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FCB-Ehrenpräsident
29.07.2019

Franz Beckenbauer - der gläserne Kaiser?

Franz Beckenbauer steht wie kaum ein anderer in der Öffentlichkeit. Das hat viele Vorteile, aber bisweilen auch Nachteile.
Foto: Ina Fassbender, dpa

Franz Beckenbauer steht wie kaum ein anderer in der Öffentlichkeit. Das hat viele Vorteile, aber bisweilen auch Nachteile.

Franz Beckenbauer ist einer der prominentesten Menschen Deutschlands. Als Spieler, Trainer, Funktionär, Kaiser, Grantler und Fußball-Orakel hat er sich in lichte Höhen aufgeschwungen. Dort allerdings, so scheint es, kam er der Sonne zu nahe. Es steht der Verdacht im Raum, Beckenbauer sei allzu spendabel mit ein paar Millionen Euro umgegangen, als er die Fußball-WM 2006 nach Deutschland holte. Beckenbauer geriet ins Wanken und es wurde ruhig um einen, der sonst allgegenwärtig war.

Volkes Seele rumorte, als es von den mutmaßlichen Verfehlungen las. Unser Kaiser? Lassts doch den Mann in Ruhe. Lügenpresse, elendige. Und überhaupt: Jeder schmiert. Sonst kommst doch zu nix. Ein paar Millionen hin oder her, die WM war jedenfalls super.

Verjährungsfrist läuft ab: Beckenbauer könnte nicht mehr belangt werden

Man muss dieser Argumentation nicht zwingend folgen und könnte stattdessen daran erinnern, dass in einem Rechtsstaat die Regeln für alle gelten. Keiner ist gleicher als andere, nicht einmal der Kaiser.

Immerhin kann der sich aber die besten Anwälte zu leisten. Und diese hatten, so vermutet nicht nur Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger, nun offenbar die Idee, die Gesundheit ihres Mandanten zu nutzen, um ihn über die Ziellinie zu bekommen. In Kürze läuft nämlich eine Verjährungsfrist ab, danach könnte Beckenbauer nicht mehr belangt werden. Beckenbauer soll nicht verhandlungsfähig sein. Im Idealfall, so könnte das Kalkül der Anwälte lauten, dauert dieser Zustand bis zum Ablauf der Frist an.

Fakt ist, dass das Verfahren Beckenbauers von dem der anderen Sommermärchengesellen abgetrennt wurde. Eine offizielle Begründung gibt es dafür nicht.

Beckenbauer muss damit leben, ins Rampenlicht gezerrt zu werden

Vielleicht ist Beckenbauer tatsächlich in schlechter Verfassung. Und selbst wenn nicht: Was geht es uns an? Ein privateres Thema als die Gesundheit gibt es nicht.

So weit die Theorie. Die Realität ist anders. Einer, den es über Jahrzehnte derart in die Öffentlichkeit zog, der mit seinem Namen sehr viel Geld verdient hat, muss wohl damit leben, dass er auch dann ins Rampenlicht gezerrt wird, wenn er es nicht mehr will. Das kann man gut oder weniger gut finden. Fakt ist, dass jede noch so kleine Nachricht über Beckenbauer ein Millionenpublikum findet. Prominenz lässt sich nicht nach Belieben ein- oder ausschalten.

Beckenbauer macht, was man in so einer kniffligen Situation am besten macht: nichts. Kein Wort. Kein öffentlicher Auftritt. Sendepause. Hoffen wir, dass das nur der Taktik seiner Anwälte geschuldet ist.

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