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EM 2016
10.06.2016

EM-Fans zwischen Streiks, Müllbergen und Sicherheitskräften

Polizisten sichern ein Fanfest in Nizza.
Foto: Sebastien Nogier/dpa

Seit Wochen gibt es in Frankreich Streiks wegen der neuen Arbeitsreform und auch während der EM wollen die Gewerkschaften nicht aufhören. Was die Fans sonst noch erwarten dürfen.

In Frankreich gibt es seit Wochen Streiks und Proteste unter anderem gegen die umstrittene Arbeitsmarktreform der Regierung. Derzeit ist davon vor allem der Bahnverkehr betroffen. Die französische Regierung hat unmittelbar vor Beginn der Fußball-Em im eigenen Land eine harte Haltung gegen streikende Bahnmitglieder angekündigt. Es werde "keine neuen Verhandlungen" und "keinerlei Toleranz" bei Blockaden von Bahngleisen geben, sagte Verkehrsstaatssekretär Alain Vidalies am Freitag im Sender Europe 1. Er versprach, trotz des Bahnstreiks würden alle 80.000 Zuschauer der Eröffnungspartie Frankreich gegen Rumänien zum Stade de France in der Pariser Vorstadt Saint-Denis gebracht.

Von den Streiks bei der Staatsbahn SNCF sind auch Vorstadtzuglinien betroffen, die die Pariser Innenstadt mit dem Stade de France verbinden. Die Regierung setzt deswegen Sonderzüge ein. Notfalls würden streikende Lokführer zum Dienst verpflichtet, sagte Vidalies und wiederholte damit eine Drohung von Premierminister Manuel Valls. Blockaden von Bahngleisen würden "strafrechtliche und disziplinarische" Konsequenzen haben, warnte der Verkehrsstaatssekretär.

Der Streik bei der SNCF sorgte am Freitag den zehnten Tag in Folge zu erheblichen Behinderungen im Schienenverkehr. Nicht nur wegen der Arbeitsreform streiken die Bahnmitarbeiter, auch  gegen eine neue Arbeitszeitregelung.

Stehende Züge in einem Bahnhof in Paris: In Frankreich stoppen Streiks erneut den Bahnverkehr.
Foto: Yoan Valat/Archiv/dpa

Müllberge auf den Straßen Paris'

Aus Protest gegen die Arbeitsmarktreform wird auch bei der Pariser Müllabfuhr gestreikt. Weil Mülltonnen in einigen Stadtteilen nicht mehr geleert wurden, quollen die Tonnen über, Mülltüten türmten sich am Straßenrand. Am Freitag wurden die Tonnen aber wieder geleert. Das Pariser Rathaus griff dabei auf Privatunternehmen zurück, die bereits in der Hälfte der Pariser Bezirke für die Müllentsorgung zuständig sind. "Der ganze Müll wird eingesammelt", versprach Bürgermeisterin Anne Hidalgo  im Sender RMC. Bis zur Rückkehr zur Normalität würden aber "natürlich einige Tage vergehen".

Der Müll hat sich in den letzten Tag angehäuft in Paris.
Foto: Jeremy Lempin/dpa

Die französische Regierung befürchtet einen gewaltigen Imageschaden durch die Streiks während der Fußball-EM, bei der rund zwei Millionen Besucher aus dem Ausland erwartet werden. Für den Präsidenten des EM-Organisationskomitees, Jacques Lambert, hat Frankreichs Ansehen bereits Schaden genommen: "Dieses Bild wollten wir nicht abgeben", sagte er dem Sender France Inter. Auf die Frage, ob die Streiks das Fußballfest verderben könnten, antwortete Lambert, dies sei bereits der Fall.

Auch die Piloten werden während der EM streiken

Am Samstag beginnt zudem ein viertägiger Pilotenstreik bei der Fluggesellschaft Air France. Die Konzernleitung erklärte am Freitag, mehr als 80 Prozent der Flüge seien sichergestellt. An dem Streik wird sich voraussichtlich rund jeder vierte Pilot beteiligen. Die Anreise der deutschen Nationalmannschaft zu ihrem ersten Gruppenspiel bei der Europameisterschaft in Frankreich wird sich nach Angaben des Deutschen Fußball-Bundes wegen erwarteter Streiks nicht verzögern. Der Flieger werde planmäßig abheben, hieß es von Seiten des DFB am Freitag. Mögliche Streiks würden nicht die Mannschaft betreffen. Die deutsche Auswahl soll am Samstagvormittag Richtung Lille abheben. Dort steht am Sonntag um 21.00 Uhr das erste Gruppenspiel gegen die Ukraine an.

Die Air France stehen ab Samstag für vier Tage.
Foto: Etienne Laurent/dpa

Die Regionalzeitung "Le Courrier de l'Ouest" aus dem westfranzösischen Angers kritisiert die Gewerkschaften für die Streiks, die Frankreich zum Auftakt der Fußball-EM weiter fest im Griff haben: "Die radikalsten unter den Gewerkschaften halten den Druck aufrecht - egal, was die Folgen für das Ansehen unseres Landes sind. Sie heucheln Wut vor, so als wären sie die Vertreter der Verdammten dieser Welt. Zwischen Sozialguerilla und Erpressung verteidigen sie aber doch nur Einzelinteressen - in erster Linie ihre eigenen." Präsident François Hollande hatte zuletzt mit Blick auf die EM ein Ende der Streiks gefordert und an die Verantwortung der Kritiker appelliert.

Intensive Kontrollen rund um das Eröffnungsspiel

Um das Stade de France in Saint-Denis und die Fanmeile am Eiffelturm waren intensive Kontrollen vorgesehen. Zum Eröffnungsspiel zwischen Frankreich und Rumänien sollten am Abend 80 000 Menschen ins Stadion kommen. Nahe der Fanmeile direkt zu Füßen des Eiffelturms waren bereits am Nachmittag erste Gruppen von Fans aus Rumänien und Frankreich zu sehen. In dem streng gesicherten Areal werden an Spieltagen jeweils rund 90 000 Menschen erwartet. 

Auf Straßen und Plätzen patrouillierten auch am Freitag Polizeikräfte, öffentliche Gebäude wurden überwacht. Auch Militärtrupps gehören seit den Terrorattacken vom vergangenen Jahr zum Alltagsbild von Paris und anderen französischen Städten. Insgesamt sollen rund 90 000 Kräfte von Polizei, Gendarmerie, Militär, Zivilschutz und Feuerwehr die Euro 2016 schützen. Darunter sind auch etwa 13 000 private Sicherheitskräfte für die Visitationen an Stadien und Fanmeilen. 

Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen rund um die EM-Spiele.
Foto: Christophe Saidi/dpa

Seit der Anschlagserie vom 13. November 2015, die vor dem Stade de France begann, gilt in Frankreich ein Ausnahmezustand mit umfassenden Sonderrechten für die Sicherheitskräfte. Vor der EM haben zahlreiche Geheimdienste vor Anschlägen in Frankreich gewarnt. Allerdings wurde übereinstimmend angegeben, es gebe keine Hinweise auf konkrete Pläne

Auch Bundespräsident Gauck sorgt sich um Sicherheit bei der EM

Bundespräsident Joachim Gauck sorgt sich ebenfalls um die Sicherheit bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. "Wenn ich an die EM denke, habe ich natürlich, wie viele Menschen in Europa, auch Sorgen. Sorgen, dass dieses friedliche Fest gestört werden könnte", sagte Gauck am Freitag bei einem Termin in Bonn.

"Unsere Nachbarn haben bittere Erfahrungen sammeln müssen und sind sicher auch sehr aufgeregt. Sie haben sehr viel investiert, um Sicherheit zu garantieren", sagte Gauck mit Blick auf das Ausrichterland Frankreich. "Das ist mein erster Gedanke. Also ich denke jetzt gar nicht zuerst an den Erfolg unserer Mannschaft. Die sind Weltmeister, und da muss ich mir nicht so große Sorgen machen."

Gauck denke vielmehr daran, "dass es Menschen gibt, die anderen Menschen Leid zufügen wollen. Und ich wünsche unseren französischen Nachbarn, dass alle ihre schönen Pläne auch zu einem schönen Ende führen."

500 Wachleute plus Polizei bei Fanmeile am Brandenburger Tor

Für die Fußball-Fanmeile am Brandenburger Tor in Berlin gelten wegen der Terrorgefahr wie zuletzt bei der Silvesterfeier erhöhte Sicherheitsvorkehrungen. Bis zu 500 Wachleute werden während der Übertragungen der Europameisterschafts-Spiele die Zugänge zur Fanmeile und das Gelände selber beobachten. Das kündigten Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) und der Veranstalter Willy Kausch am Freitag bei einem Besichtigungstermin am Brandenburger Tor an.

Public Viewing am Brandenburger Tor in Berlin: Mit 500 Wachleuten plus Polizei soll für die Sicherheit gesorgt werden.
Foto: Marcel Mettelsiefen/dpa/Archiv

Dazu kommen 180 Sanitäter und Notärzte des Deutschen Roten Kreuzes. Außerdem viele Polizisten, die zum Teil an den Eingängen stehen, sowie Zivilpolizisten, die in der Menschenmenge unterwegs sind, auch um sexuelle Übergriffe zu vermeiden. Die Zahl der Polizisten wurde nicht öffentlich bekannt. Die Fanmeile wird seit Donnerstag aufgebaut. Eröffnung ist Sonntagmittag. dpa/afp

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