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02.05.2019

„Caster hat mein Mitgefühl“

Balian Buschbaum war als Frau eine der besten Stabhochspringerinnen Europas. Was er vom Sportgerichtsurteil gegen Semenya hält

Balian Buschbaum feierte als Yvonne Buschbaum vor einer Geschlechtsangleichung große Erfolge im Stabhochspringen. Den Fall Caster Semenaya verfolgt der 38-Jährige mit großem Interesse – und Unverständnis. „Schade, dass Caster Semenyas Anliegen von jemand be- und verurteilt wurde, der nie in ihren Schuhen gelaufen ist. Schade, dass Gerichte über Verstand und nicht mit Empathie entscheiden“, sagte der 38-Jährige aus Aschaffenburg und fügte hinzu: „Mich würde wirklich interessieren, was Usain Bolt sagen würde, wenn man ihm Hormone gäbe, damit seine Beine schrumpfen. Nichts anderes verlangt man von Semenya.“

In einem wegweisenden Urteil hatte der Internationale Sportgerichtshof CAS im Streit um Testosteron-Grenzwerte für Frauen den Einspruch der südafrikanischen 800-Meter-Olympiasiegerin von 2012 und 2016 abgelehnt. Damit ist eine Regel des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF rechtens, mit der Testosteron-Limits für Mittelstreckenläuferinnen mit intersexuellen Anlagen festgesetzt werden. Der Fall beschäftigt den Sport seit Semenyas erstem WM-Triumph 2009 in Berlin. Die Mann-Frau-Kategorisierung im Wettkampfsport ist Buschbaum „zu eindimensional. Wir wissen wissenschaftlich schon sehr, sehr lange, dass es eben nicht nur Männer und Frauen gibt, sondern viele Nuancen dazwischen. Wenn ich mir den Verlauf von Caster Semenyas Geschichte genau ansehe, hat sie mein Mitgefühl für alles, was sie schon durchmachen musste – nur auf Grund der Tatsache, dass die Gesellschaft noch nicht so weit ist“, sagte Buschbaum. Der gebürtige Ulmer errang als Yvonne Buschbaum jeweils zwei deutsche Meistertitel in der Halle und im Freien, wurde bei Olympia 2000 in Sydney Sechster und gewann 1998 sowie 2002 EM-Bronze. 2008 schrieb Buschbaum bundesweit Schlagzeilen mit dem öffentlichen Bekenntnis, sich einer Geschlechtsangleichung zu unterziehen.

Im Buch „Blaue Augen bleiben blau“ schilderte er seinen Weg und beschrieb auch die Auswirkungen seiner Hormonbehandlung und Operation. Buschbaum hatte damals seine Stabhochsprung-Karriere beendet, arbeitete zeitweise noch als Trainer in Mainz und lebt heute als Autor und Coach in Aschaffenburg und hält Vorträge. Der frühere Leichtathlet wies auch auf besondere Körpermerkmale anderer Topstars hin, zum Beispiel bei 100-Meter-Weltrekordler Usain Bolt (Jamaika) und beim 23-fachen Schwimm-Olympiasieger Michael Phelps. „Usain Bolt, mit einer Körpergröße von 195 Zentimetern und einer Beinlänge von 110 Zentimetern, schreibt man ja auch nicht vor, dass er sich bitte die Beine kürzen lassen sollte“, erklärte Buschbaum. „Die Gegner von Michael Phelps, der jahrelang den Schwimmsport dominierte, haben sich vielleicht auch gewünscht, dass er sich die Spannweite seiner Arme kürzen ließe. Inzwischen prüft der Südafrikanische Leichtathletik-Verband (ASA) einen Einspruch gegen das CAS-Urteil. Man sei „völlig geschockt darüber, wie eine Institution mit so hohem Ansehen wie der CAS eine Diskriminierung gutheißen kann, ohne mit der Wimper zu zucken“, teilte die ASA mit. (dpa)

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