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21.06.2009

Erste versöhnliche Töne von Reizfigur Mosley

Erste versöhnliche Töne von Reizfigur Mosley
Bild: DPA

Silverstone (dpa) - Politik und Polemik statt PS und Party - am Ende aber doch erste Friedenszeichen: Nach der Eskalation des Formel-1-Dauerkonflikts beim Grand Prix in Silverstone ist FIA-Präsident Max Mosley erste Schritte auf seine Gegenspieler aus der Teamvereinigung zugegangen.

"Es wird keine Klage geben. Wir wollen lieber miteinander reden als einen Prozess führen", sagte der Chef des Automobil-Weltverbandes FIA kurz vor dem Start zum Großen Preis von Großbritannien. "Wir sind sehr, sehr nah beieinander, was die Fakten betrifft. Es geht nur darum, ob sich die Teams jetzt hinsetzen und die letzten Schwierigkeiten ausräumen wollen."

Mosleys Aussagen waren das erste positive Signal, nachdem am 19. Juni die acht in der FOTA vereinigten Teams ihren Rückzug und den Aufbau einer Konkurrenzserie angekündigt hatten. Der 69-jährige Brite wollte daraufhin die Rebellen Ferrari, McLaren- Mercedes, BMW-Sauber, BrawnGP, Red Bull, Renault, Toyota und Toro Rosso vor Gericht zerren. "Ich bin sehr gespannt auf diese Klagen, unsere Juristen warten darauf", hatte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen gesagt. Die Zeit für eine Konfliktlösung drängt. McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh hatte schon darauf verwiesen, dass spätestens Ende Juli keine Umkehr mehr möglich sei.

Ob Mosleys zarte Andeutung von Kompromissbereitschaft das scheinbar zerstörte Verhältnis zu den Rennställen kitten kann, wird sich zeigen. Der Jurist ist für die Teams schon lange eine Reizfigur. Längst geht es in der Auseinandersetzung der FOTA mit der FIA nicht mehr allein um die vom Dachverband für 2010 beschlossene freiwillige Budgetobergrenze von 45 Millionen Euro. Es geht um Mosleys Kopf. In Silverstone wurde schon darüber spekuliert, dass bereits auf der Sitzung des FIA-Weltrats am 24. Juni Mosley aus dem Amt gekippt werden sollte - die Chancen gelten allerdings als gering.

Erste versöhnliche Töne von Reizfigur Mosley

Dabei sind der FIA-Chef und seine Kontrahenten nicht mal weit voneinander entfernt. Die Einsicht, die Kosten zu senken, ist in allen Köpfen angekommen. Deshalb ist die Ankündigung der FOTA, die Formel 1 zu verlassen, vor allem ein Angriff auf Mosley - auch wenn niemand in der FOTA dies offen zugibt. "Wir wollen den Konflikt nicht an einer Person festmachen. Wir fordern Inhalte", meinte BMW-Manager Theissen. Aber: "Es ist natürlich Max Mosley, der die FIA-Position definiert."

Seit Jahren bestimmt Mosley mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone oft eigenmächtig die Regeln: Sie diktieren, die Teams investieren. Mosley sieht sich als Retter. Dass seine Unnachgiebigkeit die Formel 1 mit an den Abgrund gebracht hat, kommt ihm nicht in den Sinn. Bei allen Angriffen - die Worte "Aufgeben" oder "Rücktritt" gehören nicht zu seinem Wortschatz. Zuletzt bewies er das bei seiner Sexvideo-Affäre 2008.

"Ich will nicht allzu lange weitermachen. Aber die Schwierigkeiten in die mich die Teams gebracht haben, würden es mir schwer machen, wenn ich im Oktober aufhören wollte", hatte er in Silverstone gesagt. "Die Leute in der FIA sagen mir: 'Wir haben diesen ganzen Ärger, wir werden angegriffen. Du musst bleiben.'"

Der "Piratenserie" hatte Mosley indes keine Chance gegeben. "Das ist pure Fantasie. Sie wissen, dass das nicht klappt. Sie wollen die Macht über den Sport und das Geld. Ich werde nicht zulassen, dass das geschieht." Rekordweltmeister Michael Schumacher sieht das als Ferrari-Berater wie erwartet anders: "Für mich ist das inzwischen eine echte Alternative."

Mosley verband seine Äußerungen Wochenende in Silverstone mit seinen üblichen Polemiken: Die acht Abtrünnigen bezeichnete er als "Verrückte". Sie wollen nur die Macht (von ihm) und die Millionen (von Ecclestone). Doch Mosleys Position ist geschwächt. Er hat die Einigkeit der Teams unterschätzt, die sich vor allem in der Abneigung gegen ihn einig sind.

Aber auch die acht Top-Rennställe stehen unter Druck. Sie müssen ihre Pläne vorantreiben, soll ihre Drohung glaubwürdig bleiben. "Es ist die Gefahr im nächsten Jahr, ohne etwas dazu zu stehen. Deshalb müssen wir jetzt die Initiative ergreifen", meinte Theissen. In weniger als einem Jahr müsste eine Serie in bisheriger Formel-1- Qualität entstehen. Allein die Anschubkosten werden laut Experten auf bis 200 Millionen Dollar geschätzt. Immerhin hat die Vereinigung schon ihre ersten Fans: "FOTA rules. Max, Bernie out" ("FOTA herrsche. Max, Bernie raus") stand auf einem Laken auf der Haupttribüne in Silverstone.

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