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Bayern Münchens Pokalpleite

05.03.2009

Die Ruhe vor dem Sturm - Wackelt jetzt Klinsi?

Frust pur: Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann während dem Spiel gegen Leverkusen.

Bayern München verlor gestern nicht nur gegen Leverkusen, sondern auch den ersten Titel. Trainer Jürgen Klinsmann war die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Ab jetzt darf er sich keine Fehler mehr leisten. Von Niko Steeb

Von Niko Steeb (AZ) - Nach dem Abpfiff trat der sichtlich gezeichnete Jürgen Klinsmann vor die Kameras der ARD. Er wollte lächeln, der Sunnyboy, doch so recht gelang es ihm nicht. Zu tief saß der Frust über die 2:4-Niederlage im Viertelfinale des DFB-Pokals bei Bayer Leverkusen.

Und zu groß war seine Enttäuschung über die Mannschaft, die bis zu 70. Minute nur körperlich auf dem Platz zu sein schien. Teilweise wirkte es, wie wenn die Bayern-Spieler gegen ihren Trainer spielten. Klinsmann nahm die Mannschaft dennoch in Schutz: "Es hilft jetzt nichts, auf die Jungs draufzuhauen. Eine Stunde lang hat bei uns was gefehlt." Als durch die Mannschaft ein Ruck ging und Lucio in der 72. Minute nach Torwartfehler von René Adler unbedrängt einköpfte, war es aber schon zu spät. Leverkusen führte bereits nach Treffern von Barnetta (54. Minute), Vidal (60.) und Helmes (70.) mit 3:0. Die furiose Aufholjagd endete in der Nachspielzeit, als Stefan Kießling nach einem Konter das Aus der Bayern endgültig besiegelte. Der zwischenzeitliche Anschlusstreffer zum 2:3 (74.) von Miroslav Klose fiel nicht mehr ins Gewicht.

Kritik ist Klinsmann gewöhnt. Seit seinem Amtsantritt muss er seine Reformen rechtfertigen. Nach einem angeblichen Spieleraufstand vor dem Lissabon-Spiel änderte er aber sogar seine Taktik und ließ die Mannschaft defensiver spielen - ohne Erfolg. Stellt sich also die Frage, was vom Projekt Klinsmann noch übrig ist. Bayern München spielte am Mittwoch eher wie unter Ottmar Hitzfeld, als wie die großen Vorbilder aus England und Spanien. Keine steilen Pässe und kein One-Touch-Fußball - stattdessen etliche Quer- und Rückpässe.

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Wenn Klinsmann im Bayern-System nicht mehr die Akzente setzt und sein Anteil schrumpft, ist sein Projekt vielleicht noch nicht gescheitert, aber zumindest auf dem Abstellgleis. Er war angetreten, alle Spieler zu verbessern. Davon war in dieser Saison selten etwas zu sehen. Vielmehr laufen die meisten ihrer Form hinterher: Schweinsteiger saß nur auf der Bank, Podolski ist auf dem Sprung von der Bank nach Köln, Toni Kroos wurde nach Leverkusen ausgeliehen und die "argentinische Bulldoge" Martin Demichelis gleicht derzeit eher einem streunenden Pudel. Klinsmann hat sich von den jungen Spielern verabschiedet und setzt auf arivierte Kräfte und Sicherheit.

Bayern, so schien es, wollte nicht verlieren und Leverkusen wollte gewinnen. Die jungen Spieler der Bayer-Elf brannten in der ersten Halbzeit und liefen, als ob es um ihr Leben ginge, wie auch Bayer-Trainer Labbadia konstatierte: "Wie haben eine unglaublich junge Mannschaft mit großem Potenzial." Während sich die Leverkusener Spieler lange nach Spielschluss noch von ihren Fans feiern ließen, waren von aufgebrachten Bayern-Fans am Mannschaftsbus schon die ersten "Klinsmann raus!"-Rufe zu hören.

Wenn an Uli Hoeneß' Gesichtsfarbe der Ernst der Lage ablesbar ist, muss sich Klinsmann ernsthaft Sorgen machen, auch wenn seine Analyse nüchtern ausfiel: "Wir müssen die Mannschaft jetzt wieder so nach vorne bringen, dass wir unsere Ziele in der Bundesliga und Champions League erreichen." Und genau das ist Klinsmanns Problem: Der vermeintlich leichteste Titel ist schon weg. Die Champions League scheint schwer zu gewinnen, da darf das 5:0 gegen Lissabon nicht blenden. Und in der Bundesliga sind mittlerweile vier andere Mannschaften vor den Bayern.

Die Boulevard-Blätter sehen Klinsmann bereits auf der Abschussrampe. Doch noch herrscht die Ruhe vor dem Sturm. Selbst bei einer Niederlage zuhause gegen Hannover am Samstag, dürfte er Trainer bleiben. Eng wird es aber, wenn die Mannschaft weiter lustlos spielt und keine Serie startet.

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