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Borussia Dortmund
29.05.2017

Tuchel gegen Watzke: Wie endet das interne BVB-Duell?

Die Zukunft von Thomas Tuchel
Foto: Friso Gentsch/dpa

Thomas Tuchel hat mit Dortmund den DFB-Pokal gewonnen. Das macht die Aufgabe für die BVB-Spitze nicht einfacher, die beabsichtigte Trennung zu vollziehen.

Wo ist Tuchel? Was macht Watzke? Der Tuchel wird umarmt – von Rauball. Watzke umarmt den Trainer – der heißt aber Kovac. Es ist ein bizarres Schauspiel, das da in Gang kommt nach Ende des Pokalfinales. Borussia Dortmund hat Eintracht Frankfurt 2:1 besiegt und im vierten Endspiel in Serie endlich einmal den Pott geholt. Das Ergebnis, die Dortmunder Freude – alles wird so nebenbei registriert, denn augenblicklich geht es nur noch um die Fragen, wo ist Tuchel und was macht Watzke? Das bleischwere Thema, der Zwist bei der Borussia zwischen Trainer und Geschäftsführer, überlagert auch die positiven Emotionen, die ein Pokalsieg normalerweise auslöst.

Die Momentaufnahmen also: Abpfiff, Dortmunds Kicker bilden einen Menschenknäuel, Thomas Tuchel steht ein paar Meter daneben und lässt Fäuste auf und ab sausen. Nach und nach geht er die Spieler ab, bedankt sich, wird dann eben vom Präsidenten Rauball umarmt und ganz zum Schluss halten sich tatsächlich auch die Streithähne Tuchel und Watzke fest. Zuvor hatte der BVB-Geschäftsführer schon Frankfurts Coach Niko Kovac eine Umarmung zuteilwerden lassen. Jetzt also Lächeln mit Tuchel und Watzke? „Nachdem das das letzte Mal handgestoppt wurde, haben wir uns diesmal Mühe gegeben, es besser zu machen“, wird Tuchel später sagen. Später, das ist so gut eine Stunde nach Ende des Finales.

Am liebsten würde Tuchel auf die Gespräche mit den Medienvertretern verzichten, nicht aus Groll, sondern weil er sich zwar „tief glücklich“, aber eben auch fix und fertig fühlt. Ein hartes Stück Arbeit sei es gewesen, sagt er, „weil Frankfurt wirklich gut gespielt und uns alles abverlangt hat“. Der Fußballlehrer weiß natürlich, „dass wir jetzt nicht unser bestes Spiel gemacht haben“, aber eigentlich ist das doch wurscht, wenn man am Ende den Pokal in Händen hält, was ihn persönlich angeht, zum ersten Mal überhaupt im Berufsleben.

Trainer Thomas Tuchel feiert auf dem Mannschafts-LKW in Dortmund.
Foto: Friso Gentsch/dpa

„Es ist einer der besten Tage meiner Karriere“, bejaht Tuchel eine entsprechende Frage, doch schon geht es um anderes, um Entscheidendes. „Es hat sich über die letzten zwei oder drei Wochen aufgebauscht. Natürlich hängt da jetzt ein riesengroßes Thema drüber“, sagt der BVB-Trainer. Was soll, was kann er Neues einbringen? „Ja“, erklärt Tuchel und schiebt sofort ein, „ja, ich würde auf jeden Fall gerne meinen Vertrag erfüllen, wenn das geht.“ In dieser Woche soll die wegweisende Zusammenkunft stattfinden, „es wird ein Gespräch geben, oder Gespräche, und ich will ja nicht naiv sein, ich weiß, sie sind ergebnisoffen.“

Zukunft von Thomas Tuchel beim BVB unklar

Tuchel ahnt, dass das Ergebnis der Gespräche so sein wird, dass Borussia Dortmund sich von ihm trennen wird. Da will er sich wenigstens den eigenen Triumph nicht nehmen lassen. „Wissen Sie“, sagt der 43-Jährige, „ich glaube ganz fest daran, dass du besondere Leistungen nur dann erbringst, wenn du eine Verbindung hast. Wir haben eine ganz besondere Saison noch mal gekrönt. Ich glaube, das geht nur, wenn die Mannschaft dem Trainer vertraut und wenn der Trainer der Mannschaft vertraut.“

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Foto: Arne Dedert/Bernd Thissen/Tobias Schwarz

Die Botschaft soll sein: Der Geschäftsführer und vielleicht auch andere Personen im Verein mögen gegen mich sein, aber Mannschaft und Trainer sind eine Einheit. Doch sind sie das wirklich? Während Tuchel betont, man habe den Pokal auch für den verletzten Julian Weigl gewonnen, und für Marco Reus, der zur Halbzeit mit „ein bisschen Kreuzband“ (Reus) passen musste, und für Marcel Schmelzer, der ebenfalls zur Halbzeit „mit mindestens einem Faserriss“ (Schmelzer) rausmusste, während also Tuchel Herz-Schmerz-Pathos zum Ausdruck bringt, liefert Schmelzer harte Kritik am Trainer.

Tuchel hatte Nuri Sahin aus dem Kader gestrichen und dafür den – wie sich zeigen sollte, überforderten – Matthias Ginter aufgestellt, eine Maßnahme, die offenbar viele BVB-Akteure nicht verstanden hatten. O-Ton Schmelzer: „Mich hat es sehr geschockt. Ich verstehe es einfach nicht. Wenn ein Spieler wie Julian Weigl ausfällt, dann ist er der Einzige, der das mindestens genauso gut kann. Deshalb war ich sehr überrascht, dass er nicht gespielt hat und nicht mal im Kader war. Wir alle wissen, was er für Qualitäten hat. Wir stehen komplett hinter Nuri.“ Eine Einzelmeinung? Marcel Schmelzer, der „Schmelle“, ist der Kapitän. Und als solcher kein Mann der lauten Töne.

Marco Reus präsentiert den BVB-Fans die Trophäe.
Foto: Ina Fassbender (dpa)

Diese Woche also Gespräche – und voraussichtlich das Ende der Zusammenarbeit von Borussia Dortmund und Thomas Tuchel. Und dazu noch der vermutliche Abschied von Pierre-Emerick Aubameyang. Der Torjäger habe um seine Freigabe gebeten, hieß es schon vor dem Finale. Zahlt ein Verein, was die Dortmunder wollen – im Gespräch sind 80 Millionen Euro –, kann Aubameyang gehen, und die Wahrscheinlichkeit, dass dies im finanziell völlig absurd aufgeblähten Fußballgeschäft passiert, liegt bei geschätzten einhundert Prozent.

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