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Basketball

10.11.2017

"Dann stecken Sie meine Familie ins Gefängnis": Türkischer NBA-Star spricht über Erdogan

Enes Kanter spielt für New York Knicks - in seiner türkischen Heimat sind die Spiele des Teams nicht zu sehen.
Bild: Elsa, dpa

Weil sich Enes Kanter kritisch zu den Vorfällen in seinem Land äußert, zeigt die Staatsregierung seine Spiele nicht mehr. Der 2,11-Mann nennt den Staatspräsidenten einen "Diktator".

Enes Kanter ist bekannt dafür, mit seiner Meinung nicht hinter den Berg zu halten. Der 2,11 Meter große Center der New York Knicks kritisierte mehrfach die Zustände in seiner türkischen Heimat. Dafür entzog ihm seine Heimat unlängst den Pass, der 25-Jährige ist seitdem staatenlos. Auch die Spiele seines Vereins werden mittlerweile nicht mehr im TV gezeigt. Wie massiv die Maßnahmen sind, die gegen ihn und seine Familie greifen, verriet der 25-Jährige nun in einem Interview mit der New York Post.

Demnach wurde Kanters Vater bereits im Juni festgenommen und verhört, weil der mit den Ideen des Erdogan-Rivalen Fethullah Gülen sympathisieren soll. Eine Woche lang befand sich sein Vater in Haft, bevor er wieder auf freien Fuß gelassen wurde.  Seitdem gilt, wie Kanter sagt, ein striktes Kontaktverbot: Seit einem halben Jahr hat er nach eigener Aussage kein Mitglied seiner Familie gesehen oder gesprochen. Eine Einreise in die Türkei würden ihm die Behörden verbieten, die Pässe seiner Familie wurden beschlagnahmt so dass diese ihn nicht in den USA besuchen können.

Diese Repressalien scheinen Kanter nicht zu beeindrucken. In einem Interview bezeichnete er Erdogan als den "Hitler unseres Jahrhunderts". Nachdem bekannt wurde, dass die Nicks-Spiele nicht mehr in der Türkei zu sehen sind, nannte er Erdogan auf Twitter erneut einen "Diktator".

Alleine der Kontakt könnte für seine Familie gefährlich sein

Wie gefährlich alleine schon der schiere Kontakt zu seinen Familienmitgliedern ist, sagte Kanter der New York Post: "Die türkische Regierung hört alle Gespräche in der Türkei ab." Wenn er einen engen Verwandten anrufen würde, hätte das Konsequenzen: "Wenn sie (die türkische Regierung, Anm. d. Redaktion) wüssten, dass ich in Kontakt mit meiner Familie stehe, würden sie alle ins Gefängnis stecken." Deswegen seien in seinem Haus in der Türkei alle elektronischen Geräte beschlagnahmt worden um zu sehen ob es einen Kontakt gibt."

Kanter: "Das ist hart, schließlich ist es meine Famile, um die es geht."

Klar, dass dieser Umstand auf seine Stimmung drückt: "Das ist hart, schließlich ist es meine Famile, um die es geht. Und sie können mich nicht besuchen." Erst vor kurzem wurde Kanter während eines Flugs drei Stunden in Rumänien festgehalten. Seine größte Angst sei es dabei gewesen, zurück in die Türkei geschickt zu werden: "Wenn sie mich zurück in die Türkei geschickt hätten, wäre es mit Sicherheit sehr häßlich geworden."

Den Mund will sich Kanter nicht verbieten lassen und betonte: "Erdogan wird mich nicht zum Schweigen bringen."

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