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Weltmeisterschaft

17.06.2011

Frauenfußball: Schwach, langweilig, aufgeblasen

Alexandra Popp überzeugte mit zwei Treffern beim 3:0 gegen Norwegen. Sie ist zweifellos eine der talentiertesten deutschen Spielerinnen.
Bild: dpa

Ein chauvinistisches Schurkenstück: Der Autor ist der Meinung, Frauenfußball ist unansehnlich und die WM ein aufgeblasenes Medienereignis.

Eines vorweg: Der Autor hat nichts gegen Frauenfußball.

Es ist nicht zu fassen. Politisch korrekt werden Frauen genau so behandelt wie Männer. Was in der Arbeit und im normalen Umgang selbstverständlich ist, gleitet gerade ins Absurde ab. In einer Woche beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen. In der Öffentlichkeit wird so getan, als stünde ein neues Sommermärchen bevor.

Das ist falsch.

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Frauenfußball hat eine kaum wahrnehmbare soziale Relevanz in Deutschland (und in den meisten anderen Ländern). Zu den Spielen der Frauen-Bundesliga kommen im Schnitt knapp 1000 Zuschauer. Und jetzt wird hier so getan, als sei ein ganzes Land vollkommen euphorisiert ob der Tatsache, dass hier eine WM ausgetragen wird.

Der DFB wird es schaffen, die Stadien zu füllen. Wie, ist prinzipiell egal. Klar ist aber, dass per se keine Fans des Frauenfußballs in die Arenen pilgern. Es sind größtenteils Stadiontouristen oder Familienausflügler, die anstatt der Fahrt ins Erlebnisbad nun eben mal ein bisschen Stimmung beim Fußball machen.

DFB-Torhüterin Nadine Angerer (r) beim Training.
21 Bilder
Von Angerer bis Prinz - die Frauen-Nationalmannschaft

Gut zu hören und zu sehen war das beim letzten Testspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Norwegen. Die Stimmung bewegte sich etwa auf der überdimensionaler Bundesjugendspiele. Nicht leise, aber von Gekreische, Ahhhhhhhs und Ohhhhhhhhhs geprägt. Die mitunter offensichtliche Regelunkenntnis vieler Zuschauer mal Außen vor gelassen.

Das 3:0 gegen Norwegen hat aber auch einen weiteres, viel schwerwiegenderes, Problem offengelegt. Frauenfußball hinkt dem Männerfußball qualitativ enorm hinterher. Was auch ganz normal ist, wenn man bedenkt seit wann Frauen organisiert Fußball spielen und wie viele Mädchen im Vergleich zu Buben spielen. Dass Frauenfußball niemals so athletisch sein wird wie Männerfußball, ist klar. Das hat ja auch durchaus seinen Charme. Man könnte meinen, so würde der Technik mehr Platz eingeräumt. Und auch, wenn immer behauptet wird, dass das schon der Fall ist. Es stimmt nicht. Stockfehler und Fehlpässe häufen sich teilweise auf grausame Art und Weise. Obwohl zwei Tore mit dem Kopf erzielt wurden, ist das Kopfballspiel häufig grauenhaft unterentwickelt.

Dass sich Reporter bei einem Freundschaftsspiel trotz der zahlreichen Defizite zu elegischen Lobeshymnen hinreißen lassen, ist fast unerklärlich. Ist es das, was man politisch korrekt nennt? Muss diese Veranstaltung derart aufgeblasen werden? Sollen Frauen jetzt genauso behandelt werden wie Männer? Wollen sie das überhaupt? Kann man nicht einen unverkrampfteren Umgang finden? Muss es so gekünstelt positiv sein?

Unverkrampft bedeutet auch kritisch. Kritisch, wie mit jedem männlichen Fußballer auch umgegangen wird. Wo liest man, dass Fatmire Bajramaj nach ihrer Einwechslung auf ganzer Linie versagt hat? Dass die vermeintlich technisch beste deutsche Spielerin kein einziges Dribbling gewonnen hat?

Ja, es ist Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Na und? Wenn Pétanque-WM wäre, würde das Augsburger Stadion nicht gefüllt sein. Und Pétanque wird wahrscheinlich von mehr Menschen gespielt als Frauenfußball.

Wer sich für Norwegen gegen Äquatorial-Guinea, Nordkorea gegen Schweden oder England gegen Japan interessiert, soll sich die Partie anschauen. Die Stimmung wird sicherlich gut sein. Ein Fußballfest darf aber nicht erwartet werden. Sollten Plätze im Stadion leer bleiben, hat das jedoch keine negativen Auswirkungen auf die Außenwirkung Augsburg. Ganz im Gegenteil. Es würde zeigen, dass sich der Augsburger nicht aufgrunde von Medienkampagnen irgendwo hinlocken lässt. Abgesehen davon, dass die Einschaltquoten bei Partien wie Norwegen gegen Äquatorial-Guinea überschaubar sein dürften und es kaum einer mitbekommt, wie viele Sitze leer bleiben.

Unsäglich ist übrigens auch der Vergleich, dass die Frauen im Gegenteil zu den Männern ja erfolgreich sind. Einfach mal die Konkurrenz anschauen. Und wenn es tatsächlich nur um den Erfolg gehen sollte, dann schauen wir uns künftig eben Voltigieren oder Trampolinspringen an.

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