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20.10.2009

CAS-Countdown: Pechstein muss zur Blutkontrolle

CAS-Countdown: Pechstein muss zur Blutkontrolle
Bild: DPA

Kontrolle zum Countdown: Drei Tage vor der Berufungsverhandlung vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS haben Doping-Fahnder bei Claudia Pechstein noch einmal eine Blut-Kontrolle vorgenommen.

Kontrolle zum Countdown: Drei Tage vor der Berufungsverhandlung vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS am 22. Oktober haben Doping-Fahnder des Eislauf-Weltverbandes ISU bei Claudia Pechstein noch einmal eine Blut-Kontrolle vorgenommen.

"Scheinbar hält es die ISU selbst für möglich, dass Claudia schon bald wieder starten darf. Warum sollte der Verband sonst einen Test veranlassen?", kommentierte Ralf Grengel, der Manager der für zwei Jahre wegen auffälliger Blutwerte gesperrten Eisschnelllauf- Olympiasiegerin.

Auch in der Woche vor der Berufungsverhandlung in Lausanne, bei der Pechstein ihre Suspendierung mit neuen medizinischen Gutachten und dem Nachweis vieler Verfahrensfehler rückgängig machen will, gaben sich die Kontrolleure bei ihr fast die Klinke in die Hand. Bereits in der Vorwoche standen die Experten der Nationalen Anti- Doping-Agentur NADA vor ihrer Tür, die sie nicht kontrolliert hatten, seit Pechstein im August den Wunsch eines Langzeittests unter Leitung der NADA geäußert hatte. Die NADA hatte dies damals abgelehnt.

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Nachdem Pechstein nun bekanntgab, dass sie unter Einsatz beträchtlicher privater finanzieller Mittel Studien im Berliner "Labor 28" erstellen ließ, die gravierende Schwankungen zwischen den beiden gängigen Test-Maschinen Avia 120 und Sysmex zur Tage brachten, wurde die NADA wieder aktiv. Die 37 Jahre alte Berlinerin wurde mit dem Sysmex-Apparat kontrolliert, der in der Regel viel niedrigere Werte von Retikulozyten nachwies, als die Advia, mit der Pechstein bei vier Terminen zwischen 2007 und 2009 die erhöhten Werte der Vorläufer roter Blutkörperchen nachgewiesen worden waren.

Pechstein, die zugab, angesichts deprimierender Vorverurteilungen bereits an Rücktritt gedacht zu haben, fährt nun voller Optimismus nach Lausanne. "Jeder Experte bestätigt: Hohe Retikulozyten sind nicht leistungsfördernd. Warum also sollte ich zum Beispiel im Vorfeld der WM in Hamar manipulieren, wenn ich dadurch bei den Titelkämpfen gar nicht schneller werde?", erklärte sie der dpa. Ursprünglich hatte ihr die ISU unterstellt, bereits seit 2000 zu dopen. "Heißt das nicht gleichbedeutend, ich wäre fast ein Jahrzehnt später immer noch zu dumm, es richtig zu machen?", fragte Pechstein.

Auch der erneute Seitenhieb auf Rivalin Anni Friesinger durfte nicht fehlen. "Sie sagt, sie hätte mehr Fragen als Antworten. Doch sie hätte mich ja nur fragen müssen, dann hätte sie Antworten bekommen. Doch stattdessen hat sie mich gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Jedem der sich so verhält, kann ich nur sagen, denke mal drüber nach, wie es wäre, wenn es dich getroffen hätte", sagte sie.

Ihre Anwälte werden im CAS-Hauptsitz Chatheau de Bethusy ihre Strategie darauf setzen, wie nachlässig der Weltverband ISU mit der Dokumentation der Tests umging. Die Pechstein-Crew stellte eine umfassende Mängelliste zusammen, wonach bei keinem der vier Rennen in Calgary 2007, Hamar 2008 und 2009 und Nagano 2008 die erforderlichen Mess- und Kalibrierungs-Protokolle lückenlos vorlagen. Dennoch wehrt sich Pechstein heftig gegen den Vorwurf, eine Aufhebung der Sperre wegen Verfahrensfehlern sei ein Freispruch zweiter Klasse. "Ich muss als Sportler ständig und überall dem Anti-Dopingkampf meinen Körper zur Verfügung stellen: Egal ob ich unter der Dusche stehe oder mit meinem Mann im Bett liege. Diesen Verlust der Intimsphäre muss ich im Sinne des sauberen Sports akzeptieren", sagte Pechstein.

"Da ist es doch wohl mehr als mein gutes Recht, von der ISU zu verlangen, dass alle meine Proben mit der größten Sorgfalt behandelt werden", forderte Pechstein. "Das Mindeste, was ich als Beschuldigte vom Weltverband erwarten darf, ist die Offenlegung aller Dokumente, die mich angeblich belasten. Sollte es hier Lücken geben und die Sperre dadurch aufgehoben werden, wäre dies für mich keineswegs ein Freispruch zweiter Klasse."

Zu Pechsteins Entlastungs-Paket gehören insgesamt sechs medizinische Experten-Gutachten. "Ihre Kernaussagen dürften der ISU nicht gefallen", ist Pechstein zuversichtlich. Zu Inhalten wollte sie aber noch nichts sagen. "Man darf davon ausgehen, das da nicht heiße Luft drin steht", kommentierte Grengel auf Anfrage und ließ damit offen, ob ihr nicht doch der Nachweis einer Blut-Abnormität gelungen sei. Pechstein stellte nur frustriert fest: "Hier wurde im Vorfeld von der ISU grob fahrlässig gehandelt." (dpa)

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