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DOSB
08.06.2021

DOSB-Krise: Diese Vorwürfe werden gegen Alfons Hörmann erhoben

Alfons Hörmann (links) und Thomas de Maizière (unser Archivbild entstand 2011 bei der Alpin-WM in Garmisch-Partenkirchen) müssen die Krise beim Deutschen Olympischen Sportbund aufarbeiten.
Foto: Ralf Lienert, Archivbild

Der Führungsstil des DOSB-Präsidenten ist umstritten. Ein Vorwurf lautet: Es herrsche ein "Klima der Angst". Was der Vorsitzende der Ethikkommission sagt.

Neun Seiten lang hat sich Thomas de Maizière abgemüht, Licht ins Dunkel zu bringen. Der ehemalige Bundesinnenminister, dem man ein freundschaftliches Verhältnis zu DOSB-Präsident Alfons Hörmann nachsagt und der genau aus diesem Grund auch Vorsitzender der Ethikkommission sein soll, hat nach vierwöchiger Detektivarbeit die Krise zwischen Chefs und Mitarbeitern des Deutschen Olympischen Sportbundes in der Zentrale in Frankfurt nicht aufklären können.

Die Affäre um den anonymen Brief und den angeblich so schlechten Führungsstil Hörmanns geht in die Verlängerung und wird die öffentliche Debatte auch während der Olympischen Sommerspiele in Tokio bestimmen.

Für Dagmar Freitag ist der Bericht der DOSB-Ethikkommission «ein verheerendes Zeugnis für die Dachorganisation».
Foto: Fabian Strauch/dpa

Dagmar Freitag übt Kritik am DOSB wegen der Personalie Hörmann

Der Sportausschuss-Vorsitzenden des Bundestages, Dagmar Freitag, geht die Empfehlung für vorgezogene Neuwahlen nicht weit genug. Sie sagte der dpa: "Ich frage mich, wie der DOSB ungerührt zum Alltagsgeschäft übergehen und Hörmann zum Delegationsleiter für die Spiele in Tokio benennen kann."

Ein Satz im Abschlussbericht von de Maizière beschreibt das Dilemma der vor vier Wochen eilig einberufenen Schiedsstelle besonders gut: "Eine klare Empfehlung der Ethikkommission in die eine oder andere Richtung würde keine Ruhe in die Debatten bringen", schreibt der Politiker. Deshalb bleibt de Maizière schwammig. Er lobt Alfons Hörmann – und tadelt ihn. Er entkräftet Vorwürfe gegen ihn – und erhebt neue. Er zeigt Verständnis für die Mitarbeiter – und bezichtigt sie gleichzeitig der Intrige. Für diejenigen, die die Welt am liebsten in Gut und Böse trennen würden, ergibt das kein klares Bild. Und doch haben de Maizière und die Kommission feinsäuberlich aufgedröselt, was die Mitarbeiter mit ihrem Protestschreiben ins Rollen gebracht haben. Von Hörmann selbst gibt es immer noch keine Stellungnahme.

Vorwurf 1

Eine Mitarbeiterin sei nach 14 Jahren Tätigkeit im DOSB nicht gebührend verabschiedet worden. Dies sei nicht von "Wertschätzung" und "Respekt" getragen.

Untersuchungsergebnis Eine persönliche Verabschiedung sei geplant gewesen. Sie fiel mitten in die zweite Corona-Welle. Hörmanns Vorschlag für eine kleinere Veranstaltung lehnte die Mitarbeiterin ab.

Fazit von de Maizière "Präsident Hörmann können diesbezüglich keine Vorwürfe mangelnden Respekts gemacht werden. Die Kommunikation war offensichtlich mangelhaft."

Vorwurf 2

Mitglieder der DOSB-Führung hätten die Maskenpflicht dauerhaft und konsequent missachtet.

Untersuchungsergebnis Etliche Befragte hätten eingeräumt, bei Meetings im Haus keine Maske getragen zu haben. Sie seien regelmäßig getestet und hätten bei offenen Fenstern in gehörigem Abstand getagt.

Fazit von de Maizière "Es ist nicht akzeptabel, dass Präsidium und Vorstand sich nicht an die von ihnen selbst gesetzten Regeln halten."

Vorwurf 3

Präsident Hörmann habe in Richtung von Mitarbeitern Stifte oder sonstige Gegenstände geworfen.

Untersuchungsergebnis Hörmann hat vor einer Videokonferenz Ende Oktober mit rund 100 Teilnehmern alle Anwesenden um absolute Ruhe während seines einstündigen Vortrags gebeten. Kurz nach Vortragsbeginn betrat eine Mitarbeiterin den Raum, um eilige Unterschriften von einem Vorstandsmitglied einzuholen. Von Hörmanns Bitte um Ruhe wusste sie nichts. Es kam zu einem Getuschel, von dem sich Hörmann gestört fühlte. Um das Gespräch zu beenden, warf Hörmann einen Stift mit einer Bewegung von unten nach oben auf den Tisch, der vor dem Vorstandsmitglied stand. Die Sekretärin brach später in Tränen aus, Hörmann blieb das verborgen.

Fazit von de Maizière "Hörmann hat nicht gezielt auf die Betroffene geworfen, sich nicht respektlos verhalten und sich entschuldigt."

Vorwurf 4

Entscheidungsprozesse würden nicht ausreichend erklärt, die Arbeitsbelastung sei zu hoch.

Untersuchungsergebnis Es sei das Bild eines starken Präsidenten und eines schwachen Vorstands entstanden. Es fehle an Kommunikation, Transparenz und Feedback ebenso wie an Lob und Zuspruch. Vorstand und Präsidium erklären sich die Kritik mit der Pandemie, der Kurzarbeit und der monatelangen physischen Abwesenheit.

Fazit von de Maizière "Zwischen der Kritik der Mitarbeiter und der Sicht von Vorstand und Präsidium besteht ein enormes Missverhältnis. Es bedarf dringend einer Veränderung."

Vorwurf 5

Im DOSB herrsche ein "Klima der Angst". Hörmanns Führungsstil sei dafür verantwortlich.

Untersuchungsergebnis Die Meinungen sind extrem widersprüchlich.

Fazit von de Maizière "Hörmann ist ein außerordentlich engagierter Präsident. Sein Führungsstil sei offen, klar und sehr direkt. Von anderen wird das als zu fordernd, ja sogar einschüchternd angesehen. Letzteres räumt Hörmann ein. Kritik nehme der Präsident dauerhaft übel. Manchmal vergreife er sich im Ton, auch vor Dritten. Lob und Dank kämen zu kurz. Hörmann hat der Kommission zugesagt, an sich zu arbeiten und über Veränderungen und Verbesserungen nachzudenken."

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