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Fußball

23.06.2020

Der Kampf der Bundesliga-Klubs um die TV-Milliarden hat begonnen

Die Einnahmen aus dem TV-Vertrag sind die für die Bundesligavereine die größte Einnahmequelle.
Bild: Patrick Seeger (dpa)

Um die Verteilung der TV-Gelder ist ein Streit entbrannt: Die kleineren Vereine fordern einen gerechteren Schlüssel. D FC Augsburg vertritt eine klare Meinung.

Im gemeinsamen Corona-Existenzkampf rückte der deutsche Profifußball ein gewaltiges Stück zusammen, doch mit dem solidarischen Kuschelkurs ist es im Milliardengeschäft schon wieder vorbei. Kaum hatte DFL-Boss Christian Seifert am Montag den Erlös von 4,4 Milliarden Euro aus den TV-Rechten für die Spielzeiten 2021/22 bis 2024/25 verkündet, brachten sich die Bundesligaklubs für den großen Kampf ums Geld in Stellung. Die Top-Vereine wie Bayern München oder Borussia Dortmund wollen ihre Millionen weiter nach dem bisherigen Verteilerschlüssel der Liga kassieren.

"In Deutschland gibt es eine sehr solidarische, ausgewogene Verteilung der TV-Gelder: Der Meister erhält doppelt so viel TV-Einnahmen wie der Tabellenletzte", sagte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge dem Handelsblatt. Auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hält nichts von einem neuen Verteilerschlüssel.

Der "Status quo" sei richtig, sagte er der Funke Mediengruppe und betonte: "Wenn man versucht, die Zugpferde der Liga zu schwächen, dann schwächt man die ganze Liga." Das sehen die "Kleinen" der Branche ganz anders. Sie wollen künftig mehr vom ohnehin geschrumpften Kuchen – durch den Ausfall von Eurosport fehlen schon in der nächsten Spielzeit bis zu 150 Millionen Euro – abbekommen.

Der Kampf der Bundesliga-Klubs um die TV-Milliarden hat begonnen

FCA-Geschäftsführer Ströll befürchtet, dass die Schere weiter auseinandergeht

Michael Ströll, Geschäftsführer des FC Augsburg.
Bild: Ulrich Wagner
 

Michael Ströll, Geschäftsführer des FC Augsburg, sagte: "Wenn der Verteilerschlüssel so bleibt, wie er ist, würde die Schere noch weiter auseinandergehen." Strölls Forderung: "Im Sinne einer größeren Chancengleichheit, die der Gesamtheit der Bundesliga zugutekommen wird, muss über die Verteilung des Geldes zielführend und ergebnisoffen diskutiert werden." Klaus Filbry, Geschäftsführer von Werder Bremen, ist derselben Meinung: "Ich denke, dass alle mittlerweile verstanden haben, dass es auch schön wäre, wenn eine Generation von Kindern aufwächst, die nicht nur Bayern München als Meister erlebt." Auch er will eine Umverteilung der "nationalen und internationalen Medienerlöse" erwirken, um einen "fairen und integren Wettbewerb hinzubekommen". Für alle Vereine gilt: Die ungewisse Situation aufgrund der anhaltenden Coronavirus-Pandemie ist eine enorme Herausforderung. Seifert erwartet eine sehr intensive Debatte.

Schon an diesem Mittwoch tagt das Präsidium der Deutschen Fußball Liga, um sich über die nahe Corona-Zukunft und die anstehende Gelder-Verteilung auszutauschen. Die Gespräche darüber bezeichnete Seifert als "genauso anstrengend" wie die Verhandlungen mit den Medienpartnern, die – wohl auch wegen der Corona-Krise – diesmal rund 240 Millionen Euro weniger einbrachten als im aktuellen Rechtezyklus. Was mit dem Geld nun passieren soll, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Wie Filbry und Ströll fordert auch Fortuna Düsseldorfs Vorstandschef Thomas Röttgermann eine Umverteilung. "Wir sprechen seit Jahren davon, dass die Schere zwischen den Vereinen immer weiter auseinandergeht, wir unternehmen aber nichts dagegen. Wir brauchen keine Geldverteilung, die die jetzigen Verhältnisse zementiert", sagte der 59-Jährige.  Es sei ein Trugschluss, die Top-Clubs immer weiter mit Geld zu versorgen, um so die internationale Konkurrenzfähigkeit zu befördern.

Der FC Bayern erhielt zuletzt mehr als doppelt so viel wie Fortuna Düsseldorf

In der Saison 2018/19 erhielt Bayern München als Liga-Krösus aus der nationalen Rechteverwertung mit 65,4 Millionen Euro mehr als zweieinhalb mal so viel Geld wie die Düsseldorfer, die rund 25 Millionen Euro kassierten. Jan Lehmann, kaufmännischer Vorstand des FSV Mainz 05, fürchtet durch den leichten Rückgang der TV-Gelder härtere Auswirkungen "vor allem für die kleineren Clubs, die wie wir im Verhältnis mehr von den Medienerlösen abhängig sind als von anderen Einnahmen".

Im laufenden Zyklus gibt es vier Säulen für die Ausschüttung der TV-Gelder. Mit 70 Prozent und damit mit großem Abstand am meisten zählt eine nationale Fünf-Jahres-Wertung, bei der die vergangene Spielzeit das größte Gewicht hat. Der Meister erhält 5,8 Prozent der Erlöse, für den Letzten gibt es noch 2,9 Prozent. Auch die Faktoren Nachhaltigkeit (5 Prozent), Nachwuchs (2 Prozent) und Wettbewerb (23 Prozent) spielen eine Rolle. 

Viele der Folgen, die vor allem die kleinen Clubs anprangern, sind in den vergangenen Bundesliga-Jahren deutlich sichtbar geworden. Neben Dauermeister Bayern (acht Titel in Serie) spielen mit Dortmund, Leverkusen, Schalke, Leipzig oder Gladbach meist die gleichen Clubs um die Qualifikation für die Champions League. Sich als langjähriger Zweitligist in der Bundesliga zu etablieren, scheint beinahe unmöglich. Fürth, Braunschweig, Paderborn, Ingolstadt, Darmstadt und Nürnberg stiegen in den vergangenen Jahrzehnt spätestens im zweiten  Bundesliga-Jahr wieder ab.

Über allen Forderungen zur Veränderung steht weiter eine große Unsicherheit wegen Corona. Mit der schnellen Saison-Fortsetzung wurde ein Worst-Case-Szenario zunächst zwar abgewendet, doch die Gefahr ist längst nicht vom Tisch. Kann es im September mit der neuen Saison weitergehen? Muss womöglich noch einmal unterbrochen werden? Wann dürfen die Vereine wieder ihre Fans ins Stadion lassen, mit welchen Zuschauereinnahmen kann geplant werden? All diese Fragen sind offen. 

Wie in den Verhandlungen mit den aktuellen und künftigen TV-Partnern Sky, DAZN, ARD und ZDF wird es auch in den Gesprächen mit den 36 Erst- und Zweitligisten auf das Geschick von Seifert ankommen. "Ich wünsche mir, dass die Diskussionen mit Anstand und Weitblick geführt werden", sagte der DFL-Chef. "Ob man das nur daran festmachen sollte, ob jemand achtmal in Serie Meister wurde, sei mal dahingestellt. Das ist sicher nicht das einzige Kriterium." (dpa, AZ)

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