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Eishockey-WM
20.05.2021

Nationaltrainer Söderholm auf schwieriger Mission bei Eishockey-WM

Setzt auf mehr Puckbesitz und will mindestens das Viertelfinale mit der deutschen Mannschaft erreichen: Bundestrainer Toni Söderholm.
Foto: Skolimowska, dpa

Auch ohne seinen Ausnahmekönner Leon Draisaitl steckt sich das Nationalteam hohe Ziele bei der Eishockey-WM in Riga. Der Trainer will mehr als Hauruck-Hockey sehen.

Bereits vor dem WM-Auftakt trägt Moritz Seider den ersten Titel. Der Nationalspieler ist zum besten Verteidiger in Schweden gewählt worden. Klingt unspektakulär, kann jedoch nicht hoch genug eingestuft werden. Schweden ist eine Hockeynation, in der sich Technik und Taktik auf höchstem Level bewegen. Die Skandinavier stellen mit gut 70 Profis das größte Kontingent an Spielern aus einem europäischen Land in der weltbesten Liga NHL. Dort als der beste Abwehrmann zu gelten, ist eine Hausnummer. Zumal mit 20. Verteidiger müssen reifen, taktische Cleverness und mentale Stabilität aufbauen bis sie auf höchstem Niveau agieren. Und: Auf dem Weg vom Jugendlichen zum Mann passiert viel zwischen 18 und 22.

Seider gilt als der kommende Top-Verteidiger in der NHL

Der 20 Jahre alte Seider gilt als kommender Top-Verteidiger der NHL und war bei der bislang letzten WM 2019 bester deutscher Abwehrspieler. Von den Detroit Red Wings wurde er in der vergangenen Saison nach Schweden zu Rögle BK ausgeliehen, wo er Vizemeister wurde. „Es ist eine sehr positive Entwicklung. Er ist absolut ein NHL-Verteidiger“, sagt Bundestrainer Toni Söderholm.

Bester Verteidiger in Schweden und künftig wohl bei den Detroit Red Wings in der NHL: Moritz Seider spielt seine zweite WM für Deutschland.
Foto: Skolimowska, dpa

Seider ist der Star im Team. Der Beste der Besten fehlt allerdings. Leon Draisaitl, der zum wertvollsten Spieler der NHL gewählt worden war, kämpft mit den Edmonton Oilers noch in den Play-offs. Dort ist auch der Augsburger Nico Sturm mit den Minnesota Wild beschäftigt. Seine wirklich beste Auswahl kann Söderholm also ab dem morgigen Freitag nicht aufs Eis schicken. Das ist ein deutscher Bundestrainer allerdings gewöhnt. Früher, in den Jahren unter den Vorgängern Pat Cortina oder Jakob Kölliker etwa, legten potenzielle Nationalspieler nach der DEL-Meisterschaft lieber die Beine hoch, anstatt sich eine WM mit sieben Spielen in elf Tagen anzutun.

AEV-Verteidiger Rogl über Söderholms Taktik

Diese Zeiten sind vorbei. Söderholm kann ein starkes Team ins Rennen schicken. Zwar fehlt mit dem gebürtigen Sonthofer Dennis Endras (früher Augsburger Panther) der vielleicht stabilste Torhüter der vergangenen DEL-Saison. Doch auch mit dem Berliner Mathias Niederberger oder Mannheims Felix Brückmann verfügt er über Keeper, die internationalen Ansprüchen genügen. Stützen in der Abwehr neben Seider sind der NHL-erfahrene Korbinian Holzer, der in der russischen KHL seine Dollar verdient. Außerdem bringen Kapitän Moritz Müller aus Köln oder der Berliner Jonas Müller Erfahrung mit. Sein spätes WM-Debüt gibt Stürmer Tom Kühnhackl. Der Sohn des deutschen Jahrhundertspielers Erich Kühnhackl holte mit den Pittsburgh Penguins bereits zwei Mal den Stanley Cup, spielte wegen einer Verletzung zuletzt jedoch im AHL-Farmteam in Bridgeport. Tobias Rieder ist die einzige NHL-Stammkraft im Kader, hat aber mit Buffalo als schwächstem NHL-Team eine schwierige Saison hinter sich. Unter erschwerten Corona-Bedingungen musste der Bundestrainer seinem bunt zusammen gewürfelten Haufen ein Korsett verpassen. Der Finne bevorzugt den europäischen Stil. „Wir spielen mit mehr Puckbesitz. Wir sollen unter Druck die Scheibe nicht einfach nach vorne wegschlagen, sondern im Zweifel noch mal umdrehen und neu aufbauen“, schildert John Rogl die Eishockey-Philosophie des Finnen und fügt an: „Ständig der Scheibe hinterherzulaufen macht müde.“ Der Augsburger Verteidiger wurde erst wenige Tage vor WM-Start aus dem Kader gestrichen. In den Klubs sind viele Spieler das nordamerikanische „dump and chase“ (Englisch: Verschleudern und verfolgen) gewohnt – die Scheibe ins gegnerische Drittel dreschen und vorne auf den lieben Gott hoffen.

Söderholm will mehr als Hauruck-Hockey. Auch mit Blick auf das WM-Ziel zeigt er sich ehrgeizig. „Es kommt näher und näher, dass eine deutsche Nationalmannschaft ein Halbfinale spielt“, sagt der 43-Jährige. Für die Deutschen war vor zwei Jahren im Viertelfinale gegen Tschechien Schluss. Beim WM-Debüt von Söderholm sprang am Ende Rang sechs und damit das beste Ergebnis seit Platz vier bei der Heim-WM 2010 heraus.

Zum WM-Auftakt wartet Italien

Zum Auftakt am Freitag (15.15 Uhr/ live in Sport 1) sind die Deutschen gegen Italien klarer Favorit. 15 Corona-Fälle gab es im Vorfeld. Etliche Schlüsselspieler und Chefcoach Greg Ireland sind noch gar nicht in Lettland und hoffen, nach einer Genesung in den kommenden Tagen nachreisen zu können. Italien sah sich gar genötigt, einen gerade erst 16 Jahre alt gewordenen Torhüter nachzunominieren. Nur 20 Stunden später warten am Samstag um 11.15 Uhr die höher eingeschätzten Norweger. Das Viertelfinale ist Pflicht, Söderholm träumte auch schon vom Titel. Sein Vorzeige-Verteidiger Seider gibt sich selbstbewusst: „Wir haben alle riesengroße Ziele.“

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