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Fußball-EM 2021
13.06.2021

TV-Kritik nach Eriksen-Kollaps: Wenn plötzlich die Welt still steht

Entsetzen statt Torjubel: Auch die dänischen Fans im Stadion wurden vom Kollaps von Christian Eriksen geschockt.
Foto: Martin Meissner, dpa

Der Herzstillstand des dänischen Stars ist eine Ausnahmesituation - auch für TV-Sender wie das ZDF. Wie Kommentator Béla Réthy wahre Größe bewiesen hat.

Als Christian Eriksen ohne Einwirkung eines Gegenspielers zusammengebrochen war, versuchte die Kamera wie immer in solchen Fällen, einen Blick auf sein Gesicht zu erhaschen. Erst als angesichts der Wiederbelebungsmaßnahmen durch die aufs Feld geeilten Rettungssanitäter klar wurde, dass hier ein Mensch mit dem Tode ringt, ging die Bildregie auf Distanz; aber da hatten die schockierten Mitspieler längst einen Kreis gebildet, um die Würde ihres Kollegen zu wahren. ZDF-Kommentator Béla Réthy, der in seinen dreißig Jahren in diesem Job schon einiges erlebt hat, zeigte in diesem Moment wahre Größe: Er schwieg; minutenlang.

Sportmoderator Bela Rethy.
Foto: Axel Heimken (dpa)

Jochen Breyer tat es ihm im "Sportstudio" auf dem Mainzer Lerchenberg nach. Seinen Gästen Per Mertesacker, Christoph Kramer und Manuel Gräfe, ebenso erschüttert wie in diesem Moment vermutlich alle Zuschauerinnen und Zuschauer, fehlten ohnehin die Worte. Der Moderator gab ab zu den "heute"-Nachrichten, was bei Sportveranstaltungen am frühen Abend immer heißt: erst mal Werbung.

Statt Fußball-EM sendete das ZDF den Bergdoktor

Anschließend fand es der hörbar mitgenommene Réthy "absolut unvorstellbar", dass die Partie fortgesetzt würde. Anstatt unnötiger Spekulationen aus dem Studio zeigte das ZDF eine elf Jahre alte Episode der Serie "Der Bergdoktor"; dort ging es ebenfalls um Leben und Tod.

Angesichts von Eriksens ungewissem Schicksal wurde alles andere unwichtig. Vergessen war die allenfalls durchwachsene Leistung des ARD-Kommentators Florian Naß, der am Abend zuvor während der Eröffnungsfeier ungerührt in Andrea Bocellis Darbietung der Arie "Nessun dorma" quasseln musste, weil er seine Geschichte über die Erblindung des Sängers loswerden wollte; später offenbarte der Handballexperte zudem Schwächen bei der Regelkunde.

Vergessen war angesichts der uninspirierten Darbietungen beim Eröffnungsspiel auch die ernüchternde Erkenntnis, dass Vorrundenspiele bei Welt- und Europameisterschaften nur selten Spitzenfußball bieten. Für einen kurzen Moment stand sogar das gesamte Turnier infrage.

Natürlich ist es anders gekommen. Seit dem Terroranschlag bei den Olympischen Spielen in München 1972 gilt die Devise des damaligen IOC-Vorsitzenden Avery Brundage: "The games must go on." Das EM-Spiel wurde nach 75-minütiger Unterbrechung wieder angepfiffen, und auch Réthy konnte guten Gewissens seiner Arbeit nachgehen: Die Uefa überließ die Entscheidung den Spielern, das Spiel fortzusetzen.

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