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Eintracht Frankfurt
19.05.2016

Tumor bei Marco Russ: Keinen Spielraum beim Gesetz

Bei Marco Russ wurde nach einem auffälligen Dopingtest ein Tumor entdeckt. Die Staatsanwaltschaft ermittelte trotzdem wegen Dopings - und das auch vollkommen berechtigt.
Foto: Soeren Stache, dpa

Marco Russ hat einen Tumor. Vor dieser Entdeckung gab es Dopingverdacht gegen ihn. Die Polizei rückte aus, Frankfurt ist aufgebracht. Trotzdem haben alle richtig gehandelt.

Auf den ersten Blick ist es nachvollziehbar, dass sie bei Eintracht Frankfurt aufgebracht sind. Die Mannschaft hat ein existenziell wichtiges Spiel vor der Brust, da platzt ein positiver Dopingbefund in die ohnehin schon höchst angespannte Szenerie. Und plötzlich setzt sich ein Automatismus in Gang, den es bisher nicht gab. Dank des niegelnagelneuen Anti-Doping-Gesetzes rücken Polizisten und Staatsanwälte aus. Die Beamten durchsuchen Wohnung und Hotelzimmer des Eintracht-Profis Marco Russ, in dessen Urin sich der auffällig hohe Wert fand. Gesucht: Beweise für die Einnahme verbotener Mittel.

Was die Fahnder zu diesem Zeitpunkt nicht wussten, ist, dass die verdächtig hohen Hormonwerte auch auf eine Tumorerkrankung hinweisen können. Das ist bei einem jungen Profisportler zwar unwahrscheinlich, wurde aber zur bitteren Realität. Marco-Russ: Tumor beim Dopingtest entdeckt – wie kann das sein?

Betroffenheit über Tumor von Marco Russ groß

Jetzt ist die Betroffenheit groß – fast genauso groß wie der Ärger über den Einsatz der Polizei. Die Rede ist von Unverhältnismäßigkeit und fehlendem Fingerspitzengefühl.

Im Fußball wurde dieser Vorwurf bisher nur in Richtung Schiedsrichter erhoben. Denn der hat bei der Bewertung strittiger Situationen tatsächlich einen Ermessensspielraum. Einen solchen sieht das Anti-Doping-Gesetz aber nicht vor. Dort steht nicht, dass man erst mal nachfragen solle, ob eine Hausdurchsuchung gerade in den Trainingsplan passt. Nein. Dort geht es darum, schnell zu reagieren, ehe die Beweismittel ins Klo gespült werden.

Tumor bei Marco Russ: Frankfurt-Klage gegen Dopingverdacht ist falsch

Es ist tragisch, dass im Fall Russ die verdächtigen Werte die Folge einer Krankheit sind. Und natürlich stört ein Pulk Polizisten im Mannschaftshotel die Konzentration auf das Spiel. Trotzdem ist die Eintracht-Klage fehl am Platze. Nach jahrzehntelangen Diskussionen und unzähligen Blockadeaktionen hat Deutschland ein Anti-Doping-Gesetz.

Und es zeigt sich, dass die Alarmkette vom positiven Test bis hin zur Hausdurchsuchung funktioniert. Dass das so ist, sollten zumindest auf den zweiten Blick auch die Herren von Eintracht Frankfurt gut finden. Es ist ihr gutes Recht, den Vorgang rechtlich prüfen zu lassen. Viel wichtiger ist aber, dass Russ wieder gesund wird.

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