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Der Nationalelf droht eine Durststrecke

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Kommentar Von Anton Schwankhart
06.03.2019

Der Neuaufbau bei der DFB-Auswahl ist wichtig. Doch der Kreis, aus dem Bundestrainer Joachim Löw schöpfen kann, ist klein.

Am Tag, nachdem der Bundestrainer den Umbau der Nationalelf mit der Abrissbirne eingeleitet und sich das Land an der Aussicht auf den Neubau berauscht hat, dürfte Ernüchterung eingekehrt sein. So richtig der Schritt war, der Auswahl ein neues Gesicht mit einer anderen Ausrichtung zu verleihen, so enttäuscht wird jeder sein, der sich auf die Suche nach den Nachfolgern für Hummels, Boateng und Müller macht.

Mag das Trio der Ausgebooteten seinen Zenit überschritten haben – die drei haben in der Blüte ihrer Karriere der Natinalelf eine Hochphase beschert. Drei Frühentwickler, die mit 21 Stützen der Nationalelf waren. Wer es schon vergessen hat: Der unorthodoxe Müller hat bei der WM 2010 ins Südafrik mit fünf Toren und drei Vorlagen den goldenen Schuh abgeräumt. Die drei dokumentierten exemplarisch, dass die meisten, die später Außergewöhnliches erreichen, bereits jung herausragend.

Wo aber sind die Frühreifen der Gegenwart, die Talente, die Lücken schließen, die 21-Jährigen, auf die sich das Land freuen darf? Natürlich, es gibt Leroy Sane. Den unberechenbaren Wirbelwind, den Löw zur WM zuhause gelassen hat, weil er es nicht riskieren wollte einen Reifeverzögerten in sein durchgetaktes Ensemble einzubauen. Sane hat in England sozial aufgeholt und ist inzwischen die größte deutsche Hoffnung auf spektakulärem Fußballer.

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Wo ist der junge Müller, der vielseitige Klose, der wuchtige Gomez?

Auch Serge Gnabry und Timo Werner versprechen das Außergewöhnliche. Alle sind zwar schon älter als 21, aber noch jung genug, um es wie Müller, auf hundert Länderspiele zu bringen. An Sane, Gnabry und Werner lässt sich allerdings auch das erste Problem der nahen Zukunft festmachen.

Was, wenn die Hochgeschwindigkeitsstürmer keinen Weg durchs Zentrum finden? Wo ist der junge Müller, der vielseitige Klose oder der wuchtige Gomez, der die Flankenläufe und Pirouetten humorlos abschließt? Wo ist die massive Variante zum leichtfüßigen Tempospiel? Wo ist der Lewandowski mit deutschem Pass? Und wer verteidigt neben Süle? Rüdiger, der Hasardeur? Oder Ginter, der Zuverlässige aber Mittelmäßige? Und außen? Schultz oder Hector?Macht keinen Unterschied. Kimmich? Sicher. Ist aber besser im Mittelfeld aufgehoben.

Wo also finden sich die Neuen? Erst einmal nicht in den Nachwuchsteams des DFB. U17 und U19 haben zuletzt enttäuscht. Sie sind Trends hinterhergelaufen, die sich überholt haben. Der Ballbesitzfußball, der spielende Mittelstürmer. Statt an den Grundlagen zu arbeiten: Beidfüßigkeit, Tempodribbling, Zweikampfverhalten. Was passiert, wenn hochveranlagte Dortmunder keine Varianten für ihr vorher erfolgreiches Spiel besitzen, ist der zeit zu besichtigen. Es geht bergab.

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Die Diskussion ist geschlossen.

07.03.2019

Neuaufbau ist immer gut und richtig. Ob das endgültige Zuschlagen von Türen jedoch richtig ist - daran habe ich meine Zweifel. Es kommt der Tag, und da bin ich mir ganz sicher, wo man froh wäre wenn man noch z.B. einen Müller in der Hinterhand hätte.

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06.03.2019

Gut analysiert!
Ausser dem letzten Satz; welche hochveranlagten jungen Dortmunder meinen Sie? In deren Startformationen gibt es ab und an mal Weigl oder Philipp, die sind doch bestimmt nicht gemeint! Reus (sofern nicht verletzt) und Götze wohl unter dem Aspekt der Jungen auch nicht. Der BVB tritt aktuell mit max 3 Spielern an, die für den DFB auflaufen können.
Den letzten Satz, Herr Schwankhart, den müssen Sie mir bitte erklären.

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