1. Startseite
  2. Sport
  3. Das Wimbledon-Wunderkind: Cori Gauff verblüfft die Tenniswelt

Wimbledon 2019

05.07.2019

Das Wimbledon-Wunderkind: Cori Gauff verblüfft die Tenniswelt

Nicht zu fassen: Cori Gauff hat die ersten beiden Runden in Wimbledon überstanden und dabei unter anderem Venus Williams bezwungen. Nun bekommt sie es mit der ehemaligen Weltranglisten-Ersten Caroline Wozniacki zu tun. Die Favoritenrolle: offen.
Bild: Tim Ireland, dpa

Die 15-Jährige schickt sich an, die Nachfolge der Williams-Schwestern anzutreten. Ihr Ziel: Sie möchte die „Größte aller Zeiten“ werden.

London Vor gut zwei Wochen waren Cori Gauff und ihr Vater Corey auf dem Weg nach Südfrankreich, in die Tennisakademie von Patrick Mouratoglu, als sie ein Anruf aus Wimbledon erreichte. Ob Cori eine Wild Card für den Qualifikationswettbewerb annehmen wolle, lautete die Frage an das amerikanische Vater-Tochter-Gespann? Die Antwort lautete natürlich "Ja", und inzwischen muss man sich ernsthaft die Frage stellen, wohin das alles noch führen soll bei den Offenen Englischen Meisterschaften des Jahres 2019. Für Gauff und für den Rest der Tenniswelt.

Denn Gauff, dieser höchst erfrischende, gerade 15-jährige Teenager, spielt mit einer so unglaublichen Selbstsicherheit auf der größten Tennisbühne des Planeten, dass sie nicht nur wie ein goldenes Versprechen auf die Zukunft erscheint. Sondern auch noch für alle möglichen und unmöglichen Sensationen im Hier und Jetzt des Rasenspektakels gut sein könnte.

Nach dem ersten dicken Ausrufezeichen gegen ihr Kindheitsidol Venus Williams in Runde eins, ließ die Youngsterin am Mittwochabend einen zweiten makellosen Auftritt gegen die Slowakin Magdalena Rybarikowa folgen, unter dem erstmals geschlossenen Dach von Court 1. "Sie tritt auf, als würde sie das schon Jahre tun. Es ist kaum zu glauben", stellte Legende Martina Navratilova nach dem 6:3, 6:3-Erfolg der jungen Amerikanerin gegen Ex-Halbfinalistin Rybarikowa fest.

Das Wimbledon-Wunderkind: Cori Gauff verblüfft die Tenniswelt

Gauff ist selbstbewusst: "Ich kann gegen jede gewinnen. Daran glaube ich, so spiele ich"

Erfahrung kann allerdings nicht das Erfolgsgeheimnis von Gauff sein, sondern eine Begabung und eine mentale Stärke, die man nur einmal in Jahrzehnten findet. Die Spiele gegen Venus Williams und Rybarikowa waren ja die ersten Grand-Slam-Matches überhaupt für die 15-Jährige, der Sieg gegen die ältere der beiden Williams-Schwestern hatte sogar einen historischen Kontext – denn seit Jennifer Capriati 1991 hatte im grünen Tennistempel an der Church Road keine Spielerin mehr gewonnen, die so jung ist. Gefragt, ob sie nun mit mehr Gegenwehr rechne im Drittrunden-Match gegen die ehemalige Weltranglisten-Erste Caroline Wozniacki, gab Himmelsstürmerin Gauff zu Protokoll: "Ich kann gegen jede gewinnen. Daran glaube ich, so spiele ich."

Sorgt in Wimbledon weiter für Furore: Cori Gauff.
Bild: Mike Egerton/PA Wire (dpa)

Deutet sich in Wimbledon eine verblüffende Zeitenwende an, so wie zum Jahrtausendwechsel, als Steffi Graf und Weggefährtinnen aus ihrer Generation in den Ruhestand traten und die Epoche der Williams-Schwestern begann? Venus ist inzwischen 39 Jahre alt, Schwester Serena, die langjährige Rasen-Herrscherin, wird im September 38. Gauff könnte die Erbin des Tennis-Imperiums werden, der Teenager, der einst Inspiration aus dem fabelhaften Sister Act bezog.

Statt sich für eine Basketball- oder Leichtathletik-Karriere zu entscheiden und damit in die Fußstapfen der Eltern zu treten, entschied sich Cori mit sieben Jahren fürs Tennis – ganz einfach, weil sie die berühmten Schwestern bei ihren Siegeszügen im Fernsehen sah. "Ich wollte das schaffen, was sie schafften", sagt die junge Amerikanerin, deren Selbstbewusstsein ähnlich ausgeprägt ist wie das ihrer prominenten Vorbilder. Schon mit zwölf verkündete Gauff in einem ESPN-Interview auch, "die Größte aller Zeiten" werden zu wollen: "Man muss groß denken, um Großes zu erreichen."

Schon jetzt ist klar: In der Weltrangliste wird Gauff einen Riesen-Satz machen

Ihr Auftritt ist von wenig Zweifel oder Angst getrübt. Gauff spielt mit jugendlicher Unbekümmertheit und Frische, mit verblüffender Power und Präzision. Aber was am meisten erstaunt, ist die Selbstverständlichkeit, mit der die 15-Jährige sich bei ihrem Debüt im Grand-Slam-Heiligtum zeigt – und allen Herausforderungen scheinbar mühelos trotzt. "Sie ist ihrer Zeit weit, weit voraus", sagt Chris Evert, der frühere US-Superstar, "es wird nicht lange dauern, bis sie in der Weltspitze auftaucht." Vom aktuellen Platz 313 in der Rangliste wird Gauff nach den beiden Auftakterfolgen in jedem Fall schon mal unter die Top 200 vorpreschen.

Gauff kann auch auf ein erstklassiges Team zählen – beim Weg nach ganz oben, zum Gipfel. Beim Franzosen Mouratoglu, dem Trainer von Serena Williams, trainiert sie regelmäßig, er beobachtet in Wimbledon auch die Matches des Teenagers. Und um die geschäftlichen Belange kümmert sich kein anderer als Tony Godsick, der Manager von Roger Federer, mit seiner Agentur Team 8. "Cori ist ein Supermädchen", sagt Federer, "sie hat eine große Karriere vor sich."

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren