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Bouldern
18.08.2018

Kletterer strecken sich für Olympia

Der Frankfurter Jan Hojer gehört als Boulder-Europameister zu den großen Hoffnungen der deutschen Kletter-Mannschaft.Foto: Nils Nöll
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Der Frankfurter Jan Hojer gehört als Boulder-Europameister zu den großen Hoffnungen der deutschen Kletter-Mannschaft.Foto: Nils Nöll

In zwei Jahren werden erstmals olympische Medaillen in der Sportart vergeben. Wo das deutsche Team international steht, könnte nach diesem Wochenende in München klar sein

Die Luft wird dünner für die deutschen Kletterer, und das schon weit unterhalb des Gipfel-Ziels in Tokio. Zwei Jahre vor den Sommerspielen in Japan brennen die Top-Athleten von Bundestrainer Urs Stöcker auf internationale Vergleiche, längst steht die schwere Qualifikation für die olympische Premiere 2020 im Fokus. Das Finale im Boulder-Weltcup am Wochenende in München und die WM im September in Innsbruck sind die nächsten wichtigen Standortbestimmungen für das ambitionierte Team. Stöcker berichtet: „Wir haben ein extrem dichtes Feld. Es wird immer schwieriger, sich vorne zu platzieren.“

Erstmals werden olympische Medaillen im Klettern vergeben, die Szene betritt Neuland. Weil extra für die Sommerspiele das Wettkampf-Format „Olympic Combined“ erfunden wurde, ein – umstrittener – Mehrkampf aus den Disziplinen Bouldern, Speed und Lead, gibt es noch keine klaren Favoriten auf Medaillen in zwei Jahren. „Das ist grundsätzlich noch zu weit hin“, sagt Stöcker. Er hat aus dem ursprünglich 17 Athleten starken Perspektivkader für Tokio „drei bis fünf“ Männer und zwei oder drei Frauen identifiziert, die aktuell realistische Chancen auf die Qualifikation haben.

Nur je 20 Sportler bei Männern und Frauen treten in Tokio an, pro Nation und Geschlecht maximal zwei. Zwei Starter bei den Männern und eine Frau sind das Ziel des Deutschen Alpenvereins. Die Startplätze werden 2019 bei der Weltmeisterschaft in Tokio und einem Event in Toulouse sowie Anfang 2020 bei letzten kontinentalen Quali-Wettkämpfen vergeben. Gute Aussichten auf ein Olympia-Ticket hat aktuell der Frankfurter Jan Hojer, der als Vorjahressieger und Boulder-Europameister zum Weltcup-Finale nach München reiste und aktuell Siebter der Disziplin-Weltrangliste ist. Alexander Megos rangiert beim Lead – also dem Seilklettern – gar auf Weltranglistenplatz fünf. Ob der Erlanger aber überhaupt Lust hat, für Tokio zu kämpfen, ist noch offen. „Alex Megos gehört zu den allerbesten Felskletterern der Welt“, erklärt Stöcker, neben dem tschechischen Star Adam Ondra sei der 25-Jährige wahrscheinlich der Stärkste überhaupt am Felsen. „Die Frage ist, ob er den Fokus aufgeben soll für den Wettkampfsport.“

Die Outdoor-Komponente und der Freigeist-Gedanke spielen beim Klettern eine wichtige Rolle, viele sehen Olympia deshalb äußerst kritisch. Stöcker meint, bei Megos das Feuer für den Wettkampf gesehen zu haben. „Ich glaube, gewisse Funken sind gesprungen“, erzählt er. Andere haben sich bereits ganz dem Ziel Tokio verschrieben. „Olympia ist als Traum im Kopf“, sagt Alma Bestvater. „Aber ich weiß, dass ich noch einen harten Weg vor mir habe.“ Die 22-Jährige, die in dieser Saison schon in zwei Boulder-Weltcups im Finale der besten Sechs stand, zog jüngst von Weimar nach München, um besser trainieren zu können. In Augsburg eröffnete der Deutsche Alpenverein im Juni ein neues Kletterzentrum mit dem Fokus auf Top-Athleten – bislang mussten diese in öffentlichen Hallen neben Freizeitsportlern trainieren. Für Stöcker war dies elementar, um international konkurrenzfähig zu bleiben. „Man merkt, dass die Förderung und Professionalisierung extrem zugenommen haben, auch bei den mittleren oder kleineren Verbänden“, berichtet der Schweizer. „Es ist alles viel dichter geworden und daher auch unvorhersehbarer.“ Jetzt gilt es für die deutschen Kletterer, sich Schwung zu holen für das Quali-Jahr 2019.

Manuel Schwarz, dpa

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