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Fußball
15.10.2019

Bulgarien gegen England: Der Abend der Schande

Geht es weiter oder nicht? Englands Nationaltrainer Gareth Southgate (zweiter von links) und sein Kapitän Harry Kane (vierter von links) beratschlagen sich während einer der beiden Spielunterbrechungen in Bulgarien.
Foto: Nick Potts,PA Wire, dpa

Beim Länderspiel in Bulgarien werden englische Spieler mit Affenlauten und dem Hitlergruß beleidigt. Die Partie stand vor dem Abbruch und schlägt hohe Wellen.

Die wohl exklusivste Sichtweise auf den Abend kam von Bulgariens Nationaltrainer Krassimir Balakov. Der ehemalige Bundesliga-Profi des VfB Stuttgart und derzeitige Nationaltrainer Bulgariens sagte nach der 0:6-Niederlage seines Teams gegen England, dass er während des Spiels die rassistischen Schmähgesänge und die Affenlaute nicht gehört habe, mit denen einige dunkelhäutige englische Spieler bedacht wurden.

Auch die Hitlergrüße, die einige Zuschauer im Stadion Vasil Levski gezeigt hatten, will er nicht gesehen haben. Immerhin: Dass das Spiel wegen dieses Eklats zweimal vor dem Abbruch stand, ist nicht an Herrn Balakov vorbeigegangen.

Bulgariens Nationaltrainer Balakov will die Affenlaute nicht gehört haben

"Ich habe gesehen, dass der Referee das Spiel gestoppt hat", erklärte der Coach. Sollte es diese Laute gegeben haben, müsse man sich dafür entschuldigen. Er fügte aber auch hinzu: "Ich muss auch sagen, es gab nicht nur das Benehmen der bulgarischen Fans, sondern auch der englischen Fans, die während der bulgarischen Nationalhymne gepfiffen und gegrölt haben." Und überhaupt: Ein Problem mit Rassismus gebe es in Bulgarien nicht. Schließlich seien in der Liga viele Spieler verschiedener Ethnien unter Vertrag.

Englands Nationaltrainer Gareth Southgate ist vier Jahre jünger als der 53-jährige Balakov. Vielleicht ist deswegen sein Hörvermögen ein bisschen besser als das seines bulgarischen Kollegen. Während der Partie machte Southgate die Schiedsrichter jedenfalls auf das Verhalten der Zuschauer aufmerksam, besprach sich deswegen mit seinem Kapitän Harry Kane. Dabei ging es um die Frage, ob die Engländer überhaupt weiterspielen werden.

Die bulgarischen Fans fielen nicht zum ersten Mal negativ auf

Es ist nicht das erste Mal, dass einige ihrer Spieler zur Zielscheibe rassistischer Angriffe geworden sind: Beim Qualifikationsspiel in Montenegro im März hatten Zuschauer dunkelhäutige Spieler rassistisch beleidigt. Montenegro wurde deswegen zu einer Geldstrafe von 20 000 Euro und einer Platzsperre verurteilt: Die Begegnung gegen den Kosovo im Mai musste ohne Zuschauer stattfinden.

Auch die Bulgaren sind Wiederholungstäter: Die Partie gegen England war bereits vor teilweise leeren Rängen ausgetragen worden, weil bulgarische Fans schon in den Spielen gegen Tschechien und den Kosovo im Juni durch rassistische Äußerungen negativ aufgefallen waren. Im Vorfeld des Spiels in Bulgarien hatte Chelsea-Profi Tammy Abraham deswegen angekündigt, dass das Team den Rasen bei rassistischen Vorfällen verlassen werde. Letztlich stand aber die Entscheidung, die Partie zu Ende zu bringen.

Englands Kapitän Harry Kane begründete dies so: "Wir wollten die Antwort auf dem Platz geben." Sein Trainer Gareth Southgate sagte nach Abpfiff: "Wir könnten dafür kritisiert werden, dass wir nicht weit genug gegangen sind, aber ich glaube, wir haben ein wichtiges Statement abgegeben." An seine Spieler sprach er jedenfalls ein großes Lob aus: "Ich glaube nicht, dass ein Spiel dieser Größenordnung jemals zweimal unterbrochen wurde. Ich bin unglaublich stolz auf alle Spieler und Mitarbeiter."

Am Tag darauf schlug der Abend der Schande in Sofia hohe Wellen. Die britische Regierung verurteilte das Verhalten der Bulgaren aufs Schärfste, der Verband Uefa wird wohl Anklage gegen den bulgarischen Verband erheben. Der Präsidenten des bulgarischen Fußballverbandes trat auf Druck des Staatschefs des Landes zurück.

"Das war eine der entsetzlichsten Nächte, die ich je im Fußball gesehen habe"

Greg Clarke, der Vorsitzende des englischen Verbandes FA, sagte: "Das war eine der entsetzlichsten Nächte, die ich je im Fußball gesehen habe." Der Guardian aus England schrieb: "Was wir bekommen haben, war ein miserables Ereignis in einer miserablen Nacht in einem miserablen Stadion (...) vor einem miserablen Hintergrund von Beschuldigungen und bösem Blut. Am Ende hat sich das kein bisschen wie ein Sportereignis angefühlt."

 

Doppeltorschütze Raheem Sterling von Manchester City, selbst ein dunkelhäutiger Spieler, schrieb dazu auf Twitter: "Ich habe Mitleid für Bulgarien, dass es im Stadion von solchen Idioten repräsentiert wird." Ob Krassimir Balakov den Tweet von Sterling bereits gesehen hat, ist nicht bekannt.

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