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Fußball

13.10.2019

Die türkische Nationalelf jubelt für das Militär

Kurz vor Schluss erzielte Cenk Tosun (vierter von links) den türkischen Siegtreffer gegen Albanien. Zusammen mit seinen Mitspielern feierte er das Tor mit einer militärischen Geste.
Bild: Mahmut Burak Burkuk, Imago

Nationalspieler der Türkei feiern ein Tor mit einem "Gruß an das Militär". Auch bei der Turn-WM sorgt ein Türke damit für Aufsehen. Die Uefa ermittelt.

Aus rein sportlicher Sicht ist die Lage der türkischen Fußball-Nationalmannschaft bestens: In der EM-Qualifikationsgruppe führt das Team die Gruppe H punktgleich mit Weltmeister Frankreich an – dank eines späten Tors von Cenk Tosun gegen Albanien am Freitagabend. In der 90. Minute traf der Stürmer zum 1:0. Was direkt danach geschah, sorgte für Aufsehen: Der in Deutschland geborene Tosun, der als Vertrauter des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan gilt, feierte seinen Treffer zusammen mit einigen Mitspielern mit einem Militärgruß.

Die türkische Armee hatte unter der Woche in Nordsyrien eine Militäroffensive gestartet, um dort gegen die Kurden vorzugehen – ein Vorgehen, das international für Empörung gesorgt hatte. Die Arabische Liga sprach gar von einer "Invasion in das Land eines arabischen Staates und ein Angriff auf seine Souveränität".

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Von einem einmaligen, aus der Emotion geborenen Ausrutscher kann man nur schwer sprechen: Nach dem Spiel veröffentlichte die türkische Nationalmannschaft zudem noch ein Foto auf ihrem Twitter-Account. Darauf zu sehen sind Spieler und Betreuer in einer ähnlichen Pose wie die Nationalspieler beim Jubel. Der Sieg sei "den tapferen Soldaten und Märtyrern" gewidmet, die gerade im Einsatz für das Land sind, heißt es im Tweet.

Für Aufregung sorgte auch die Reaktion von Ilkay Gündogan und Emre Can auf das Jubelfoto. Die deutschen Nationalspieler hatten bei Instagram das Foto mit einem sogenannten Like versehen. Gündogan und Can nahmen ihre Likes bei Instagram später wieder zurück. Er habe gehandelt, „ohne jegliche Intention und auf den Inhalt zu achten“, sagte Can der Bild und fügte hinzu: „Ich bin ein absoluter Pazifist und gegen jede Art von Krieg.“ Gündogan betonte, er habe sein Like für das umstrittene Bild „bewusst zurückgenommen“, als er gesehen habe, dass seine Reaktion „politisch gewertet wurde. Wahr ist, dass ich mich für meinen ehemaligen Teamkollegen aus der DFB U21 gefreut habe, dass er das Siegtor gemacht hat.“

Die Uefa untersucht den Fall - und erntet Kritik von türkischen Medien

Der Fall des türkischen Jubels beschäftigt mittlerweile auch den europäischen Fußballverband Uefa. Nach deren Regularien sind politische Äußerungen während des Spiels streng verboten. Philip Townsend, der Pressechef der Uefa, sagte der italienischen Nachrichtenagentur Ansa, dass er die Geste selbst zwar nicht gesehen habe, sie aber zweifellos als Provokation gedeutet werden kann. Weil politische Äußerungen nicht erlaubt sind, "werden wir dem Verdacht definitiv nachgehen", so Townsend. Während des Wochenendes gab die Uefa vorerst keine Stellungnahme ab. In den mehrheitlich staatstreuen türkischen Medien wurde der Kontinentalverband für die Kritik an der Jubelgeste aber scharf kritisiert.

Laut des Nationaltrainers der Türkei, Senol Günes, hatte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nach Spielende in der Kabine angerufen, um der Mannschaft zum Sieg zu gratulieren. Günes bedankte sich öffentlich dafür und sagte im türkischen TV: "Wir sind bereit, Soldaten zu sein." Emre Belözoglu, der Kapitän der türkischen Nationalmannschaft, fügte an: "Unsere Gebete sind mit den Soldaten. Möge Gott sie siegreich sein lassen."

Der Jubel von Tosun und seinen Mitspielern war nicht der einzige Vorfall dieser Art. Bei der Turn-WM in Stuttgart hatte Ibrahim Colak am Samstag an den Ringen den historischen ersten Titel seines Landes geholt. Bei der Siegerehrung hatte er ebenfalls den Gruß gezeigt. Und beim FC St. Pauli hat sich Stürmer Cenk Sahin in einem Instagram-Post mit der türkischen Armee solidarisiert. Während der Verein sich distanziert, fordern die Fans des Klubs den Rauswurf Sahins.

Am Montagabend könnte der Sport im türkischen Verband wieder im Vordergrund stehen: In Paris tritt das Team gegen Frankreich an.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Die Uefa muss den türkischen Verband bestrafen

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