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Motorsport

20.11.2019

Formel-E-Pilot Daniel Abt: "Ich will nicht, dass wir die Formel 1 ablösen"

Daniel Abt blickt in seine bereits sechste Saison in der Formel E. Seit 2017 ist er Werksfahrer bei Audi. In diesem Jahr hofft er auf den Titel in der noch jungen Rennserie. Die Konkurrenz aber ist groß.
Foto: Audi-Motorsport

Exklusiv Daniel Abt aus Kempten redet vor dem Auftakt in Riad über die Entwicklung der Rennserie, die Konkurrenz zur Formel 1 und die Auswirkungen auf die Umwelt.

Herr Abt, sind Sie bereit für den Formel-E-Auftakt in Riad?

Daniel Abt: Wir haben viel getestet in den letzten Wochen und Monaten, waren in Valencia bei den gemeinsamen Abschlusstests. Die letzte Vorbereitung war im Simulator.

Riad kennen Sie aus dem vergangenen Jahr. Ist das eine Strecke, die Ihnen und dem Team liegt?

Abt:  Letztes Jahr hatten wir Regen und ein ziemliches Durcheinander. Darauf konnten wir uns nicht vorbereiten. Wir haben nur einen Punkt geholt, das ist nicht unser Anspruch. Die Strecke ist untypisch mit ihren vielen schnellen Kurven.

Was ist das Ziel für die neue Saison?

Abt:  Beide Titel sind das Ziel. Wenn man als Audi-Werksteam antritt, ist es klar, dass man nicht nur dabei sein möchte. Andererseits ist uns bewusst, was für eine Konkurrenzdichte herrscht. Diese Saison wird noch härter als die vergangene.

Ihre Vertragsverlängerung bei Audi kam erst kurzfristig zustande. Hat das die Vorbereitungen beeinflusst?

Abt: Die Vorbereitungen hat es gar nicht beeinflusst. Ich war schon vorher, als es noch die Ungewissheit gab, ins Testprogramm eingeplant. Für mich war es natürlich eine Phase, die nicht ideal war. Man weiß gerne, wie es weitergeht. Aber es gehört zum Sport dazu, dass man sich, wenn Verträge auslaufen, Gedanken macht, wie es weitergeht. Auf beiden Seiten. Umso froher war ich, als klar war, dass es weitergeht.

Hatten Sie sich nach anderen Möglichkeiten umgeschaut?

Abt: Ja, muss man. Es war immer offen und ehrlich kommuniziert, dass man Optionen abwägt. Das musste ich dann auch tun. Damit man nicht dasteht und sagt, Hoppla, das hab ich nicht kommen sehen.

"Ich war mit ein, zwei Teams in der Formel E im Gespräch"

Welche Optionen hätte es gegeben?

Abt: Ich war mit ein, zwei Teams in der Formel E im Gespräch. Außerhalb habe ich nichts gesucht. Mir macht das hier viel Spaß. Ich möchte keinen Rückschritt mehr machen. Die Formel E ist für mich das interessanteste. Wenn da mal ein Ende kommt, habe ich die Fähigkeiten, anders durchs Leben zu kommen.

So war es für Sie aber ideal.

Abt: Ich bin bei Audi groß geworden, auch wenn ich erst im dritten Jahr Werksfahrer bin. Aber die Verbundenheit wird immer da sein. Wir haben ein tolles Team und viele schöne Momente miteinander gehabt. Ich möchte hier bleiben, aber es muss für beide Seiten passen.

Immer mehr Hersteller kommen nun in die Formel E. Verändert das die Serie?

Abt: Es hat die Serie schon seit Saison vier verändert. Vorher waren es hauptsächlich Privatteams. Da gibt es auch Konkurrenzkampf, aber es war familiärer. Man ist Teil eines Produkts, das man pushen möchte. Je mehr Werke reinkommen, ist alles ein bisschen formeller. Hersteller haben einen anderen Auftritt. Und wenn ein Hersteller gegen einen anderen Hersteller verliert, tut es mehr weh, als wenn ein Privatteam gegen ein Privatteam verliert.

Sehen Sie die Entwicklung eher positiv oder negativ?

Abt: Es ist beides. Die Bekanntheit und Außenwirkung ist eine andere, wenn man über Hersteller spricht. Die Budgets und Möglichkeiten sind positiv. Was teilweise verloren geht, ist das Miteinander, das am Anfang geherrscht hat. Früher gab es Partys von der Formel E organisiert, da war jeder vom Team bis zum Mechaniker dabei. Alle haben ihren Spaß gehabt. Das wird es nicht mehr geben.

"Wenn einer unbedingt gewinnen will und einfach mal 30 Millionen Euro im Jahr mehr ausgibt..."

Das Budget ist bislang überschaubar. Wenn Werke kommen, wird mehr Geld fließen. Gibt es die Befürchtung, dass sich die Serie falsch entwickelt?

Abt: Mit jedem Hersteller, der reinkommt, wird es eine Spirale nach oben geben. Wenn einer unbedingt gewinnen will und einfach mal 30 Millionen Euro im Jahr mehr ausgibt, dann überlegen sich die anderen, wie kommen wir dahin. Das ist ein Kreislauf. Beim jetzigen Stand der Budgets ist es aber noch günstig im Vergleich zu anderen Rennserien, die deutlich weniger Strahlkraft haben. Aber man muss aufpassen, dass es nicht aus dem Ruder läuft. Ich bin Fan davon, dass die Technik nicht überhand nimmt und so teuer wird, sondern dass man das Geld eher für Marketing und Außendarstellung nimmt. Der Zuschauer sieht nicht, ob da 100 Ingenieure oder 20 an einem Motor arbeiten. Das ändert nichts an der Show. Es muss Spaß machen, zuzuschauen.

Daniel Abt wird auch in der sechsten Saison der Formel E ein Cockpit von Audi Sport Abt Schaeffler steuern.
Foto: Valentin Flauraud/PPR/dpa

Die Serie ist immer weiter im Kommen. Wie erleben Sie die Entwicklung, da Sie von Anfang an dabei sind?

Abt: Die ersten fünf Jahre waren Wahnsinn. Anfangs war es ungewiss, ob es überhaupt ein Jahr klappen wird. Kein Hersteller wollte groß mitmachen. Es wurde in der Motorsportszene nicht ernst genommen. Das hat sich gewandelt. Jetzt ist es die Rennserie mit der größten Herstellerdichte weltweit. Vor allem die vier deutschen Premiumhersteller sind dabei, wo gibt es das sonst. Es ist sehr rasant gegangen, keiner hat das so kommen sehen. Das Einzige, was nicht so rasant gewachsen ist, ist die Präsenz in den Medien. Gerade, was das Fernsehen angeht. Das ist noch nicht genug.

Wie groß sind die Einflussmöglichkeiten des einzelnen Herstellers bei der Technik der Fahrzeuge?

Abt: Es ist alles sehr kompakt. Jeder entwickelt seinen Motor, aber in einem Reglement, das kaum Spielraum zulässt. Da reden wir über Effizienz und minimale Verbesserungen, so dass Ausgeglichenheit noch immer herrscht. Autos, Reifen, bis auf ein paar Teile die Aufhängung und die Batterie sind einheitlich.

In der Formel 1 gwinnt meist Ferrari oder Mercedes. Aber in der Formel E hat jedes Team eine Siegchance?

Abt: Bei uns gibt es acht Teams, die vorne stehen können. An einem guten Tag, wenn man die eine Runde in der Qualifikation gut trifft, kann jeder Rennen gewinnen. Es gibt nicht die Abstände wie in der Formel 1.

Ist die Formel E eine Alternative oder gar eine Gefahr für die Formel 1?

Abt: Im Moment sind es zwei unterschiedliche Welten. Die Formel 1 ist um ein vielfaches größer vom Stellenwert weltweit, weil sie eine Marke ist, die über Jahrzehnte hinweg aufgebaut wurde. Da kann man nicht einfach mit der Formel E ums Eck kommen und sagen, jetzt lösen wir euch ab. Das wäre auch Schwachsinn. Ich selbst bin auch Formel-1-Fan. Ich will auch gar nicht, dass wir die Formel 1 ablösen. Die Formel E bietet eine andere Plattform, ein anderes Publikum zu erreichen. Meine Wunschvorstellung ist, dass wir uns annähern an die Formel 1 und dass beides existiert. Ich sehe da keinerlei Konkurrenzkampf, eigentlich nur eine Bereicherung, um mehr Leute in den Sport zu ziehen.

Die Formel E gilt als grüne Serie. Wie lässt sich das damit verbinden, dass Sie zu den Rennen um die Welt fliegen?

Abt: Ich würde die Formel E nicht als grüne Serie bezeichnen. Es ist klar, dass auch wir einen Co2-Fußabdruck hinterlassen mit all dem, was wir machen. Das Event an sich kann niemals grün sein, sobald man möchte, dass da Zuschauer hinkommen – das ist mit jedem Fußballspiel oder Konzert so. Wenn man komplett Co2-neutral sein möchte, muss man sich in den Keller einschließen und darf nicht mehr atmen. Die Intension dahinter ist, die Technologie zu promoten.

Die Formel E spricht andere Fangruppen an als die Formel 1 oder DTM. Wie erleben Sie das an den Strecken?

Abt: Ich überlege auch oft, was der klassische Formel-E-Zuschauer ist. Vom Gefühl her ist es ein jüngeres Publikum und auch nicht zwingend der klassische Motorsportfan. Also nicht der, der seit 20 Jahren zum Nürburgring und dort campt.

Was ist die große Herausforderung als Formel-E-Fahrer im Vergleich zur Formel 1 oder DTM?

Abt:  Alle Autos sind sehr unterschiedlich. Am Ende des Tages ist es immer die Mischung aus am Limit fahren und alles zusammenbringen.

Aber fahren Sie immer am Limit? Sie müssen doch auch darauf achten, dass Sie Energie sparen.

Aber das heißt nicht, dass wir nicht am Limit fahren. Der Kurventeil macht den Unterschied. Wenn wir Energie sparen, dann gehen wir vor der Kurve vom Gas, müssen aber trotzdem so schnell wie möglich um die Kurve fahren und sind am Limit. Was die Formel E speziell ausmacht, ist das Tagesformat. Der Tag ist so durchgetaktet, dass du keinerlei Zeit hast, auch nur fünf Minuten dich in Ruhe hinzusetzen. Wenn man um fünf Uhr aufgestanden ist, muss man um 16 Uhr beim Start immer noch die Konzentration halten.

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