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FC Augsburg

02.12.2014

Der FCA hat nur ein Luxusproblem

Paul Verhaegh (li.) und Daniel Baier (re.) sind wichtige Säulen des FCA. Tim Matavz (mitte) konnte sich bisher noch nicht richtig in Szene setzen und verletzte sich gegen den HSV.
Bild: Uwe Speck, Witters

Für Tim Matavz ist mit einer Bänderverletzung die Vorrunde beendet. Aber die Tore für den Höhenflug schießen beim FC Augsburg derzeit sowieso andere.

Als Tim Matavz, 25, am Samstag schon nach zwölf Minuten gestützt von Mannschaftsarzt Dr. Peter Stiller junior und Physiotherapeut James Morgan vom Platz humpelte, schwante den über 30 000 Zuschauern in der SGL-Arena nichts Gutes. Die gestrige Untersuchung bestätigte die Befürchtungen. Die Vorrunde ist für den slowenischen Angreifer beendet. Er hat sich eine Bänderverletzung im linken Sprunggelenk zugezogen, die konservativ behandelt wird. Wie lange der millionenteure Neuzugang vom PSV Eindhoven genau ausfallen wird, ist vom Heilungsverlauf abhängig.

Was woanders wohl zu einem Aufschrei und Wehklagen führen würde, nimmt man beim FCA zwar betrübt, aber auch gelassen hin. Schließlich war der messbare Anteil von Matavz und seinen beiden Mittelstürmerkollegen Sascha Mölders und Nikola Djurdjic am derzeitigen Höhenflug bisher relativ gering. Matavz erzielte zu Beginn der Saison zwei Tore, Mölders und Djurdjic gingen bisher leer aus. Gleichwohl arbeiten sie in vorderster Front viel für ihre Kollegen, öffnen Räume, versuchen Bälle festzumachen und sind die ersten Defensivspieler in der Rückwärtsbewegung. Glänzen kann man damit wenig, für die Tore sind derzeit andere zuständig. So wie Paul Verhaegh, 31.

Traumhaft sicher

Der Kapitän (fünf Tore) hat wie Ragnar Klavan, 29, Jan-Ingwer Callsen-Bracker, 30, Halil Altintop, 31, und Daniel Baier, 30, alle Punktspiele bestritten. Auf zwölf Einsätze kommen der jetzt verletzte Torhüter Marwin Hitz, 27, und Tobias Werner, 29. Sie sind die tragenden Säulen, alle haben das System Weinzierl so tief in sich verinnerlicht, dass man sie auch frühmorgens aus dem Tiefschlaf wecken könnte und sie würden die im Training stundenlang geübten Aufbauvarianten fehlerlos vorspielen.

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Architekt Weinzierl hat seit seinem Dienstantritt ein taktisches Gerüst erarbeitet, das er je nach Situation variieren kann. War in der vergangenen Saison der Spielaufbau über Baier und Altintop die schärfste Waffe, kann Weinzierl jetzt auch über Klavan oder die Außenverteidiger das Spiel eröffnen lassen. Was immer besser klappt. Es scheint, als habe Weinzierl auf jede Aufgabenstellung des Gegners die passende Antwort. Oft sogar in der Halbzeitpause. So wie beim 3:1-Sieg gegen den Hamburger SV. Dabei helfen auch Daten und Videozusammenschnitte, die noch in der Kabine gezeigt werden.

Es ist also kein Zufall, dass der FCA derzeit wie ein Maulwurf die festzementierte Rangfolge in der Bundesliga unterhöhlt. Zu den akribisch erarbeiteten Automatismen fügt Weinzierl immer noch einen Schuss Unberechenbarkeit hinzu. In der Person von Raúl Bobadilla, 27. Der Argentinier wurde zum Rechtsaußen umfunktioniert, genießt so viele Freiheiten wie kaum ein anderer Spieler auf und neben dem Spielfeld und hat mit seiner unnachahmlichen Wühlerart drei Tore erzielt und drei Elfmeter erzwungen.

AC Mailand hat Baba und Kohr ins Visier genommen

Was auffallend ist: mit Abdul Rahman Baba hat nur ein Neuzugang einen Stammplatz. Die guten Leistungen des Linksverteidigers wecken aber auch Begehrlichkeiten. So berichtet das italienische Internetportal calciomercato.com, dass der AC Mailand an dem 20-Jährigen interessiert sei. Die Mailänder sind auf der Suche nach einen Linksverteidiger. Eine Option ist der 28-jährige Rumäne Stefan Radu von Lazio Rom und die zweite sei eben Baba. Ihn und auch Mittelfeldspieler Dominik Kohr, 20, sollen die Italiener schon beobachtet haben. Der Vertrag von Baba, der erst vor dieser Saison von der SpVgg Greuther Fürth zum FCA wechselte, läuft bis 2019. Bei Kohr liegt die Sache etwas anders. Der Mittelfeldspieler ist von Bayer Leverkusen nur für diese Saison ausgeliehen.

Aber der FCA ist auch nicht untätig. „Wir sondieren immer den Markt“, lautet die stereotype ausweichende Antwort von Manager Stefan Reuter auf Fragen nach möglichen Neuzugängen. Ein Kandidat auf der Interessenten-Liste könnte der Südkoreaner Joo-Ho Park, 27, vom FSV Mainz 05 zu sein. Der Linksverteidiger kam in dieser Saison erst in zwei Spielen zum Einsatz. Nach der Verpflichtung von Pierre Thomas Bengtsson, 26, scheint Park, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, aber keine großen Perspektiven bei den Mainzern mehr zu haben.

Unter Beobachtung scheint der FCA auch Reinhold Yabo, 22, gestellt zu haben. Der offensive Mittelfeldspieler des Zweitligisten Karlsruher SC könnte perspektivisch gesehen ein erster Schritt sein, das zur Zeit einzige Problem des FCA zu lösen. Die meisten Korsettstangen sind jetzt um die 30 Jahre alt. Soll die Erfolgsgeschichte weitergeschrieben werden, müssen wohl einige der tragenden Bausteine in den nächsten zwei, drei Jahren behutsam ausgetauscht werden.

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