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Tennis

16.06.2017

Für Valentina

Tommy Haas schwingt sich gegen Roger Federer zu einer seiner letzten Großtaten auf. Motiviert hat den 39-Jährigen auch die Unterstützung seiner Tochter. Der Verlierer nimmt die Pleite mit Humor

Eindringlich verhandelte Tochter Valentina über ein Eis, Papa Tommy Haas ließ sich erweichen. Für ihren Einsatz beim Coup des deutschen Tennis-Altmeisters über Roger Federer hatte sich die Sechsjährige ein Dankeschön verdient. „Wir konnten es gar nicht glauben“, flüsterte sie ihrem Vater im Presseraum zu. „Ich auch nicht“, antwortete er.

Doch gerade seine Tochter gibt ihm beim Rasenturnier in Stuttgart einen besonderen Motivationskick. Begeistert fiebert Valentina mit, klatscht, springt auf, feuert ihn an. „Das ist vielleicht ein Grund, warum der Sieg noch einmal kam. Ich wollte immer, dass sie ihrem Vater noch mal zuschauen kann“, sagte der 39-Jährige nach seinem überraschenden Einzug ins Viertelfinale, in dem er am heutigen Freitag auf Mischa Zverev trifft. „Der Sieg gegen Roger vor ihren Augen ist eine tolle Geschichte.“

Wieder und wieder plagte sich Haas mit Verletzungen herum, kurz vor seinem Karriereende erlebte er nun mit dem 2:6, 7:6 (10:8), 6:4 über den Rekord-Grand-Slam-Sieger einen emotionalen Moment auf seiner Abschiedstour. Seinem Freund Federer verdarb Haas damit das Comeback nach freiwilliger Abstinenz. Gut zwei Wochen vor Wimbledon bescherte er dem dominanten Profi des Saisonauftakts einen bitteren Rückschlag. Auch für Federer waren die „sehr süßen“ Anfeuerungsrufe der kleinen Valentina nicht zu überhören. Der Schweizer war ohne Familie angereist. Nach dem Aus fuhr der Vater von Zwillingstöchtern und Zwillingssöhnen schnell zurück in die Lenzerheide, scherzte vorher aber noch über Daumen drückende Kinder: „Ich bringe zwei mit nach Halle, dann bin ich im Vorteil. Oder vier, wenn es sein muss.“ Federer lachte. Die gesamte Entourage soll in Wimbledon dabei sein, wenn der Schweizer die Chance auf den achten Titel nutzen will.

Drei Monate nach seinem 39. Geburtstag würde auch der baldige Tennis-Rentner Haas gern noch einmal den Rasen in Londons betreten. Auf Platz 302 listet die Weltrangliste den einstigen Wimbledon-Halbfinalisten nach den großen Verletzungssorgen derzeit. Der Wahl-Amerikaner hofft auf eine Wildcard. Heute wird Töchterchen Valentina aber erst einmal in Stuttgart wieder in der ersten Reihe sitzen, wenn Haas gegen Mischa Zverev ums Halbfinale spielt.

Auch Vater Peter und Schwester Sabine unterstützen den Oldie auf dem Weissenhof. Seit Rom 2014 hat die frühere Nummer zwei der Welt kein Viertelfinale bestritten. So lange ist es her, dass Haas zwei beziehungsweise drei Partien in Serie gewann. Anschließend quälte sich der 15-fache ATP-Turniersieger einmal mehr mit Schmerzen an Schulter und Fuß. Neun Operationen hat er insgesamt inzwischen hinter sich. Die Saison 2016 musste der gebürtige Hamburger komplett auslassen.

Valentina war für ihn eine Inspiration, sich zu schinden und auch trotz der Tage weiterzumachen, an denen er sich nach dem Aufstehen kaum bewegen kann. Inzwischen freut sich Haas einfach darüber, ohne Probleme Tennis zu spielen. Fünf Partien hatte Haas vor dem Duell mit Federer seit seinem Comeback im Januar gewonnen, Federer die Titel bei den Australian Open, in Indian Wells und Miami abgeräumt.

Haas wehrte einen Matchball ab und zeigte, dass es selbst gegen Federer noch reichen kann. „Ich habe mich ein bisschen selbst geschockt. Es tut mir auch ein bisschen weh. Ich bin auch Tennis-Fan und sehe ihn gern spielen“, räumte Haas ein. „Ich glaube, er kann die Niederlage gegen mich leichter herunterschlucken.“ Schließlich verlor Federer gegen einen guten Freund, der bald abtritt. (dpa)

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