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Handball-Skandal

23.03.2009

Ein Schiedsrichter plaudert über Bestechung

Bild: Erika Bachmann

Er war viele Jahre lang Schiedsrichter. Jetzt Michel Falcone aus udn erzählt, wie Handball-Schiedsrichter bestochen werden: Es sind die üblichen Freundlichkeiten, er hat aber auch bedrohliche Momente erlebt.

Leipzig (dpa) - Erstmals hat im Schiedsrichter-Bestechungsskandal ein langjähriger Spitzen-Referee Details über die Praktiken im internationalen Handball-Geschäft ausgeplaudert. "Da gibt es die Linie Alkohol, die Linie Essen, die Linie Frauen - oder die Linie Geld. Je nachdem, wie empfänglich der Schiedsrichter für solche Geschenke oder zuvorkommende Behandlungen ist, hat man dann versucht, das auch zu realisieren", sagte der 49 Jahre alte Schweizer Schiedsrichter Michel Falcone im NDR-Fernsehen. Der Eidgenosse beendete 2006 nach 26 Jahren seine Laufbahn, in der er mit seinem Partner Felix Rätz über 300 internationale Spiele geleitet hatte.

Nach dem Bekanntwerden der Manipulationsvorwürfe vor etwa drei Wochen sprach Falcone nun Klartext. "Mit Schweigen macht man sich nur als Mittäter strafbar", sagte der Referee und betonte, dass die Einflussnahme bereits zu Hause beginnt: "Ich habe schon Telefongespräche erhalten von Kollegen oder auch Funktionären eines Landes, wo ich gerade hinreisen sollte, die mir dann mitgeteilt haben, machen sie sich da eine Liste, wir können da gewisse Sachen für sie erledigen."

Lasse man sich als Unparteiischer auf nichts ein, gebe es laut Falcone nur zwei Richtungen: "Sie machen entweder freundlich weiter oder sie werden aggressiv. Und konkret haben wir das auch an unserem Leib erfahren, dass wir eigentlich flüchten mussten nach einem Spiel, wo die Sicherheitskräfte quasi auf uns losgingen und uns nicht beschützt haben. Und auch der 'dritte Mann' hat uns nicht beschützt. Im Gegenteil, er hat uns dann Vorwürfe gemacht", berichtete der Schweizer, der diese Manipulationsversuche der Europäischen Handball- Föderation (EHF) gemeldet hatte.

Dem Dachverband wirft Falcone Tatenlosigkeit vor. "Da hatten wir dann plötzlich das Gefühl, dass wir nach diesen Meldungen nicht mehr eingesetzt wurden, das heißt, kein Einsatz ist für einen Schiedsrichter wie eine Strafe", meinte er. Die EHF reagierte auf die sich ausweitenden Vorwürfe selbstkritisch: "Wenn ich die Dinge zusammenfasse, die wir in den letzten beiden Wochen auf den Tisch bekommen haben, dann muss man schon davon ausgehen, dass wir Dinge hätten besser machen können", sagte EHF-Wettbewerbsmanager Markus Glaser.

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