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Dopingkontrollen heutzutage sind oft nicht mehr als Augenwischerei

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Kommentar Von Andreas Kornes
07.11.2019

Naiv ist, wer glaubt, Spitzensport sei ohne Doping zu haben. Das Thema nervt. Besserung ist nicht in Sicht, denn viele Funktionäre haben kein großes Interesse daran.

Im Wesentlichen gibt es drei Gruppen von Menschen, wenn es um das Thema Doping geht. Die beiden größten sind artverwandt: Fatalisten und Ignoranten. Die einen sagen, dopen doch eh alle – also, was soll’s? Die anderen sagen gar nichts – und setzen sich brav vor den Fernseher, wenn hoch trainierte Athleten um die Wette laufen, springen oder schwimmen.

Beide Reaktionen auf dieses unerfreuliche Thema sind nachvollziehbar. Sport dient dem leichten Teil des Lebens. Unterhaltung, Ablenkung, Spaß. Das Thema Doping macht keinen Spaß. Es ist anstrengend. Es nervt. Wer einen Porsche fährt, will schließlich auch nicht so genau wissen, was hinten aus dem Auspuff kommt. Doping und Sport stehen in einer ähnlichen Beziehung wie CO2 und Klima. Das eine macht das andere kaputt. Immer kleiner wird die Gruppe derer, die die Hoffnung auf einen sauberen Sport nicht aufgibt. Sie klammert sich an Institutionen wie die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), die gerade ihr neues Regelwerk verabschiedet hat. Stärker und robuster sei dieses nie gewesen, sagen die, die es ausgearbeitet haben. Vermutlich haben sie herzlich gelacht in Russland, Kenia, China und einigen anderen Ecken der Welt.

Wie soll dopingfreier Sport gelingen?

Wer wissen will, wie stumpf das Schwert der Dopingjäger ist, dem sei das Buch „Feinde des Sports“ von Hajo Seppelt ans Herz gelegt. Der Journalist hat unter anderem den staatlich orchestrierten Sportbetrug in Russland aufgedeckt. Dabei hatten sich Seppelts Informanten zuerst an die Wada gewandt, waren aber nicht gehört worden.

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Seppelt blickt hinter die glitzernde Fassade des Sports. Wer liest, was er dort findet, und dann das Versprechen der Wada hört, die das Recht der Athleten auf einen dopingfreien Sport mit Chancengleichheit sichern will, der muss zwangsläufig zweifeln. Wie soll das gelingen?

Dopingkontrollen heute sind nicht mehr als Augenwischerei

Klar ist, dass Dopingkontrollen, so wie sie heute organisiert werden, Augenwischerei sind. 2017 waren von weltweit mehr als 200.000 Tests weniger als ein Prozent positiv. Das passt nicht zu mehreren seriösen Studien und anonymen Umfragen unter Spitzensportlern, die beispielsweise in der Leichtathletik einen Anteil von bis zu 45 Prozent gedopter Athleten nahelegen. Die Kontrollen dienen Verbänden und Funktionären als Feigenblatt, hinter dem sie sich und die Vermarktung ihrer Sportarten verstecken können. Frei nach dem Motto: Seht her, wir machen doch was. Ab und zu wird dann sogar einer erwischt. Gefolgt vom Chor derer, die das als Beleg für die Wirksamkeit des Kampfes bezeichnen.

Ein Blick auf das Budget der Wada lässt die Wahrheit erahnen. Rund 36 Millionen Euro stehen den Dopingjägern der Wada pro Jahr zur Verfügung. Dazu kommen in Deutschland knapp zehn Millionen Euro, über die die Nationale Anti-Doping Agentur 2018 verfügen konnte. Zum Vergleich: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) nahm im vergangenen Olympia-Zyklus von 2013 bis 2016 rund 4,8 Milliarden Euro ein. Tendenz stark steigend. Dieses Verhältnis sagt viel darüber aus, welchen Stellenwert der Anti-Doping-Kampf im IOC hat. Warum sollte es auch sein lukratives Geschäftsmodell kaputt machen durch allzu eifriges Schnüffeln?

Whistleblower sind die wirksamste Waffe im Kampf gegen Doping

Wer die Hoffnung auf einen sauberen Sport nicht verlieren will, muss sich an Kleinigkeiten aufrichten. An der neuen Regel im Wada-Code zum Beispiel, die Whistleblower schützen soll. Immerhin basieren alle großen Enthüllungen der vergangenen Jahre auf Informationen von Insidern. Sie sind die wirksamste Waffe im Anti-Doping-Kampf. Das hat sich nun also tatsächlich auch bis zur Wada durchgesprochen. Manchmal sind sich Hoffnung und Zynismus sehr nah.

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