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Schwimmen

04.09.2020

Durch die Corona-Krise lernen tausende Kinder nicht schwimmen

Kinder, die das Schwimmen gelernt haben, bekommen nach der bestandenen Prüfung das Seepferdchen überreicht. In diesem Jahr wird das allerdings nur sehr selten der Fall sein.
Bild: dpa

Plus Corona hat den Ausbildungsbetrieb lahmgelegt. Die Bäder öffnen nur zögerlich. Tausende Kinder machen heuer nicht das Seepferdchen. Der Jahrgang scheint verloren.

Wenn Freibadsaison und Sommerferien zu Ende gehen, beginnen in den Hallenbädern die Schwimmkurse. Kinder zwischen vier und sechs Jahren lernen dann das Schwimmen. Normalerweise. In diesem Jahr ist alles anders. Bäder bleiben coronabedingt entweder ganz geschlossen oder dürfen nur unter strengen Hygieneauflagen genutzt werden. Anfängerkurse sind so zu einem raren Gut geworden. Schwimmvereine, DLRG, Wasserwacht und private Schwimmschulen sind die wichtigsten Anbieter. Alle stehen vor riesigen Problemen. Durch Corona hat allein die DLRG deutschlandweit bislang mindestens 20.000 bis 30.000 Kindern das Schwimmen nicht beibringen können. Die Wartelisten quellen allenthalben über.

Die Schwimmvereine stehen vor einer existenziellen Krise

Harald Walter, Präsident des Bayerischen Schwimmverbands, sieht viele Vereine vor einer existenziellen Krise. Denn sie schöpfen aus den Schwimmkursen ihren Nachwuchs. Zudem spülen sie Geld in die meist klammen Vereinskassen. Momentan könnten sie aber ihren gesellschaftlichen Auftrag nicht erfüllen, nämlich Kindern das Schwimmen beizubringen. „In Bayern hatten wir ja schon vor Corona immer lange Wartelisten. Weil es zu wenige Wasserflächen gibt, da die Kommunen sparen. Stichwort Bädersterben. Es gibt immer mehr Nichtschwimmer. Und wenn ich dieses Jahr sehe, dann fällt uns ein Jahrgang Schwimmer komplett aus.“

Der Deutsche Schwimmverband habe in den vergangenen 18 Jahren rund 80.000 Mitglieder und 220 Vereine verloren, sagt Walter. Grund ist, dass es immer weniger Wasserflächen gibt. Laut DLRG haben seit dem Jahr 2002 rund 1400 der deutschlandweit 7700 Bäder geschlossen. Diese sind meist defizitär und eine freiwillige Leistung. Der Sanierungsstau liege bei 4,5 Milliarden Euro.

Problem: Viele Vereine haben keine eigenen Sportstätten

„Das große Problem des Schwimmsports ist, dass er keine eigenen Sportstätten hat“, sagt der BSV-Präsident. Denn selbst wenn es nächstes Jahr keine Probleme mehr mit Corona geben sollte, „haben wir einfach zu wenig Wasserflächen. Dazu kommt nun ein ganzer zusätzlicher Jahrgang, der das Schwimmen nicht gelernt hat. Das ist fast nicht zu schaffen.“

Die Vereine stehen also vor einer Herkulesaufgabe. Wolfgang Baiter ist Schwimmwart des Bezirks Schwaben. In seinem Heimatverein SB Delphin Augsburg soll es zwar Schwimmkurse geben, allerdings sind die Voraussetzungen alles anders als optimal. Baiter hat einen Hygieneplan für Vereine geschrieben, den diese dann an ihre Bedürfnisse anpassen können. Aber: „Es gibt viele Vereine, die noch nicht anfangen, weil es zu schwierig und aufwendig ist“, sagt Baiter.

Die Hygienekonzepte machen Hoffnung, dass Schwimmkurse stattfinden können

Immerhin sei es nun doch nicht nötig, dass ein Elternteil mit ins Wasser muss, während der Übungsleiter von außerhalb des Beckens Anweisungen gibt. In ersten Entwürfen des Konzepts hatte dieses Szenario noch gedroht. Was sich nicht verhindern lasse, sei jedoch, so Baiter, dass die Kurse aufgrund der reduzierten Teilnehmerzahlen doppelt so lange dauern werden.

Den privaten Anbietern hat Corona wirtschaftlich schwer zugesetzt. Durch die Schließung der Bäder brach deren Geschäftsmodell zwischenzeitlich in sich zusammen. Die Schwimmschule Wassermäuse zum Beispiel hat bayernweit 43 Standorte, momentan seien gerade mal fünf davon wieder nutzbar, sagt Büroleiterin Adrienne Trnka. Die Kurse seien zudem kleiner. „Viele Eltern haben leider nicht die Chance, ihre Kinder anzumelden.“

Hilferuf des Bayerischen Schwimmverbands: Vereine brauchen mehr Fläche

BSV-Präsident Walter richtet deshalb einen Hilferuf an die Politik: „Der Freistaat Bayern und die Kommunen müssen das Interesse haben, dass die Zahl der Badetoten nicht noch weiter zunimmt. Deswegen brauchen die Vereine mehr Wasserflächen.“ Die Betriebsschließzeiten der Bäder müssten überprüft werden, ob nicht zusätzliche Zeiten für Schwimmkurse angeboten werden können. „Wir brauchen flexible Lösungen. Die Bäder müssen aufmachen. Wir sind systemrelevant, manchmal sogar überlebenswichtig. Wir brauchen dringend eine finanzielle Unterstützung für die Kommunen, dass sie ihre Bäder öffnen.“

Und auch die Vereine bräuchten Hilfe, denn im Herbst stünden nun doppelt so viele Kinder auf den Wartelisten. Aufgrund der Hygienebestimmungen würden die Gruppen in den Kursen, so sie denn stattfinden, aber sehr viel kleiner werden. Walter: „Das macht alles teurer. Ich müsste als Verein ja das Doppelte verlangen, denn die Übungsleiter und Wasserflächen müssen weiterhin bezahlt werden.“ So wie die Kitabeiträge vom Freistaat übernommen wurden, müsste man nun darüber nachdenken, ob der Freistaat eine Möglichkeit sehe, die Vereine bei den Anfängerkursen zu unterstützen.

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Die Diskussion ist geschlossen.

04.09.2020

Falsch! Nicht wegen Corona, sondern wegen des Unwillens der Obrigkeit. Und die Erziehungsberechtigten könnte man auch mal stärker in die Pflicht nehmen.

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04.09.2020

Wieso? Dafür gibt's bestimmt eine App. Frage mich für was Eltern noch da sind?

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