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25.03.2020

FIFA-Funktionäre müssen vor Ethikkommission

FIFA-Präsident Joseph Blatter hat den Korruptionsfall in seinem Verband zur Chefsache erklärt und die beiden unter Verdacht geratenen Funktionäre zum Rapport bestellt.

Reynald Temarii aus Tahiti und der Nigerianer Amos Adamu müssen der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes am 20. Oktober Rede und Antwort stehen. Die beiden Mitglieder der "FIFA-Regierung" sollen sich bereiterklärt haben, ihre Stimmen bei der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 zu verkaufen. Das Exekutivkomitee der FIFA vergibt beide Turniere am 2. Dezember in Zürich.

In ungewöhnlicher Offenheit bestätigte die FIFA, dass sie ein Ethikverfahren gegen zwei aktuelle Mitglieder des Exekutivkomitees eingeleitet habe. Dabei soll geklärt werden, "ob diese gegen das Ethikreglement der FIFA verstoßen haben." Zudem sei auch eine Untersuchung gegen die entsprechenden Nationalverbände und entsprechenden Bewerbungskomitees eingeleitet worden. Darüber hinaus laufen ebenfalls Untersuchungen gegen andere FIFA-Offizielle, "die im Rahmen des Vorfalles eine Rolle gespielt haben könnten."

Temarii meldete sich am Montag mit einer halbherzigen Entschuldigung zu Wort. Er sei absolut integer, sagte der 43-Jährige. "Aber ich habe einen Fehler gemacht, als ich auf diese Art und Weise gesprochen habe." In einem Gespräch mit Reportern der britischen Zeitung "Sunday Times" soll er bereit gewesen sein, seine Stimme bei der Vergabe der WM 2018 und 2022 für 3 Millionen neuseeländische Dollar (rund 1,6 Millionen Euro) zu verkaufen, um eine Fußball- Akademie in Auckland zu gründen. Die Journalisten hatten sich als amerikanische Geschäftsleute ausgegeben, die die Weltmeisterschaft 2022 in die USA holen wollten.

FIFA-Funktionäre müssen vor Ethikkommission

Nach eigenen Angaben hatte sich Temarii mit Blatter getroffen und den mächtigen Verbandschef um eine Untersuchung gebeten. Der 74 Jahre alte Blatter hatte die "sehr unschöne Situation" zur Chefsache erklärt und den 24 Mitgliedern des Exekutivkomitees in einem Brief einen Maulkorb verpasst. Auch Adamu traf am Wochenende in der FIFA-Zentrale in Zürich ein, wollte sein Gespräch mit Blatter aber nicht kommentieren.

Die Sitzung der 2006 ins Leben gerufenen Ethikkommission sei schon seit längerem anberaumt und keine ad-hoc- Entscheidung, teilte ein FIFA-Sprecher mit.

Eine Verschiebung der WM-Vergabe war zunächst kein Thema. "Wir sollten das in dem vorgesehenen Zeitraum schaffen. Wir wollen die Themen separat behandeln und es ist wichtig, dass wir an der WM- Entscheidung festhalten. Es gibt keinen Grund, dies nicht zu tun. Die Untersuchungen können sofort beginnen", sagte Exekutivkomitee- Mitglied Chuck Blazer aus den Vereinigten Staaten.

Blatter hatte sich per Brief an die Mitglieder der "Regierung" des Weltverbandes gewandt, eine "gründliche Untersuchung" angekündigt und die 24 Funktionäre gebeten, "von jeglichen öffentlichen Äußerungen in dieser Angelegenheit abzusehen".

Temarii, Chef der Oceania Football Confederation (OFC), sagte: "Es ist wichtig für mich, dass das Ethikkomitee untersucht, wie ich mich gegenüber den Bewerbern verhalte." Vor vier Jahren hatte die FIFA, die sich nicht zum ersten Mal mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert sieht, eine Ethikkommission ins Leben gerufen, um gegen Korruption, Wettbetrug, Manipulationen und Diskriminierungen anzugehen.

Der neuseeländische OFC-Vertreter Fred de Jong sagte der neuseeländischen Zeitung "Herald", der neuerliche Fall werfe ein "schlechtes Licht" auf den Fußball. "Ich kenne nicht den gesamten Kontext, so dass es schwierig ist, das zu beurteilen", sagte de Jong. "Aber ich kenne Herrn Temarii, und er ist ein guter Typ." (dpa)

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