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Geburtstag

29.11.2018

Der „Knurrer aus Kerkrade“ wird 65

Huub Stevens ging seiner Arbeit als Trainer meist eher knorrig nach. Dabei steckt hinter der harten Schale ein weicher Kern.
Bild: dpa

Huub Stevens ist auf Schalke eine Legende. Er führte den Verein zu seinen größten Erfolgen und ist ihm immer noch eng verbunden. Als Trainer will er aber nicht mehr arbeiten

Auf Schalke genießt Huub Stevens Kultstatus. Sein Name ist für immer verbunden mit dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte, dem Uefa-Pokal-Triumph 1997, sowie den beiden DFB-Pokal-Siegen 2001 und 2002. „Das ist doch klar. Es ist der Verein, für den ich am längsten gearbeitet habe und mit dem ich den meisten Erfolg hatte. Natürlich denken alle sofort an den Uefa-Cup-Sieg und die Eurofighter. Aber ich habe auch viele andere Vereine trainiert und denke auch gerne an diese Zeiten zurück“, sagt Huub Stevens. Seinen 65. Geburtstag am Donnerstag will Schalkes Jahrhundert-Trainer „ganz ruhig“ verbringen, mit der Familie und Freunden daheim in seinem Haus in Eindhoven.

Seinem „Herzensklub“ ist er noch immer eng verbunden. Erst Anfang Juni wählten ihn die Mitglieder des Fußball-Bundesligisten in den Aufsichtsrat. Dort steht er dem Klub mit seiner großen Erfahrung und seiner Fußball-Kompetenz zur Seite. „Das macht auch viel Spaß“, sagt der Niederländer, gibt aber auch zu: „Mit dem operativen Geschäft hast du da nichts mehr zu tun. Das ist schon was anderes. Gleichzeitig ist es mir wichtig, Schalke etwas zurückzugeben.“

Zuweilen tauscht Stevens sich auch mit Trainer Domenico Tedesco aus. Zur aktuellen Situation darf er als Aufsichtsrat nichts sagen, nur so viel: „Man muss Geduld haben. Geduld ist ein guter Ratgeber.“

Der Eintritt ins Rentenalter bereitet dem im niederländischen Sittard geborenen Stevens keine Probleme. „Nein, mir geht es doch gut und ich habe jetzt viel mehr Zeit. Ich genieße das.“ Häufig fährt er mit seiner Frau Toos nach Berlin, wo sein Sohn Maikel mit der Familie und den beiden Enkelkindern lebt. Die zehn und sieben Jahre alten Mädchen spielen nicht Fußball. „Aber sie sind sehr sportlich, machen Hockey und Boxen“, sagt Stevens. Seine Tochter Laura wohnt ganz in der Nähe und betreibt eine private Kindertagesstätte.

Erst vor drei Wochen musste sich Stevens einer Herz-Operation unterziehen. Danach setzte ihn ein Infekt einige Tage außer Gefecht. „Jetzt geht es wieder“, erzählt er, wirkt dabei locker und zufrieden.

Seit einigen Jahren leidet er an Herz-Rhythmus-Störungen, die ihm immer mal wieder zu schaffen machen. Deswegen gab er im Februar 2016 seinen Job bei 1899 Hoffenheim auf, seiner letzten Station als Trainer. Noch einmal auf die Bank zurückzukehren, kann er sich nicht mehr vorstellen.

Wegen seiner zuweilen ruppigen und knorrigen Art bekam Stevens, der so herzhaft lachen kann, einst vom Boulevard den Spitznamen „Knurrer aus Kerkrade“ verpasst. Doch wer ihn näher kennt, weiß, dass in der harten Schale ein weicher Kern steckt. Die eigene Familie war ihm immer heilig. Als es seiner an Morbus Crohn (chronische Magen-Darm-Entzündung) leidenden Ehefrau Toos besonders schlecht ging, verlängerte er einst seinen beim Hamburger SV auslaufenden Vertrag nicht, um sich besser um sie kümmern zu können.

Ob bei Roda Kerkrade, wo der damalige Schalke-Manager Rudi Assauer den noch unbekannten Trainer im Oktober 1996 losgeeist und eine erfolgreiche Ära eingeläutet hatte, oder in Berlin, Köln, Hamburg, Eindhoven, Salzburg, Saloniki, Stuttgart oder Hoffenheim – keine dieser Stationen möchte Stevens missen. Doch das ist Vergangenheit. „Ich genieße lieber das Hier und Heute und schaue in die Zukunft.“ Aus der erfolgreichen Vergangenheit stammt allerdings Stevens einstige Fußball-Philosophie „Die Null muss stehen“. (dpa)

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