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Fußball-EM 2021
11.06.2021

Stéphanie Frappart ist die erste Schiedsrichterin bei einer Fußball-EM

Frappart hat als erste Fußball-Schiedsrichterin ein WM-Qualifikationsspiel der Männer geleitet.
Foto: Thanassis Stavrakis/AP/dpa

Als erste Frau ist Schiedsrichterin Stéphanie Frappart bei der Männerfußball-EM im Juni dabei. Grenzen kennt die 37-Jährige bei ihrem steilen Aufstieg bislang nicht.

Gendern ist in Frankreich noch nicht so verbreitet. Während sich in Deutschland Verlage, Universitäten und nicht zuletzt Redaktionen Debatten um das Sternchen zur linguistischen Inklusion aller Geschlechter liefern, verbot Bildungsminister Jean-Michel Blanquer sie "wegen ihrer Komplexität" an den Schulen Anfang Mai im Nachbarland.

Die am 11. Juni beginnende Fußball-Europameisterschaft wäre jedoch kein schlechter Zeitpunkt, um die "écriture inclusive" offiziell einzuführen, auch wenn die jüngere Generation sie bereits häufig benutzt. Denn erstmals in der Geschichte stehen eben nicht nur Schiedsrichter auf dem Platz, sondern auch eine Schiedsrichterin.

Stéphanie Frappart ist als erste Frau bei einer Männer-EM im Einsatz

Stéphanie Frappart, 1983 im nordfranzöischen Le Plessis-Bouchard geboren, hat bereits im April 2019 ihr Debüt in Frankreichs erster Liga gefeiert, wenig später betrat die 1,68 Meter große Angestellte beim Arbeitersportverband internationales Parkett. Damit folgte sie auf die Deutsche Bibiana Steinhaus, die nur noch als Video Assistent Referee im Kölner Keller fungiert und als Pionierin der Frauen ihrer Branche gilt. Im Vorfeld der Frauen-WM 2019 beschrieb sie Frapparts Leistungen im Fachmagazin kicker als "großartig".

Sie habe gezeigt, sagte Frappart in einem Interview, dass "ich die Spiele der Männer nicht wegen meines Geschlechts sondern wegen meiner Kompetenzen pfeife." Dieses Selbstbewusstsein muss Frappart wie alle ihre Kolleginnen und Kollegen auf dem Platz zeigen. Im europäischen Supercup 2019, übrigens dem ersten internationalen Männerspiel, das je eine Frau gepfiffen hat, bekam das auch Cesar Azpilicueta mit. Damals sieht der Kapitän des FC Chelsea zu Recht die Gelbe Karte. Der spanische Abwehrhüne ist mit der Entscheidung nicht einverstanden, rennt auf Frappart zu, die Hände sind hinter dem Rücken verschränkt, das Gesicht vor Empörung verzerrt. Die Schiedsrichterin bleibt stehen, erklärt ihren Entschluss. Diskutieren wird sie ihn nicht.

Auf die Frage eines Zweitligaspielers, ob er sie nun Herr Schiedsrichter oder Frau Schiedsrichterin nennen solle, habe sie einmal geantwortet: "Wonach sehe ich denn Ihrer Meinung nach aus?"

Stéphanie Frappart kommt bei der EM 2021 zum Einsatz und ist schnell aufgestiegen

Zum Männerfußball ist die 37-Jährige gekommen, weil sie den der Frauen ihrer eigenen Aussage nach für "noch nicht so weit entwickelt" ansah, Grenzen kannte Frappart im Schiedsrichterwesen im Gegensatz zu ihrer lediglich im Amateurbereich absolvierten Karriere als Fußballerin bislang nicht. Deshalb verschiebt sie sie jetzt immer weiter nach hinten. Angefangen mit der im August 2014, bei einer eigentlich bedeutungslosen Partie zwischen Niort und Brest in der zweiten französischen Liga. Das fade 0:0 ging trotzdem in die Geschichte ein - als erstes von einer Frau geleitetes Profispiel in Frankreich.

Dann ging es innerhalb der nächsten fünf Jahre ganz schnell. Auf Einsätze im französischen Pokal und bei der Frauen-WM 2015 folgen Partien in der ersten Liga und dem Super-Cup-Finale 2019. Im Dezember vergangenen Jahres pfeift Frappart das Champions-League-Spiel der Männer zwischen Juventus Turin und Dynamo Kiew. Nun tritt sie den Weg zur EM an - an welchen Partien sie teilnehmen wird, ist derweil noch offen.

Dabei tritt sie jedoch wieder in die zweite Reihe zurück, ist lediglich als vierte Offizielle eingeplant. Sie wird also nicht wie bisher die Matchvorbereitung leiten, ihre klaren Ansagen und deutlichen Worte an die Kollegen wird sie also erst einmal zurückhalten (müssen). Sollten sich die ranghöheren Schiedsrichter jedoch verletzen, kommt Frappart zum Einsatz - und könnte so erneut Geschichte schreiben. Auch ganz ohne gendern.

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