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Eishockey
01.10.2021

Noch-Präsident des Eishockey-Bundes Reindl gerät in Bedrängnis

Seit Jahrzehnten der mächtige Mann im deutschen Eishockey: Franz Reindl.
Foto: Tobias Hase, dpa

Die Ethikkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes beschäftigt sich mit dem Noch-Präsidenten des Eishockey-Bundes. Auch im eigenen Verband hat er Gegner.

Im Deutschen Eishockey-Bund (DEB) kehrt keine Ruhe ein. Präsident Franz Reindl, 66, steht schon seit längerem in der Kritik. Gemeinsam mit dem Spiegel hatte unsere Redaktion darüber berichtet, dass Reindl parallel zu seinem Job als ehrenamtlicher DEB-Präsident auch bezahlter Geschäftsführer einer DEB-Tochter war. Diese Konstruktion legt zumindest den Verdacht eines Interessenkonfliktes nahe, da an der DEB-Tochter zeitweise auch der Vermarkter Infront beteiligt war – mit dem wiederum der DEB geschäftlich verbunden ist.

Trotzdem war Reindl als Favorit in die Wahl um das Amt des Präsidenten des Eishockey-Weltverbandes IIHF am vergangenen Wochenende gegangen. Und scheiterte deutlich gegen den Franzosen Luc Tardifoch. Für Reindl blieb nicht einmal der Posten des Vize-Präsidenten für Europa und Afrika, denn auch diese Wahl verlor er gegen den Dänen Henrik Bach Nielsen.

Reindl spricht von einem "Check von hinten"

Ob die Verstrickungen innerhalb des DEB der Grund für das Scheitern war, ist ungewiss. In Sportverbänden spielt die moralische Komponente erfahrungsgemäß nicht immer eine entscheidende Rolle, wenn es um die Vergabe von Posten geht. Reindl selbst allerdings sprach von einem „Check von hinten“, da unmittelbar vor dem Wahlwochenende ein Artikel im Spiegel erschienen war, der enthüllte, dass sich mittlerweile auch die Ethikkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) mit dem Fall Reindl beschäftigt. Das bestätigte der Kommissionsvorsitzende Thomas de Maizière dem Nachrichtenmagazin.

Der Ombudsmann des DOSB, der Rechtsanwalt Felix Rettenmaier, habe laut Spiegel einen umfassenden Bericht erstellt und die Angelegenheit einer juristischen Prüfung unterzogen. Sein Fazit: In einigen Punkten sollen zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für eine Straftat vorliegen. Rettenmaier empfiehlt laut Spiegel eine eingehende Untersuchung, um zu einer „abschließenden Beurteilung einer möglichen Strafbarkeit wegen Untreue und Bestechlichkeit“ zu kommen. Reindls Anwalt dagegen teilte mit, dass es „keine Grundlage für Vorwürfe gegen unseren Mandanten“ gebe.

Eine Anfrage an den Vorsitzenden der Ethikkommission De Maizière, ob und wie das weitere Verfahren in der Angelegenheit ist, blieb bis Freitag unbeantwortet.

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Dass sich nun aber auch die Ethiker des DOSB mit Reindl beschäftigen, ist Wasser auf die Mühlen seiner DEB-internen Gegner. Einige Landesverbände liegen schon seit längerem über Kreuz mit Reindl und dessen Art der Verbandsführung, die eher undiplomatisch sein soll. Mancher zieht Parallelen zum DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann, dem ebenfalls ein sehr autoritärer Führungsstil vorgeworfen wird. Dem DOSB-Präsidenten stellte die eigene Ethikkommission ein verheerendes Zeugnis aus. Deshalb wird es auch an der DOSB-Spitze einen Wechsel geben.

Bei der Neuwahl will Reindl nicht mehr antreten

Die widerborstigen Eishockey-Landesverbände treibt nun die Sorge um, wie es im deutschen Eishockey weitergehen soll. Reindl selbst hat angekündigt, bei der Neuwahl des DEB-Präsidenten im kommenden Sommer nicht mehr anzutreten. Bis dahin will er im Amt bleiben. Seinen Kritikern ist das zu lange. Mit Blick auf die Vorgänge beim DOSB könnte es nun auch beim DEB schnell gehen und auf eine vorzeitige und außerordentliche Mitgliederversammlung hinauslaufen, um dort die Vorgänge verbandsintern zu klären. Möglicherweise würden dann auch die Neuwahlen vorgezogen.

Das Problem ist, es fehlt an fähigen Kandidaten für Reindls Nachfolge. Denn als Ehrenamt ist der Job in seinem momentanen Zuschnitt kaum zu machen. Wohl auch deshalb hatte sich Reindl ein Einkommen eben über den Posten eines Geschäftsführers möglich gemacht. Um derartige Konstruktionen künftig zu vermeiden, bedarf es einer grundsätzlichen Reform der Führungsstruktur des DEB. Ob Reindl das noch anpacken kann, ist zumindest fraglich. Denn nach dem schnellen Ende seiner Träume, IIHF-Präsident zu werden, könnte auch die Amtszeit als DEB-Präsident schneller vorbei sein als gedacht.

Andreas Kornes und Dirk Sing, Sportredakteure der Augsburger Allgemeine, haben gemeinsam mit ihren Kollegen vom Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" rund um Franz Reindl und um den Deutschen Eishockey-Bund recherchiert.
Video: rt1.tv

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02.10.2021

Diese Debatte wirft doch ein seit Jahres bekanntes, immer wieder zu Verwirrungen, Verdächtigungen, Vorwürfen führendes Problem auf. Der Widerspruch zwischen einem Fulltime-Job in z.B. bundesweit agierenden Verbänden und dem Anspruch, dies im Ehrenamt erledigen zu können. Das mag bei Unternehmern, Beamten, etc. und besonders bei Lobbyisten funktionieren, die ihren Lebensunterhalt anderweitig bestritten bekommen - bei allen anderen ist das schon schwieriger. Paradebeispiele aus der Vergangenheit gibt es da einige, Willi Daume z.B. oder Wolfgang Niersbach. Beim DFB mit Fritz Keller reduzierte man den Präsidentenjob auf den Status eines "Grüß-Gott-August".
In der Summe ist diese Debatte scheinheilig - es wäre notwendig, diese Strukturen in Verbänden und Vereinen ehrlich und offen zu beleuchten und wo notwendig, mit Hauptamtlichkeit zu unterlegen. So wie es beispielsweise in Politik und Wirtschaftsverbänden funktioniert. Übrigens, dort wo das Gelddrucken im Vordergrund steht, funktioniert das auch; siehe die hauptamtlichen Strukturen in der DFL und im Gegensatz dazu diese im DFB.

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