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Fußball
30.09.2021

Das Financial Fairplay steht vor dem Ende: Spiel ohne Grenzen

Von Krise keine Spur: Während andere Klubs infolge von Corona sparen müssen, ging Paris St. Germain im Sommer auf große Einkaufstour. Alleine Lionel Messi soll 41 Millionen Euro pro Jahr verdienen.
Foto: Sebastien Boue, Witters

Mit dem Financial Fairplay wollte die Uefa die Klubs zu einem verantwortungsvollen Finanzgebaren zwingen. Das ist gescheitert – und nun soll die Regel faktisch abgeschafft werden.

Das Spiel zwischen Paris St. Germain und Manchester City war ein Champions-League-Abend, wie ihn sich die Uefa vorstellt: Stars auf beiden Seiten, hochklassiger Fußball und eine Pointe in Form des ersten Tores von Lionel Messi zum 2:0-Sieg für seinen neuen Klub. Und das auch noch gegen seinen großen Förderer Pep Guardiola als City-Trainer. Doch eigentlich hätte dieses Spiel nicht stattfinden dürfen – zumindest dann nicht, wenn das Financial Fairplay (FFP) greifen würde, das sich die Uefa vor zwölf Jahren gegeben hat um die Klubs zu finanzieller Disziplin anzuhalten. Die Uefa hat nun eine FFP-Reform angekündigt – doch diese ruft bei vielen Beobachtern erst recht Entsetzen hervor.

Vereinfacht gesagt soll mit dem Financial Fairplay geregelt werden, dass kein Verein dauerhaft mehr Geld ausgibt, als er einnimmt. Damit sollte verhindert werden, dass ein Investor einen Verein mit nahezu unbegrenzten Mitteln ausstattet – also das, was in Paris oder bei Manchester City längst Usus ist. Nach Jahren der laschen Umsetzung hatte die Uefa Manchester City zwar Anfang 2020 für zwei Jahre von der Königsklasse ausgeschlossen worden. Weil der internationale Sportgerichtshof CAS das Urteil aber revidierte, war das FFP nun endgültig zum Papiertiger geworden.

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin stellte den großen europäischen Klubs nach Recherchen des WDR-Magazins Sportinside kürzlich die Reformpläne vor. Die wesentlichen Punkte: Investorengelder sollen künftig unbegrenzt erlaubt sein. Eine Gehaltsobergrenze für die 25 Spieler, die für den Europacup gemeldet werden, soll zwar kommen. Ebenso wie die Regel, dass die gesamten Kaderkosten – also Ablösesummen, Gehalt und Handgelder – nur 70 Prozent der Einnahmen betragen dürfen. Falls ein Klub gegen diese 70-Prozent-Regel verstößt, wird eine Strafe fällig, die dann der Allgemeinheit zugutekommen soll. Geht es nach Ceferin, sollen schon zum Ende diesen Jahres die ersten Änderungen in Kraft treten.

Andreas Rettig ist ehemaliger Geschäfstführer der DFL.
Foto: Ulrich Wagner

Ex-DFL-Geschäftsführer Rettig: Geldstrafen als "Treppenwitz"

Reiche Klubs können sich also von der Regel frei kaufen – ein Umstand, der in der Branche für Kopfschütteln sorgt. Der ehemalige DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig sagte unserer Redaktion dazu: "Eine Geldstrafe für diejenigen, die ohnehin Geld im Überfluss haben, ist keine wirkliche Strafe. Ich halte die Ideen, die hier im Raum stehen, für nicht zielführend. Ein Geldstrafe als Sanktion für die Kataris – das ist ein Treppenwitz."

Schon jetzt spielt Geld für das aus Katar finanzierte Paris und das aus den Vereinigten Arabischen Emiraten geförderte Manchester City keine Rolle: Inmitten der Corona-Krise leisteten sich die Franzosen Messi mit einem Jahresgehalt von 41 Millionen Euro, City verpflichtete Jack Grealish für 117 Millionen Euro. Rettig fasst die faktische Abschaffung von Financial Fairplay so zusammen: "Hier wird Tür und Tor geöffnet für unkontrollierte Kapitalzufuhr. Das fördert einen ruinösen Wettbewerb."

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Paris-Boss Nasser Al-Khelaifi findet das Financial Fairplay "unfair"

Warum die Uefa das tut? Einerseits musste nach dem CAS-Urteil die FFP-Rechtsgrundlage ohnehin überarbeitet werden – andererseits ist die Uefa mehr denn je abhängig von einzelnen Top-Klubs. Im Frühjahr hatte eine Ansammlung von Vereinen aus England, Spanien und Italien den Aufstand geprobt und versucht, eine Super League ohne die Uefa zu gründen. Dass dieses Vorhaben scheiterte, lag unter anderem daran, dass Paris St. Germain sich sperrte.

PSG-Boss Nasser Al-Khelaifi (links) lotste Lionel Messi nach Paris.
Foto: Stephane De Sakutin, dpa

Der katarische Vereinsboss Nasser Al-Khelaifi, schon zuvor einer der einflussreichsten Funktionäre, ist seither Chef der europäischen Spitzenklub-Vereinigung. Bezüglich des FFP hat er eine klare Meinung: "Für mich ist Financial Fairplay unfair, weil es die Investoren im Fußball blockiert." Schon in der Vergangenheit war die Uefa den Vereinen mit den Reformen der Champions League weit entgegengekommen. Die Formel lautete stets: mehr Spiele, mehr Wettbewerbe, mehr Einnahmen. Nun ändert der Verband auch die finanziellen Spielregeln.

In der Bundesliga ist Financial Fairplay durch die 50+1-Regel geregelt.   Diese besagt, dass der Verein, nicht der Investor die Entscheidungsgewalt hat. Das macht die deutschen Klubs aber auch weniger attraktiv für Investoren. Verliert die Bundesliga nun den Anschluss? Rettig mag nicht daran glauben: "Die Bundesliga wurde schon oft totgesagt, dennoch ist sie immer noch eine der Top-Ligen. In Kenntnis der Rendite-Erwartungen wird diese Entwicklung nur schwer zu stoppen sein. Das bedeutet aber nicht, dass wir diesen Unsinn mitmachen müssen."

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