Newsticker
Gesundheitsminister entscheiden: Biontech oder Moderna für Zweitimpfung nach Astrazeneca
  1. Startseite
  2. Sport
  3. Drogba und Hurst: Für Sühne ist es nie zu spät

Drogba und Hurst: Für Sühne ist es nie zu spät

Kommentar Von Tilmann Mehl
27.01.2020

Der FC Chelsea hat 2012 den Champions-League-Titel aus München geraubt. Eine Amerikanerin hat nun gezeigt, dass es nie zu spät ist, Fehlern zu bereuen.

Selbstverständlich ist es eine Frau, die Hoffnung dorthin zurückbringt, wo sie schon aufgegeben worden war. Männer mögen viele Vorzüge haben. Sie sind leicht zu erfreuen. Ein aus zwei Metern Entfernung im Mülleimer versenktes Taschentuch kann zu euphorischen Begeisterungsstürmen führen. Wer einmal einen Mann dabei beobachtet hat, wie er sich eine Träne aus den Augen wischt, weil Rocky im gleichnamigen Film Apollo Creed die Visage blutig boxt, weiß: Männer sind sensibel.

Was Männer nicht sind: einsichtig. Die Fähigkeit, einen Fehler einzugestehen, ist nur den wenigsten zu eigen. Kein Wort des Bedauerns beispielsweise von Bonanno Pisano. Dabei hatte der Architekt des Turms in Pisa sicherlich gemerkt, dass sich der Bau gefährlich zur Seite neigte.

Eine Frau aber zeigte nun, dass es sich auch lohnt, noch spät zu den Fehlern der Vergangenheit zu stehen. Eine US-Amerikanerin namens Celeste schickte einen 1965 entwendeten Krug nun zurück an das Münchner Hofbräuhaus. Ihre Tat sei „wild, rücksichtslos und unbedacht“ gewesen. Der heutige Wirt der Gaststätte verzeiht ihr den Frevel. Das wiederum sollte Anreiz für Nachahmer sein. Auch – und vor allem Männer – sollen sich aufgefordert fühlen.

Geoff Hurst darf auf Absolution hoffen, wenn er den WM-Pokal von 1966 an das deutsche Fußball-Museum in Dortmund schickt. Der Erfolg der Engländer im Finale damals war nichts anderes als Diebstahl. Gleiches trifft auf den Champions-League-Sieg des FC Chelsea 2012 zu. Ein bisschen Bedauern von Didier Drogba („wild, rücksichtslos, unbedacht“) – und die FC Bayern würden für den geraubten und zurückgesandten Henkelpokal anstandslos eine Vitrine freiräumen.

Es wird auch dem verziehen, der spät Reue zeigt. Eine Frau bringt Hoffnung – Männer aber werden sie wohl enttäuschen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren