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Analyse

09.01.2019

Die Problemfelder des Teams

In vielen Mannschaftsteilen sind die deutschen Handballer gut aufgestellt, aber es gibt auch noch Baustellen

Ja, sie haben dieses Feuer in den Augen. Das ist allerdings auch kein Wunder. Für jeden Sportler ist eine Weltmeisterschaft im eigenen Land mit das Größte, was er erleben darf. Insofern spüren die deutschen Handballer in diesen Tagen eine große Begeisterung.

Am Dienstag sind sie in Berlin zusammengekommen. Am Donnerstag beginnt die WM mit dem Spiel gegen Korea. Dann geht es Schlag auf Schlag. Gegen Brasilien am Samstag, gegen Russland am Montag, Frankreich wartet am Dienstagabend, das Vorrundenende ist für Donnerstag angesetzt. Der Gegner heißt dann Serbien. Belegen die Deutschen einen der ersten drei Plätze, dürfen sie die Hauptrunde in Köln spielen.

Der Europameister von 2016 besitzt die Klasse, um die Vorrunde zu überstehen. Auf den Außenpositionen, am Kreis, im Tor und auf Rückraum rechts ist er hervorragend besetzt. Aber kann das Team auch gegen die Großen mithalten? Das Potenzial für große Taten ist zweifellos vorhanden. Vor allem mit dem Heimvorteil im Rücken. Aber genauso gibt es jede Menge Fragezeichen.

Christian Prokop hat ein schwieriges erstes Halbjahr 2018 erlebt. Dass seine Truppe bei seinem ersten großen Turnier als Coach der Nationalmannschaft krachend gescheitert war, haben nicht wenige dem 40-Jährigen angelastet. Zu detailverliebt, zu wenig kommunikativ, zu selten teamfähig, zu konfus auf der Bank sei er bei der EM in Kroatien gewesen. Er hat Fehler eingestanden. Ein Austausch mit Führungsspielern findet nun häufiger statt, „nachdem ich solche Gespräche zuvor unterschätzt und viel zu selten geführt hatte“, wie Prokop einräumt. Er sieht die Differenzen ausgeräumt. Auch die Spieler wollen nicht mehr zurückblicken. Sie hoben gerade in den vergangenen Tagen die gute Atmosphäre hervor. Aber hält der Frieden auch in Stresssituationen?

Es ist die Königsposition im Handball – und im deutschen Team eine Problemzone. Der Ausfall von Julius Kühn (Kreuzbandriss) wiegt schwer. Zumal Prokop es in seiner bisherigen Amtszeit noch nicht geschafft hat, Steffen Fäth so einzubinden, dass er seine Topform abruft. Beim so wichtigen Oktober-Lehrgang in Wetzlar lud der Bundestrainer Fäth zunächst nicht ein, nominierte ihn erst am vorletzten Tag nach, weil sich Tim Suton verletzt hatte. Das stärkt nicht gerade das Verhältnis zwischen Coach und Spieler. Während der WM muss er aber liefern, denn sein Pendant Fabian Böhm ließ nach gutem Saisonstart in den vergangenen Wochen merklich nach. Der Coach nennt Böhm gerne einen „Krieger“. Doch nach den jüngsten Auftritten bei den Länderspielen bestehen Zweifel, ob der 29-Jährige tatsächlich das Zeug hat, auf internationalen Niveau Akzente zu setzen. Kandidat Nummer drei im linken Rückraum ist Paul Drux. Der hatte im alten Jahr mit Verletzungen zu kämpfen, scheint aber rechtzeitig fit zu sein.

Es ist die meist diskutierte Personalie im deutschen Aufgebot: Im Herbst entschloss sich Prokop dazu, Martin Strobel zurückzuholen, und stellte ihm einen Freifahrtschein für die WM aus. Problem: Der 32-Jährige spielt seit eineinhalb Jahren nur in der 2. Liga. Immerhin steht er mit HBW Balingen/Weilstetten an der Tabellenspitze. Doch reicht die Klasse des Europameisters von 2016 noch aus, um international auf Top-Niveau mitzuhalten? Doch der Bundestrainer schätzt die strategischen Fähigkeiten des Schwaben, dazu seine Passgeschwindigkeit. Er soll den reinen Spielmacher mimen.

Fünf Länderspiele bestritt die Auswahl in dieser Saison – fünf Mal gewann sie deutlich. Doch die Gegner hießen Israel, Kosovo, Polen, Tschechien und Argentinien. Das alles waren keine Gratmesser. Die letzte Partie gegen einen Top-Gegner fand im Juni in München gegen Norwegen statt. Allerdings zu einem höchst unglücklichen Zeitpunkt – direkt nach Rundenende der Bundesliga. Da krochen alle Akteure auf dem Zahnfleisch. Insofern war das 25:30 ein Muster ohne Wert. Wo also steht die deutsche Nationalmannschaft?

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