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War das das letzte Heimspiel für Sebastian Vettel?

Kommentar Von Milan Sako
23.07.2018

Ab 2019 macht die Formel 1 einen Bogen um Hockenheim - unsicher ist, ob sie nochmal zurück kommt. Aber will die Nation überhaupt noch die Motorsportserie haben?

Die Zielflagge ist gefallen, die mobilen Paläste samt Palmenschmuck sind eingepackt und abtransportiert. Der Zirkus zieht weiter Richtung Hungaroring in Budapest. Vorbei die 77. Auflage des Großen Preises von Deutschland. 70.000 Zuschauer und ein packendes Rennen. Doch die Zukunft sieht düster aus. Kommt die Formel 1 überhaupt noch einmal nach Deutschland?

Für 2019 schließt Ring-Geschäftsführer Georg Seiler ein PS-Spektakel im Badischen aus. Der Vertrag mit dem Formel-1-Herrscher Bernie Ecclestone ist ausgelaufen. Mit seinen Nachfolgern von Liberty Media konnten sich die Hockenheimer nicht einigen. Weil der Streckenbetreiber die angeblich zwölf Millionen Euro für die Formel 1 nicht aufbringen kann und will. Der PS-Zirkus ist ein teurer Sport, der an den Meistbietenden verkauft wird. Eine lange Tradition mit grandiosen Momenten von Michael Schumacher zählt wenig. Auch über 12.000 Max-Verstappen-Fans, die für fröhliche Stimmung rund um den Ring sorgten, werden die Rechner im Automobil-Weltverband Fia nicht beeindrucken.

Die Konkurrenten von Hockenheim heißen Aserbaidschan oder Bahrain

Von Tradition können sie nicht abbeißen. Es ist ein ungleicher Kampf. Die 21.000 Einwohner zählende Große Kreisstadt als Besitzer der Ring GmbH konkurriert mit Ländern wie Aserbaidschan, Bahrain oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dort gönnen sich Autokraten die Formel 1, während die Stadt in Nordbaden keinen Cent vom Land oder vom Bund erhält. Verluste muss letztendlich der Bürger vor Ort begleichen. Die klare Linie der Ring-Verantwortlichen ist richtig. Es ist nicht einzusehen, dass wegen eines dreitägigen PS-Spektakels auch nur ein Kindergarten weniger gebaut würde.

Die Formel 1 steckt in Deutschland in der Krise - auch wegen Vettel

Das führt zur zweiten Frage: Will die Nation die Königsklasse überhaupt haben? Der Diesel-Skandal stinkt den Deutschen noch immer. Saubere Energien werden gefördert, im Motorsport ist die Zukunft offenbar die Formel E der rein elektrisch betriebenen Boliden. Vorbei auch die Boom-Jahre, als Deutschland in einem Jahr auf dem Nürburgring und in Hockenheim gleich zwei Grands Prix mit bis zu sieben deutschen Fahrern (2010: Michael Schumacher, Sebastian Vettel, Nico Rosberg, Nico Hülkenberg, Timo Glock, Adrian Sutil und Nick Heidfeld) austrug. Der eher medienscheue Vettel und der erfolglose Hülkenberg sind geblieben.

Ändert sich die Stimmung in Deutschland nicht grundsätzlich, dann wird es schwer, die Königsklasse 2020 wieder an den Hockenheimring zu bringen. Neue Interessenten stehen bei Liberty Media Schlange. Miami, Buenos Aires oder Hanoi drängeln sich, um im auf 21 Rennen aufgeblähten Renn-Kalender einen Platz zu finden. In der vietnamesischen Hauptstadt soll durch die Stadt gebraust werden. Wer zahlt, bekommt den Zuschlag. In Hockenheim rollen sie die Formel-1-Plakate mit der Aufschrift „Heimspiel“ wieder ein. Vielleicht verschwinden sie für immer.

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