Newsticker

Macron verkündet zweiten Lockdown für Frankreich
  1. Startseite
  2. Sport
  3. Ein HSV-Abstieg wäre auch für Hamburg fatal

Relegation

28.05.2015

Ein HSV-Abstieg wäre auch für Hamburg fatal

Der Fanshop-Betreiber Berti Bober verkauft Fan-Artikel der Fußballvereine FC St. Pauli und Hamburger SV. Ein Abstieg des HSV hätte für Club und Stadt schwerwiegende Folgen.
Bild: Axel Heimken/dpa

Der Hamburger SV kämpft um den Verbleib in der Bundesliga. Ein Abstieg wäre aber nicht nur für Verein fatal, auch die Stadt selbst müsste einen Image- und Finanzverlust befürchten.

Für Fanshop-Betreiber Berti Bober sind Artikel mit HSV-Raute ein Auslaufmodell. "Der Verkauf mit Fan-Artikeln ist fast auf null", sagt der Geschäftsinhaber in Kaltenkirchen bei Hamburg. Er denkt schon darüber nach, das Sortiment gänzlich rauszuschmeißen.

Vielleicht behält er eine blaue Kaffeetasse als Erinnerung an bessere Fußball-Zeiten, denn es drohen Provinz-Partien statt Prestige-Duellen. Ob HSV-Artikel einen Aufschwung erleben, entscheidet sich in der Relegation gegen Karlsruhe. Ein HSV-Abstieg wäre auch für die Stadt ein herber Imageverlust.

"Erfolgreiche Fußballvereine sind aufgrund ihrer medialen Reichweiten die stärksten Visitenkarten einer Stadt", sagt Raphael Brinkert, Werbechef der Agentur Jung von Matt/Sports (Konzipierten zum Beispiel die DFB-Kampagne "Unsere Amateure. Echte Profis."). Henning Vöpel, der Sportökonom des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), mahnt: "Ein sofortiger Wiederaufstieg ist kein Selbstgänger."

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Das weiß auch der Kiezclub auf St. Pauli, einst Bundesligist, nur zu gut: Er musste nach dem Bundesliga-Abstieg 2011 in dieser Saison sogar um das Überleben in der zweiten Bundesliga kämpfen, in der er sich knapp halten konnte.

Steigt der HSV ab, stehen Hanseaten vor einem Dilemma

Doch der FC St. Pauli kann sich mit seinem Alternativ-Image seit Jahrzehnten auf seine Anhänger verlassen. "Starken Sportmarken gelingt es, sich temporär vom sportlichen Erfolg zu entkoppeln. Die größte Herausforderung besteht darin, sich auch in schlechten Zeiten treu zu bleiben und seine Ideale nicht zu verraten", ergänzt der Werbefachmann. 

Die sportliche Perspektive des HSV ist eng verknüpft mit der desolaten finanziellen Situation des verschuldeten Nordclubs. Sollten die Hanseaten absteigen, stehen sie vor einem Dilemma. "Der HSV trifft in der zweiten Liga auf Vereine wie RB Leipzig, die eine eingespielte Mannschaft und durch Investoren Geld in der Kasse haben", sagt Vöpel. Die Hamburger müssten zur Deckung des Zweitliga-Etats Spieler verkaufen, brauchen aber ein schlagkräftiges Team. 

Ein Abstieg in die zweite Liga hätte für das Team von Bruno Labbadia dramatische Folgen - aber auch die Hansestadt würde darunter leiden.
Bild: Daniel Reinhardt (dpa)

Die Einnahmen würden schwinden: weniger Ticketverkäufe, geringere Fernsehgelder und wohl eine schwächere Nachfrage nach Fan-Artikeln. "Der HSV wird die Kosten nicht im gleichen Rahmen senken können, wie die Einnahmen zurückgehen", erläutert der HWWI-Ökonom. "Der HSV wird den Druck spüren, sich weiter Investoren öffnen zu müssen." Drei Unternehmer - Klaus-Michael Kühne, Alexander Otto und Helmut Bohnhorst - haben bereits Anteile an der Fußball AG erworben.

Die Sorge um den HSV ist in Hamburg nicht neu

Schon 2014 litten Fans und die Stadt, als der Bundesliga-Dino nur mit Glück die Relegation gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth überstand. Tourismus-Manager und Werbestrategen sorgten sich schon damals um das Standing der Stadt. Auf rund 100 Millionen Euro beziffert das HWWI den Einkommens- und Beschäftigungseffekt, den der HSV durch direkte Arbeitsplätze im Verein und indirekte in Kneipen, Restaurants und Imbissbuden sowie durch Marketing und Merchandising erzeugt. 

Im Fall eines HSV-Abrutsches befürchtet der HWWI-Experte einen Rückgang um 30 Millionen bis 50 Millionen Euro. "Ein Abstieg würde die Anzahl der Tages- und Übernachtungsgäste deutlich reduzieren und sich damit spürbar auf die Einnahmen von Einzelhandel, Gastronomie, Hotellerie und Verkehrsbetriebe auswirken", warnte Hamburgs Tourismusvermarktung schon im Vorjahr.  

Solche Defizite müssten durch Anstrengungen in Kunst und Kultur, Sport und Tourismus ausgeglichen werden, empfiehlt der JvM-Werbeexperte. Vielleicht hilft die geplante Olympia-Bewerbung für die Spiele 2024 weiter, mit der sich die Hansestadt weltweit mehr Aufmerksamkeit erhofft. dpa/Almut Kipp

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren