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Die Deutschen haben begeistert, aber nicht geglänzt

Kommentar Von Rudi Wais
27.01.2019

Die Spiele der DHB-Auswahl haben bei der WM Spaß gemacht. Zum Schluss bekam die Mannschaft die Grenzen aufgezeigt. In vielen Bereichen fehlt es bis zur Spitze.

Es ist, ein wenig, wie in der Politik. Auch im Handball gibt es Weltmächte, Schwellen- und Entwicklungsländer – die Weltmächte des Handballs jedoch sind heute so unspektakuläre Nationen wie Dänemark oder Norwegen, während die USA und China sich rein handballerisch auf dem Niveau von Sierra Leone, Bolivien oder Laos bewegen und die einstige Weltmacht Russland wieder zum Schwellenland geschrumpft ist. Deutschland ist im Handball, um noch kurz im Jargon der Geostrategen zu bleiben, eine anerkannte Mittelmacht. Ein Land, das immer mit am Tisch sitzt, aber nicht immer bis zum Schluss, wenn die großen, die wirklich wichtigen Entscheidungen fallen.

Das Prädikat "Weltklasse" verdient nur ein deutscher Spieler

Seien wir ehrlich: So sehr uns das deutsche Team während der WM begeistert hat, so sehr wir mit ihm gefiebert und nach dem verkorksten Halbfinale mit ihm gelitten haben - nach ganz oben fehlt noch ein Stück. Die Dänen spielen cleverer, die Norweger schneller, die Franzosen variabler – während die deutsche Mannschaft fehlende Kreativität mit den deutschen Tugenden wettzumachen versuchte: Ausdauer, Disziplin, Kraft. Mit Uwe Gensheimer hat sie nur einen Spieler, für den das Prädikat „Weltklasse“ uneingeschränkt gilt, und auch auf einer urdeutschen Position wie der des Torhüters sind andere Nationen inzwischen besser besetzt.

Auch Torhüter Andreas Wolff hat noch Luft bis zur Weltspitze

Andreas Wolff etwa, der nach eigenen Worten der beste Keeper der Welt werden will, hatte vor seinem guten Auftritt im Spiel um Platz drei gestern 35 Prozent der Bälle gehalten, die auf sein Tor kamen. Der Däne Niklas Landin lag da bereits bei knapp 40 Prozent.

Und doch hat sich Deutschland nach dem Debakel bei der Europameisterschaft mit einer Willensleistung in die Weltspitze zurück gekämpft. Das Team hat nicht so souverän gewonnen wie Dänen oder Norweger, sondern oft nervenaufreibend knapp - am Ende aber waren es gerade Herzschlag-Spiele wie das gegen Kroatien oder die Partien gegen Frankreich, die viele Deutsche plötzlich zu Handball-Enthusiasten gemacht haben. Ob diese Euphorie sich nun in mehr TV-Präsenz und einem Run auf die Handballvereine auszahlt, muss sich zeigen - die Nationalmannschaft hat das Ihre dafür getan.

Gescheitert ist sie am Ende an den eigenen Nerven. Eine Handball-Weltmacht gibt ein Spiel nicht mehr aus der Hand, wenn sie Sekunden vor Schluss selbst den Ball und die Chance auf den letzten, womöglich entscheidenden Wurf hat. Bronze für Deutschland – das wäre gefühltes Gold gewesen.

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