“ Mit drei Schießfehlern immer noch unter den ersten 20 zu landen, zeugt immerhin von einer guten körperlichen Verfassung der Oberwiesenthalerin.

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Knapp 10.000 Fans in der Chiemgau-Arena feiern die ordentlichen Resultate der Frauen. Am Donnerstag startet der Männer-Sprint unter anderem mit den deutschen Spitzenläufern Arnd Peiffer und Benedikt Doll. Der Allgäuer Philipp Nawrath brennt nach starken Leistungen im zweitklassigen IBU-Cup darauf, sich auf der großen Weltcup-Bühne präsentieren zu können. „Ich habe gute Chancen, die WM-Norm zu schaffen, das ist mein Ziel“, sagt der 26-Jährige aus Nesselwang. Um weit vorne zu landen, ist im Sprint ein fehlerfreies Schießen hilfreich. In die Strafrunde, so scherzt die am Mittwoch treffsichere Vanessa Hinz, schickt sie in dieser Woche nur noch die Familie. Die „Strafrunde“ ist nicht nur der Albtraum eines jedes Biathleten. So heißt auch die Partymeile im Champions Park von Ruhpolding.

Hier bekommen Sie die Infos zum Biathlon-Weltcup 2019/20

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