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Hannover 96

14.03.2011

Der Mann an Slomkas Seite

"Es war mein Traum, es in die Bundesliga zu schaffen" - Norbert Düwel (links) arbei tet bei Hannover 96 als Co-Trainer von Mirko Slomka.
Bild: imago

Beim Überraschungsteam der Liga ist der Bayer Norbert Düwel Co-Trainer. Er steht stellvertretend für eine neue Generation der Übungsleiter

Augsburg Bei den Schiedsrichtern der oberbayerischen Bezirksliga Süd genoß Norbert Düwel einen eher zweifelhaften Ruf. Als er vor drei Jahren noch den TSV Gräfelfing trainierte, verschaffte er seinem Unmut über dürftige Leistungen der Unparteiischen gerne lautstark Luft.

Mittlerweile schlägt sich der 43-Jährige nicht mehr mit Amateurschiedsrichtern herum, sondern mit Männern wie Manuel Gräfe oder Wolfgang Stark. Anstatt auf die vermeintlich starken Standards von Teams wie dem SC Olching bereitet er seine Spieler auf die Stärken und Schwächen von Franck Ribéry vor.

Norbert Düwel ist jetzt Co-Trainer bei Hannover 96. Er hat sich damit einen Traum erfüllt. Einen Traum, auf den er lange Zeit hingearbeitet hat. Düwel wollte schon immer in den Profifußball. Als Spieler hat es dafür nicht gereicht Er kickte in der Bayernliga für Türk Gücü München und Wacker Burghausen. Später trainierte er Mannschaften aus dem Jugend- und Amateurbereich. Neben seiner Tätigkeit als Dozent an der Fakultät für Sportwissenschaft der TU München ließ er sich zum Fußball-Lehrer ausbilden. Mit dem Zertifikat dürfte er auch den FC Barcelona trainieren. Den Sprung in die Bundesliga hat man deshalb aber noch nicht geschafft.

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Im Jahr 2006 hospitierte Düwel bei Mirko Slomka, der damals noch den FC Schalke trainierte. „Wir haben schnell festgestellt, dass unsere Vorstellungen vom Fußball fast deckungsgleich sind“, so Düwel. Schließlich haben die beiden beschlossen, dass sie bei der nächsten Station gerne zusammenarbeiten würden.

Dass es noch vier Jahre dauern sollte, war nicht abzusehen. Düwel ließ die Zeit nicht einfach verstreichen. Er schaute unter anderem bei Manchester United Alex Ferguson über die Schulter. Wenig später war er als Scout für den britischen Rekordmeister im deutschsprachigen Raum tätig.

Anfang 2010 war es dann so weit. Slomka übernahm die abstiegsgefährdeten Hannoveraner. An seiner Seite: Norbert Düwel. Seine Frau und die beiden Kinder wohnten weiterhin in München. „Mein Vertrag hat sich erst mit dem Nichtabstieg verlängert. Bis dahin wollten wir kein Risiko eingehen.“ Mittlerweile ist die Familie nach Hannover nachgekommen.

Gut möglich, dass sie noch länger in Hannover bleibt. Das einstige Durchschnittsteam nimmt Anlauf auf das internationale Geschäft. Die Partie gegen den FC Bayern am Samstag ist tatsächlich ein Spitzenspiel. Bisher wurde sein Kontrakt in Hannover aber noch nicht über das Saisonende hinaus verlängert. „Ich hoffe, dass wir uns bald einigen werden“, ist der 43-Jährige zuversichtlich. Slomka hat jedenfalls durchblicken lassen, dass er gerne weiter mit ihm arbeiten will.

Düwel steht stellvertretend für eine neue Spezies Trainer, die in die Bundesliga drängt. Gefragt sind nicht mehr Übungsleiter, die ihre Reputation aus einer eigenen aktiven Karriere ziehen. Tuchel, Slomka, Dutt, Pezzaiuoli – keine ehemaligen Stars, aber erfolgreiche Trainer. Statt charismatischer Praktiker sitzen immer mehr Fußball-Lehrer auf der Trainerbank.

In Hannover führt dieser Weg wahrscheinlich zumindest in die Europa League. Bei einem Sieg gegen die Bayern winkt sogar die Champions League. „Natürlich ist das ein besonderes Spiel für mich. Aber nicht, weil ich aus München komme, sondern weil es gegen die beste Mannschaft Deutschlands geht“, so Düwel. Die Hannoveraner werden spielen wie immer. „Laufintensiv, schnell, aggressiv“ – Dortmund light.

Düwel wird dann wieder neben Slomka sitzen. In der Bundesliga. Vor 49000 Zuschauern. Sein Traum ist in Erfüllung gegangen – und ist noch nicht vorbei.

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