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20.07.2010

Friede, Freude, Löw?

Jogi Löw.

Das Fußball-Land atmet auf: "Jogi" bleibt - und das ist auch gut so, findet Sportredakteur Franz Neuhäuser.

So schnell kann es gehen. Gestern haben wir an dieser Stelle noch über die große Rücktrittswelle und ihre möglichen Ursachen (Wetter? Virus?) philosophiert - und jetzt hat sich der Wind gedreht. Vertragsverlängerung, Kontinuität, Friede, Freude, Löw - das sind nun die Themen des Tages.

Das Fußball-Land atmet auf. "Jogi" bleibt - und das ist gut so. Joachim Löw hat eine hervorragende Bilanz vorzuweisen. Löw steht in der Statistik besser da als legendäre Vorgänger wie Herberger, Schön und Beckenbauer.

Aber das sagt nicht die ganze Wahrheit. Es sind im Fußball nicht nur die Ergebnisse, die zählen. Wichtig ist auch, "wie" es zu diesen Resultaten kommt. Löws Arbeit kann sich im Wortsinn "sehen lassen". Die Nationalmannschaft hat zuletzt überwiegend "ansehnlich" gespielt.

Friede, Freude, Löw?

Überbewerten sollten wir die Kuschelstimmung rund um die Nationalelf allerdings nicht. Fußball ist ein Tagesgeschäft. Worüber der Fan heute jubelt, das pfeift er morgen schon aus. Und manchmal tritt so ein Stimmungswandel auch innerhalb von 90 Minuten ein. Platz zwei bei der EM und Platz drei bei der WM machen auch einen Joachim Löw nicht unangreifbar.

Wie schnell sich Stimmungslagen drehen können, das hat Löw in seiner Karriere schon oft erlebt. Als er vor sechs Jahren als Assistent bei Jürgen Klinsmann an Bord kam, da sahen viele in ihm nur einen "Hütchenaufsteller" fürs Training, der eine nicht wirklich imponierende Berufslaufbahn hatte vorweisen können. Nach seinen Türkei-Gastspielen (Fenerbahçe, Adanaspor) sah es schon so aus, als plätschere seine Karriere in Österreich beim FC Tirol und bei Austria Wien nur noch dezent dahin.

Auch als er nach Klinsmanns Abgang zur Nummer eins aufrückte, meldeten sich Skeptiker zu Wort, die lieber einen Mann mit "großem" Namen im Amt gesehen hätten. Fachleute wussten aber, dass Löw der sportliche Lenker hinter dem großen Motivator Klinsmann gewesen war.

Der smarte Löw hat dann tatsächlich eine gute Figur gemacht - nicht nur im blauen Pulli. Nur beim Gerangel um seine Vertragsverlängerung bekam sein weißes Hemd Flecken ab. Löw, Bierhoff und Co. wurden per gezielter Indiskretion in die Rolle der macht- und geldgierigen Besserwisser gedrängt. Zwischen den auf ihren Einfluss bedachten Funktionären des DFB und den freischaffenden Fußball-Künstlern um Löw knirschte es.

Warum diese Störgeräusche jetzt angeblich so problemlos beseitigt werden konnten - dazu gab es gestern erwartungsgemäß keine offene Antwort. Ob das Konfliktpotenzial tatsächlich beseitigt ist?

Es ist wie immer im Fußball: Wenn es sportlich gut läuft, dann geht alles gut. Und wenn es sportlich nicht läuft, dann ist nichts gut. Vor allem der Bundestrainer nicht. Von Franz Neuhäuser

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